Es gibt bestimmt schlechtere Wohnorte als Egg. Der mit knapp 800 Einwohnern kleinste der 15 Konstanzer Stadtteile hat etliche Sportanlagen, befindet sich im Grünen zwischen Wald und See und kann mit einem wunderschönen Blick auf die Insel Mainau aufwarten.

Was es allerdings nicht gibt, sind: Restaurants, Supermärkte, Post, Apotheken, Ärzte – sprich: eine gut funktionierende Infrastruktur. Die aktuelle besteht aus einer Telefonzelle und einem Briefkasten.

Deshalb fühlen sich viele Egger abgehängt vom Rest ihrer Stadt.

Dies war bereits im Sommer 2017 eines der Ergebnisse einer Befragung der Egger Bürgergemeinschaft (BG). Neben „einer unzureichenden Taktung der Buslinie 4/13“ moniert diese nun in einem Briefwechsel mit den Verkehrsbetrieben das Fehlen eines Kurzstreckentarifs sowie die Form, in der ein solcher kommen soll.

„Die Einwohner von Egg sind auf regelmäßige Fahrten zumindest nach Allmannsdorf angewiesen. Viele besitzen kein KFZ oder versuchen bei innerstädtischen Zielen umweltschonend auf das Auto zu verzichten“, heißt es in einem Schreiben, das dem SÜDKURIER vorliegt.

Schriftführer Manfred Witznick ergänzt: „Um irgendwas zu machen, muss man mindestens zwei Stationen fahren, und die Busfahrt für diese lächerliche Strecke, wo man in drei Minuten da ist, kostet dann 2,50 Euro.“ In zahlreichen anderen und teilweise deutlich größeren Städten als Konstanz seien Fahrten für Strecken von in der Regel vier Haltestellen deutlich günstiger, führen die Egger weiter an.

Der BG-Vorsitzende Andreas Marx stellt sich die Frage: „Warum schaffen es andere ähnliche Städte wie Tübingen günstiger?“

Kurzstreckentarif: Ja, aber nur per App. Das finden die Egger nicht gut

Die Stadtwerke haben im September 2018 in einer öffentlichen Informationsveranstaltung, begleitet von externen Tarifexperten, mögliche Varianten eines Kurzstreckentarifs erläutert. „Als Fazit hat sich der entfernungsabhängige Kurzstreckentarif auf Basis der Smartphone-Lösung als beste Variante ergeben, um eine möglichst gerechte Lösung anzubieten“, schreibt Pressesprecher Josef Siebler auf SÜDKURIER-Anfrage. Dieses neue Ticket könne jedoch „nur per Smartphone abgerechnet werden“, so Siebler weiter.

Ob dies zur Zufriedenheit der Egger sein wird, ist fraglich. Schreibt die Bürgergemeinschaft doch folgendes:

„Dass der neue Entfernungsrabatt aus technischen Gründen ausschließlich auf Basis einer App umsetzbar sein soll, ist für uns nicht nachvollziehbar. In Egg gibt es zahlreiche Senioren, die kein Smartphone nutzen. Eine appgestützte Variante wäre von daher extrem kundenunfreundlich.“

Dem entgegneten die Stadtwerke, dass sie sowohl „auf Basis der Erkenntnisse aus der Informationsveranstaltung“ als auch „unter Berücksichtigung der Äußerungen aus den Reihen des Stadtseniorenrates“ zu ihrem Ergebnis gekommen seien.

Und Pressesprecher Siebler fügt hinzu: „Der Verkauf über das Smartphone wird im ÖPNV in Zukunft wichtiger werden. Der Erwerb eines Fahrscheins wird für den Fahrgast dadurch natürlich auch einfacher.“ Manfred Witznick, Schriftführer der Bürgergemeinschaft, sieht das anders:

„Das Handy kann eine Option sein, darf aber nicht zur Bedingung werden. Eine solche Zugangsbarriere halte ich für rechtlich unzulässig.“

Er, Andreas Marx sowie ihre Mitstreiter werden sich weiter einsetzen für ihren Stadtteil Egg. „Im Unterschied zu anderen Städten oder Kommunen passiert in Konstanz gar nix in Bezug auf günstigen oder kostenlosen ÖPNV am Wochenende, Elektrobusse oder ähnliches. Das ist ein absolutes Defizit und nicht mehr zeitgemäß. Das enttäuscht uns“, sagt Witznick.

Bis sich etwas ändern sollte, müssen die Egger hoffen, dass sie neben etlichen Sportanlagen und einem wunderschönen Blick auf die Insel Mainau auch über ein gut funktionierendes Mobilfunknetz verfügen.

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