Es war ein ernster Vorfall, den Sebastian Ceyran souverän verarbeitete. Der 31-jährige Inhaber von Sebbo's Sports Bar im Konstanzer Oberlohn ist Sohn einer deutschen Mutter sowie eines türkischen Vaters. Und er ist Muslim.

Vor einigen Tagen holte Ceyran früh morgens die Post aus dem Briefkasten seiner Wohnung in Wollmatingen – und fand darin neben all den Briefen eine eher geschmacklose Zustellung: "Jemand hatte Schweinespeck hineingesteckt. Aber nur den fetten Rand, das Beste hat er also weggelassen", scherzt der deutsche Muslim mittlerweile.

Steckt ein islamfeindliches Motiv dahinter?

Schweinefleisch gilt im Islam als unrein. Der Verzehr ist bei strenger Religionsauslegung verboten. Angesichts seines türkischen Nachnamens geht Sebastian Ceyran von einem islamfeindlichen Motiv aus. "Warum sonst sollte jemand Speck in meinen Briefkasten stecken?", fragt er.

Im ersten Moment ein Schock für ihn: Ähnliche Vorfälle habe es bereits beim Türkischen SV Konstanz gegeben, auf dessen Sportgelände Ceyrans Sportsbar liegt. "Damals lagen dort Schweinerippen im Briefkasten", sagt Ceyran. "Aber der Vorfall jetzt ist eben im Privaten passiert."

Es folgte ein Anruf bei der Polizei: "Die haben den Vorfall dann abgewiegelt, ihn als groben Unfug bezeichnet." Grober Unfug, auch Belästigung der Allgemeinheit genannt, zählt lediglich als Ordnungswidrigkeit.

Bei der Polizei sei Ceyrans Anruf nicht zu den Akten gelangt, heißt es auf Nachfrage vonseiten des Polizeipräsidiums Konstanz. Ob ein Beamter den Vorfall falsch eingeschätzt habe, könne deshalb nicht abschließend geklärt werden.

In ähnlich gelagerten Fällen in Deutschland hat in der Vergangenheit jedoch bereits der Staatsschutz Ermittlungen aufgenommen.

Er verarbeitet das Geschehene mit Galgenhumor

Einfach so stehen lassen wollte Sebastian Ceyran den Vorfall damals nicht.

Er entschied sich deshalb, den unbekannten Täter im sozialen Netzwerk Facebook öffentlich anzusprechen, ihn so – wenn auch anonym – an den virtuellen Pranger zu stellen. Dafür erntete er viel Zuspruch.

 

 

"Ich habe keine Feinde, zumindest keine, von denen ich weiß"

"Wahrscheinlich legt uns der Unbekannte jetzt nur die Schale in den Briefkasten, nicht das ganze Ei", scherzt Ceyran heute weiter. Wer es war, weiß der 31-Jährige noch immer nicht. Und auch eine Vermutung fehlt: "Ich habe keine Feinde – zumindest keine, von denen ich weiß", sagt er.

Zu seinem Freundeskreis zählen seit jeher Menschen aus allen Kulturen, ob arabisch, afrikanisch oder europäisch. Auch den eigenen Glauben lebe er nicht dogmatisch: Er sei christlich und islamisch erzogen worden; das mit dem Alkohol sehe er ebenfalls nicht so eng; und früher habe er sogar selbst gelegentlich Schweinefleisch gegessen: "Mich würde deshalb tatsächlich interessieren, was im Kopf dieser Person vor sich geht. Wir sind doch alle Menschen, egal ob Muslim oder nicht, ob Deutscher oder nicht."