Konstanz Ein Kompass für die Bildung in Konstanz

Das Integrations-Projekt läuft seit zwei Jahren. Es kann auf viele Erfolge seiner Arbeit mit Paten und mit individueller Beratung zurückblicken.

Für Mehmet Usta war Mathematik das Fach, in dem er glänzte. Doch alle seine Versuche, seine Kinder dabei zu unterstützen, beim höheren Rechnen auf einen grünen Zweig zu kommen, scheiterten. In der Türkei, so sagt Usta, seien ganz andere Arbeitsschritte vermittelt worden als bei seinen Kindern heute in der deutschen Schule. Mehmet Usta war froh, als er zufällig von Kompass hörte, einem Projekt in Konstanz, das die Bildungschancen von Bürgern aus Nicht-EU-Staaten verbessern will. Kompass unterstützt Familien mit dauerhafter Aufenthaltserlaubnis für Deutschland mit Nachhilfe und noch viel mehr. Das Integrationsprojekt hilft beispielsweise auch Eltern, wenn es Unsicherheiten bei Erziehungsfragen gibt oder wenn sie selbst ihr Deutsch verbessern wollen.

290 Personen, darunter 146 Kinder, hat das Kompass-Team in Konstanz seit dem Start vor zwei Jahren betreut. Der Jahresetat für die Arbeit liegt bei rund 100 000 Euro jährlich. Noch ein Jahr kann das Projektteam auf dieser Basis arbeiten, dann hofft es auf Verlängerung. "Wir haben Lücken gefüllt", sagt Projektleiterin Tülin Kabakli. Sie hat inzwischen 90 Paten auf der Liste, die sich für Kompass engagieren wollen. 68 seien gerade aktiv. Eine dieser Paten ist die Studentin der Politik- und Verwaltungswissenschaften Leila Mousavi Takieh, die mit einer Mutter aus Luxemburg und einem Vater aus dem Iran aufgewachsen ist. Sie ist überzeugt: "Jedes Kind sollte individuelle Förderung bekommen. Abgehängt werden – das ist furchtbar." Die Studentin hat selbst erlebt, wie hilfreich Nachhilfe sein kann. Deshalb hat sie sich schon vor Jahren entschlossen, selbst anderen beim Lernen zur Seite zu stehen, zuletzt im Projekt Kompass den Kindern von Mehmet Usta.

Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung von Lernstoffen, sondern auch um Lerntechniken, um das Einhalten von Vereinbarungen und interkulturelle Fragen. Der elf Jahre alten Havin Usta, die das Gymnasium besucht, ist es so gelungen, Struktur in ihren Lernalltag zu bringen.

Kompass versteht sich als Anschubhilfe. Maximal ein Jahr sollen die Paten in einer Familie tätig sein. Wenn nötig, werden die Eltern aber weiter unterstützt. Kompass hat Kontakt zu 33 Institutionen. "Das Netzwerk funktioniert super", sagt Projektleiterin Tülin Kabakli. Der Aufhänger für Einsätze ist oft die Nachhilfe für ein Kind in einem bestimmten Schulfach. Doch die Mitarbeiter vermitteln noch viel mehr. Es geht auch darum, den Boden für Bildung in den Familien zu bereiten, und die Eltern beispielsweise zu unterstützen bei Fragen, wie sich Zubett-Geh-Zeiten durchsetzen lassen. Manchmal gehe es auch darum, schon lange in Deutschland lebende Eltern zum Gebrauch der deutschen Sprache zu ermuntern.

Kompass hat auch einen Kurs zum Thema Alltagssprache für Mütter initiiert. Das Projekt kümmerte sich seit der Gründung um Familien aus mehr als 20 Nationen. Damit Schüler auch in den Sommerferien Deutsch trainieren können, hat Kompass einen Lesespaß mit Lesepaten in Kooperation mit dem Café Mondial initiiert.

 

Das Projekt

Zwei Jahre nach dem Start hat die Integrations- und Bildungsinitiative Kompass fast 300 Teilnehmer unterstützt. Kompass richtet sich an Familien aus Nicht-EU-Staaten mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht. Der europäische Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds übernimmt 75 Prozent der Kosten. Träger des Projekts ist das DRK. Angeboten werden unter anderem Bildungspatenschaften für Kinder. (rin)

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