Altwerden ist ein Thema, das oftmals verdrängt wird, aber nicht nur die Erwachsenen betrifft. Im Gegenteil: Bei der Ideenfindung zum neuen Musicalprojekt von Musiklehrerin und Komponistin Nadja Adam brachte die Affenbande, die junge Kerntruppe des Ensembles, das Thema aufs Tapet.

Kinder wollen über Tod und Trauer erfahren

Die Kinder wollten sich mehrheitlich mit dem Thema Altwerden und Pflegenotstand und damit einhergehend Krankheiten, Tod und Trauer auseinandersetzen. Nadja Adams Aufgabe war es letztlich, diese nicht gerade leichten Themenkomplex in eine phantasievolle, magische und erbauliche Geschichte zu verpacken, damit auch kleine Kinder den Inhalt verstehen und nicht erschrecken.

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Einige der jungen Mitwirkenden hatten sich bereits vor dem Projekt mit dem Thema beschäftigt. Es gibt Kinder, deren Großeltern bereits im Pflegeheim oder gestorben sind. Den Kindern ist es wichtig, darüber reden zu können, denn im Gespräch können sie das Erlebte verarbeiten und Trost finden.

Musiklehrerin und Komponistin Nadja Adam (Mitte).
Musiklehrerin und Komponistin Nadja Adam (Mitte). | Bild: Scherrer, Aurelia

Pfleger, Senioren und Zeitzeugen als Referenten eingeladen

In den Unterhaltungen mit den Kindern wird eines deutlich: Je mehr Wissen sie anhäufen und je mehr sie über diese Themen reden, umso einfacher wird für sie der Umgang mit dem Unabwendbaren. Mit einem erstaunlichen Selbstverständnis sagen schon achtjährige Kinder: „Altwerden und Sterben gehören zum Leben.“

Feline Heintzel (12): „Ich war schon bei allen Musicals dabei. Es macht großen Spaß. Ich habe auch für das Thema gestimmt, weil ich es interessant finde, wie das Leben im Alter so ist. Die Oma einer Freundin hat Demenz. Sie vergisst sehr viel und die Angehörigen haben Angst, dass es noch schlimmer wird. Eine ältere Frau, die uns über das Altwerden berichtet hat, hat uns aber auch gezeigt, dass es auch ganz schön sein kann, alt zu werden, und Pfleger haben uns von ihrer Arbeit erzählt. Mit dem Stück wollen wir auch auf das Problem des Pflegenotstands aufmerksam machen, in der Hoffnung, dass sich was verbessert.“
Feline Heintzel (12): „Ich war schon bei allen Musicals dabei. Es macht großen Spaß. Ich habe auch für das Thema gestimmt, weil ich es interessant finde, wie das Leben im Alter so ist. Die Oma einer Freundin hat Demenz. Sie vergisst sehr viel und die Angehörigen haben Angst, dass es noch schlimmer wird. Eine ältere Frau, die uns über das Altwerden berichtet hat, hat uns aber auch gezeigt, dass es auch ganz schön sein kann, alt zu werden, und Pfleger haben uns von ihrer Arbeit erzählt. Mit dem Stück wollen wir auch auf das Problem des Pflegenotstands aufmerksam machen, in der Hoffnung, dass sich was verbessert.“ | Bild: Scherrer, Aurelia
Ben Richter (10): „Es ist wichtig, dass man alten Leuten zuhört. Sie werden immer mehr und sterben und die Geschichten gehen dann verloren. Ich finde es wichtig, sich in ihre Lage zu versetzen und ihnen Beachtung zu schenken. Ich stöbere gerne in den alten Sachen von meinem Opa und lasse mir von ihm etwas erzählen. Der Tod gehört zum Leben dazu, das kann man nicht verhindern. Was danach kommt, weiß ich nicht, man kann niemanden fragen. Ich stelle mir eigentlich nichts Konkretes vor. Irgendwas kommt schon. Vielleicht werden alle irgendwie zu einem Bestandteil der Erde.“
Ben Richter (10): „Es ist wichtig, dass man alten Leuten zuhört. Sie werden immer mehr und sterben und die Geschichten gehen dann verloren. Ich finde es wichtig, sich in ihre Lage zu versetzen und ihnen Beachtung zu schenken. Ich stöbere gerne in den alten Sachen von meinem Opa und lasse mir von ihm etwas erzählen. Der Tod gehört zum Leben dazu, das kann man nicht verhindern. Was danach kommt, weiß ich nicht, man kann niemanden fragen. Ich stelle mir eigentlich nichts Konkretes vor. Irgendwas kommt schon. Vielleicht werden alle irgendwie zu einem Bestandteil der Erde.“ | Bild: Scherrer, Aurelia
Helga Kaufmann (70): „Das Thema ist aus dem Leben gegriffen. Es ist wichtig, dass Kinder, so klein sie auch sind, das Gespür für das Älterwerden bekommen und dass alte Menschen Hilfe brauchen, finde ich unwahrscheinlich wichtig. Nadja Adam ist es gelungen, es toll rüberzubringen und dem Thema den Schrecken zu nehmen. Es ist faszinierend, wie sie das Projekt lebt und alle begeistern und mitreißen kann. Und die Lieder, die sie geschrieben hat, sind als solche schon einfach mitreißend.“
Helga Kaufmann (70): „Das Thema ist aus dem Leben gegriffen. Es ist wichtig, dass Kinder, so klein sie auch sind, das Gespür für das Älterwerden bekommen und dass alte Menschen Hilfe brauchen, finde ich unwahrscheinlich wichtig. Nadja Adam ist es gelungen, es toll rüberzubringen und dem Thema den Schrecken zu nehmen. Es ist faszinierend, wie sie das Projekt lebt und alle begeistern und mitreißen kann. Und die Lieder, die sie geschrieben hat, sind als solche schon einfach mitreißend.“ | Bild: Scherrer, Aurelia

„Im Vorfeld des Projektes haben wir ein Altersheim besucht und Referenten zu uns eingeladen“, berichtet Nadja Adam, darunter Pfleger sowie Senioren, die noch den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben. „Kriegszeugen sterben alle weg“, so Adam, die bezüglich der Musical-Kinder anfügt: „Sie haben gesagt, dass es ein Glück sei, dass wir keinen Krieg haben.“

„Irgendwann trifft es uns alle“

Ein Musical sei ideal geeignet, sozialpolitische Themen aufzugreifen, denn man könne auf eine leichtere Weise die Materie vermitteln, findet Adam, der es wichtig ist, bewusst zu machen, „dass jeder mit dem Thema Altern in Berührung kommt und: Irgendwann trifft es uns alle“. Alte Menschen bräuchten nicht nur körperliche Pflege, sondern auch Zuwendung, wobei sie auf den Pflegenotstand zu sprechen kommt. „Politische Veränderungen dauern lange. Man sollte nicht wegschauen“, sagt sie.

Lena Koloczek (12): „Ich gehöre auch zur Affenbande und habe für das Thema gestimmt. Es ist spannend, was Ältere in ihrer Freizeit machen. Viele sind ehrenamtlich aktiv und es macht Spaß, mit ihnen zusammen zu singen. Es ist nett und lustig. Die Zuschauer erleben, dass das Altwerden zum Leben gehört, wie es in einem Pflegeheim abläuft, welche Probleme es dort gibt. Es gibt wenige Menschen, die für das wenige Geld arbeiten und sich um alte Menschen kümmern. Wir wollen zeigen, wie sinnvoll und wichtig diese Arbeit ist. In unserem Stück stirbt auch jemand. Das geht sehr nahe, aber doch ist es etwas Natürliches. Ich finde es eine schöne Vorstellung, nach dem Tod zu einem Sternchen zu werden.“
Lena Koloczek (12): „Ich gehöre auch zur Affenbande und habe für das Thema gestimmt. Es ist spannend, was Ältere in ihrer Freizeit machen. Viele sind ehrenamtlich aktiv und es macht Spaß, mit ihnen zusammen zu singen. Es ist nett und lustig. Die Zuschauer erleben, dass das Altwerden zum Leben gehört, wie es in einem Pflegeheim abläuft, welche Probleme es dort gibt. Es gibt wenige Menschen, die für das wenige Geld arbeiten und sich um alte Menschen kümmern. Wir wollen zeigen, wie sinnvoll und wichtig diese Arbeit ist. In unserem Stück stirbt auch jemand. Das geht sehr nahe, aber doch ist es etwas Natürliches. Ich finde es eine schöne Vorstellung, nach dem Tod zu einem Sternchen zu werden.“ | Bild: Scherrer, Aurelia
Paula Mente (80): „Hier im Seniorenzentrum tanzen wir eigentlich. Da lag dann einmal ein Zettel, der auf das Musicalprojekt hinwies. Das passt, dachte ich mir. Erst singen, dann tanzen. Nadja Adam hat so viel Energie und Power. Mit ihrem Elan hat sie uns mitgerissen, sonst wären wir vielleicht im Alterssessel sitzen geblieben. Im Alter wird man lahm. Mit den Kids zusammen, das ist so spannend, aufregend und lebendig, da wir man wieder jung.“
Paula Mente (80): „Hier im Seniorenzentrum tanzen wir eigentlich. Da lag dann einmal ein Zettel, der auf das Musicalprojekt hinwies. Das passt, dachte ich mir. Erst singen, dann tanzen. Nadja Adam hat so viel Energie und Power. Mit ihrem Elan hat sie uns mitgerissen, sonst wären wir vielleicht im Alterssessel sitzen geblieben. Im Alter wird man lahm. Mit den Kids zusammen, das ist so spannend, aufregend und lebendig, da wir man wieder jung.“ | Bild: Scherrer, Aurelia
Gabi Rühlmann (65): „Ich genieße es jetzt, endlich regelmäßig an etwas teilnehmen zu können. Ich war Krankenschwester und in der ambulanten Pflege tätig, und habe mir schon lange gewünscht, an einem solchen Projekt teilnehmen zu können. Früher war ich im Schulchor und im Kirchenchor, aber dann war lange Zeit zappenduster. Das Projekt jetzt finde ich richtig befreiend. Es ist ein neues Lebensgefühl. Das Generationsübergreifende tut allen gut. Es ist faszinierend, wie Musik die Generationen verbindet. Es ist sehr harmonisch und die Kids kommen und fragen: Oma, kannst Du mir mal den Saft eingießen.“
Gabi Rühlmann (65): „Ich genieße es jetzt, endlich regelmäßig an etwas teilnehmen zu können. Ich war Krankenschwester und in der ambulanten Pflege tätig, und habe mir schon lange gewünscht, an einem solchen Projekt teilnehmen zu können. Früher war ich im Schulchor und im Kirchenchor, aber dann war lange Zeit zappenduster. Das Projekt jetzt finde ich richtig befreiend. Es ist ein neues Lebensgefühl. Das Generationsübergreifende tut allen gut. Es ist faszinierend, wie Musik die Generationen verbindet. Es ist sehr harmonisch und die Kids kommen und fragen: Oma, kannst Du mir mal den Saft eingießen.“ | Bild: Scherrer, Aurelia

Mit viel Gefühl und einem fantasievollen Schluss

Mit viel Gefühl und Phantasie hat sie das Thema in ein Musical verpackt und entführt die Mitwirkenden und Zuschauer in die Welt der Trolle. Sie werden aus einer Blume geboren und jeder hat seine Lebensuhr mit verschiedenen Energiespeichern. Sie wachsen heran zu Arbeitstrollen und werden letztlich zu Steinweisen.

„Leo will Pfleger werden und macht ein Praktikum in der Villa Wunderbar. Dort landet er rasch auf dem Boden der Tatsachen“, so Adam über den Inhalt des Stücks. Demenz, Alzheimer, auch diese Krankheiten werden in dem Stück aufgegriffen, ebenso wie das Sterben.

Wichtig war Nadja Adam auch ein erbaulicher, fantasievoller Schluss, denn alle Trolle werden nach ihrem Tod „zu einem Stern unter Milliarden von anderen, der etwas Einzigartiges und Besonderes war“.