Konstanz Ein Gartenbaubetrieb bekommt einen Kindergarten als Untermieter

Ein Unternehmen hat Platz, ein Kindergarten braucht Raum: Im Konstanzer Teilort Dettingen sind zwei sehr unterschiedliche Partner zusammengekommen. Wie sich die Firma Gartenforum und der Kindergarten St. Verena künftig Haus und Hof teilen.

Die Büroräume an einen Steuerberater zu vermieten, findet Eva Eisenbarth langweilig. „Da wäre es im Haus zu still“, erklärt die Inhaberin des Gartenforums. Umtrieb darf es für sie und ihre Mitarbeiter schon sein, ist sie überzeugt. Daher bot die Diplom-Ingenieurin für Gartenbau die Räume im ersten Obergeschoss dem Kinderhaus Sankt Verena an. Dieses platzt trotz des vor einem Jahr eröffneten Erweiterungsbaus schon wieder aus allen Nähten. Die Büros des Unternehmens bleiben im Erdgeschoss. Den großen Garten nutzen Gartenforum und Kinderhaus gemeinsam. In einem Eck entstand ein Spielplatz. Es gibt eine Wiese und Hecken zum Herumtollen. Bäume und Beete mit Zier- und Nutzpflanzen aller Art runden die Anlage ab.

Der Sandkasten im Garten des Gartenforums ist bereit für die Kinder aus dem Kinderhaus Sankt Verena. Nathan Birkle, Lisa Fuchslocher, Firmen-Chefin Eva Eisenbarth und Ingo Haberbosch freuen sich auf die kommenden Umtriebe.
Der Sandkasten im Garten des Gartenforums ist bereit für die Kinder aus dem Kinderhaus Sankt Verena. Nathan Birkle, Lisa Fuchslocher, Firmen-Chefin Eva Eisenbarth und Ingo Haberbosch freuen sich auf die kommenden Umtriebe. | Bild: Nikolaj Schutzbach

„Wir legen Gärten an und haben einen Kindergarten“, formulierte Eisenbarth ein Wortspiel. Und noch eine Verbindung zwischen den scheinbar so unterschiedlichen Welten benennt sie: „Pflanzen und Kinder wachsen.“ „Kinder inspirieren“, sagt sie überzeugt. Ursprünglich sei der Garten nur zum Aufenthalt für sie und ihre Mitarbeiter gedacht gewesen – und natürlich zur Repräsentation und Imagepflege. Anfangs sei sie etwas blauäugig gewesen und habe gedacht, dass die Kinder einfach herumlaufen können, gesteht die Firmenchefin. „Es gibt aber Auflagen“, erläutert sie. „All diese Fragen sind lösbar, man muss nur wissen wie“, erklärt sie.

Neben dem Sandkasten steht eine windschiefe Holzhütte. „Ich wollte kein Standardhaus aus dem Baumarkt“, sagt sie. Daher konstruierte Baumpfleger Frieder Pross mit Unterstützung von Julian Jehle, Auszubildender im zweiten Lehrjahr, eine Hütte ohne rechte Winkel. Das war für ihn eine Premiere , berichtet Pross: „Uns ist es gelungen, etwas relativ Wildes zu bauen und trotzdem die Vorschriften einzuhalten.“Julian Jehle baute nicht nur am Untergrundgerüst der Hütte mit: „Ich habe den Sand in den Sandkasten reingeschaufelt“, sagt er. Im Übrigen habe er im restlichen Garten einiges gebaut, wie im Bauerngarten die Bewässerung mit Zisterne und Sprüher sowie die Tropfbewässerung in den anderen Beeten.

Die Auszubildende Alissa Höss, ebenfalls im zweiten Lehrjahr, stieß erst später zum Hüttenbau hinzu. Sie baute an den Wänden und dem Boden mit. „Vorher haben wir die Rasensohle entfernt, den Untergrund befestigt und Kies aufgeschüttet und festgerüttelt, bevor die Hütte daraufgestellt wurde“, berichtet sie. „Die Eckpfosten haben wir mit Beton fest im Boden verankert“, ergänzt sie. „Das Schwierigste waren die Wände, da sie schräg sind“, erzählt sie von der besonderen Herausforderung. „Jedes Brett musste einzeln angepasst werden“, fügt sie hinzu.

Nathan Birkle, Landschaftsgärtner und Baumpfleger, plante und baute die Pergolen. „Sie sollten rustikal aussehen“, beschreibt er eine Anforderung. „Zudem sind sie bewusst nicht gleich hoch, damit sie wilder aussehen“, ergänzt er. Bevorzugt seien natürliche Materialien beim Bau des Sandkastens verwendet worden, wie Findlinge und Baumstümpfe. „Zwischen Hecke und Zaun kam eine Mulchbahn, damit dort die Kinder umherrennen und auch hinfallen können“, erklärt Birkle.

Landschaftsgärtnermeister Ingo Haberbosch ist im Unternehmen verantwortlich für Projektleitung, auch er arbeitete mit. Der Untergrund des Sandkastens sei aus sogenanntem Einkornbeton gegossen, durch das Wasser herauslaufen kann, berichtet er. Der Sand sei etwa 50 Zentimeter hoch aufgeschüttet. Zusammen mit seiner Chefin und Kollegin Lisa Fuchslocher gehört er zu denjenigen, die sehr nah an den Kindern dran sein werden, da sie einen Großteil der Arbeitszeit im Büro verbringen. „Es ist klar, dass die Kinder laut sein werden“, sagt er. „Aber das ist viel besser als der Krach einer E-Gitarre“, fügt er lachend hinzu.

„Ich kümmere mich unter anderem um Mietvertragliches und Versicherungsangelegenheiten“, berichtet Lisa Fuchslocher. „Ich habe auch an vielen Besprechungen teilgenommen“, ergänzt die Verwaltungsfachkraft. „Wir freuen uns alle darauf, dass Action reinkommt“, schwärmt sie. „Es wird bestimmt lustig“, sagt sie überzeugt.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Historische Momente
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz/Singen
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren