Der Reiterhof Guckenbühl in Litzelstetten. Idyllisch am Waldrand gelegen, ein Kleinod der Naherholung. Hier, am Ende der Torkelbergstraße, leben nicht nur zahlreiche Pferde und Ponys, auch die Familien Theilig und Familie Bischof. Bettina und Marc Bischoff haben sich hier, oberhalb der Reitanlage, zusammen mit ihren Kindern Sina und Nico ein kleinen Privatzoo eingerichtet, der schon viele Kinder des Dorfes und Besucher der Reitanlage erfreut hat.

Nico Bischof und Spornschildkröte Kassiopeia, beide 19 Jahre alt.
Nico Bischof und Spornschildkröte Kassiopeia, beide 19 Jahre alt. | Bild: Hanser, Oliver

Hunde, Hennen, Goldfische, Ponys und sogar eine große Spornschildkröte gehören zur Familie.

Besser gesagt: gehörten. Denn ein Fuchs hat in den vergangenen Wochen zweimal zugeschlagen und die beiden Hennen Nelly und Johanna gerissen. "Unsere Tochter Sina ist am Boden zerstört", sagt Mutter Bettina. "Nelly und Johanna waren ihre besten Freunde daheim. Sie waren unzertrennlich." Außerdem legten die Hennen täglich jeweils ein Ei, die auf dem Frühstückstisch der Familie landeten.

Als die Mutter bei der Arbeit war und zuvor wie immer die Tiere aus dem Stall in den Garten ließ, ist es geschehen: Die erste Henne wurde am 2. Februar geholt, die zweite am 16. Februar.

"Ich kann dem Fuchs ja nicht böse sein", sagt Bettina Bischof, "das ist Natur, das ist der Lauf der Dinge." Lieber wäre es ihr natürlich gewesen, dass der Fuchs nicht in ihrem Garten zugeschlagen hätte, "doch er ist nur seinen Bedürfnissen gefolgt".

Die Hennen Nelly und Johanna von den Bischofs wurden vom Fuchs geholt.
Die Hennen Nelly und Johanna von den Bischofs wurden vom Fuchs geholt. | Bild: privat

Und doch verbirgt sich eine Gefahr dahinter: Der Fuchs weiß nun, dass in der kleinen Nachbarschaft sowie am Reiterhof Fressen für ihn und den Nachwuchs zu holen ist – direkt neben der Wohnung der Bischofs steht der Hühnerstall der Familie Theilig mit weiteren Hühnern, Enten und Zwergkaninchen. Als sich das Tier die erste Henne holte, wurde er von einigen Besuchern des Reiterhofs beobachtet, wie er mit seiner Beute im Maul im Wald verschwand.

"Schon damals war mir klar, dass er zurück kommen würde", sagt Marc Bischof. "Der ist ja nicht blöd."

Am vergangenen Samstag war es dann soweit. Am selben Tag übrigens kam ein Fischreiher in den Garten der Familie Bischof und holte die Goldfische aus dem Weiher. "Wir haben eine unglaubliche Pechsträhne", erzählt Marc Bischof, "zumal wir im Dezember einen unserer Hund einschläfern lassen mussten."

Staupe oder Räude sind eine Gefahr für den Fuchs – und den besten Freund des Menschen

Theo Straub, der als Mainau-Förster für den angrenzenden Wald am Guckenbühl zuständig ist, kennt das Problem mit dem Fuchs. "Wir haben derzeit zwar eine relativ geringe Population", erklärt er. "Das Tier dort, das auf den Geschmack gekommen ist, werde ich versuchen zu beobachten und einfangen, falls es krank ist."

Wenn der Fuchs sehr mager ist, sich seltsam und zutraulich verhält und sein Fell Kratzspuren aufweist, ist die Gefahr von Staupe oder Räude gegeben. Dann gibt es sogar das Gebot, das kranke Tier zu erlegen.

Grundsätzlich ist die Jagd auf befriedetem Gebiet verboten – innerhalb eines Ortes zum Beispiel oder in diesem Fall auch auf dem Reiterhof und dem angrenzenden Wohngebäude. "Sobald jedoch eine Gefahr für die Sicherheit und die Ordnung gegeben und das Tier krank ist, dann gelten hier Ausnahmen", wie Svenja Wrede, Amtsleiterin vom Ordnungsamt des Landkreises, bestätigt.

Fuchs, Dachs und Marder sind hier beheimatet

Durch die Tilgung der Tollwut konnten sich Füchse in den letzten Jahren zunächst stark vermehren. Dadurch jedoch breiteten sich Infektionskrankheiten wie Staupe oder Räude leicht aus. An den geschwächten, verendeten Tieren können sich wiederum Haushunde infizieren. Eine Impfung bietet einen guten Schutz.

"In unseren Wäldern sind in den vergangenen Jahren viele Füchse daran gestorben", so Theo Straub. Bewohner von Litzelstetten beobachten einen deutlichen Rückgang der Füchse auf den Straßen des Konstanzer Vorortes.

Der Dachsbestand hat sich indes erholt, vor allem nachts kann man diese Tiere am Purren und den Zufahrtswegen beobachten. Auch Marder fühlen sich hier wohl und wagen sich nicht selten wie auch Dachse ins Wohngebiet – so manche Mülltüte oder Zündkabel von Autos mussten schon daran glauben. Wie viele Tiere tatsächlich im Mainauwald und den angrenzenden Gebieten leben, lässt sich nicht beziffern.

Hühnerstall als gesichterte Festung

Theo Straub berichtet von seinem Stall mit Hühnern. Mittlerweile hat er den ursprünglich 180 Zentimeter hohen Zaun mehrfach erhöht. "Meine Frau hatte zwei Füchse beobachtet, die einfach so über den Zaun gesprungen sind", erzählt er. "Heute sieht der Stall aus wie Fort Knox."

Kompletten Schutz vor den wilden Tieren sei nicht möglich – vor allem während der baldigen Wurfzeit. "Wenn die Elterntiere mit der Aufzucht ihrer Kleinen beschäftigt sind, beobachten wir oft Füchse auch im Ort und auf den Straßen", sagt er. "Im April und im Mai gehen sie verstärkt auf die Jagd, wenn die Jungen besonders hungrig sind."