Eigentlich ist die Frage komplett überflüssig. So oft gestellt, so oft beantwortet. Ob in Literatur, Theologie oder Popkultur. Die Frage nach dem Glauben hat uns alle schon beschäftigt, jeder hat sie sich gestellt. Lässt sich dem noch was Neues, Sinnvolles hinzufügen? Der Künstler Jeremias Heppeler sagt dazu ganz klar: Ja. Und hat die Herausforderung angenommen, uns davon zu überzeugen.

Dazu hat er sich im Hier und Jetzt aufgemacht, und Menschen in Konstanz genau diese eine Frage gestellt: "Woran glaubst du?" Er sprach mit religiösen Menschen, mit Vertretern aller fünf Weltreligionen, traf sich mit einem Wissenschaftler, einem Sportler und einer Politikerin. Um zu reden. Über den Glauben an sich und seine Bedeutung für jeden einzelnen von ihnen. „Man setzt sich an einen Tisch und los geht’s“, klingt das dann aus Heppelers Mund. Entstanden ist daraus der Film "Allein mir fehlt der Glaube", ein Zusammenschnitt aus 15 Gesprächen. Im Mittelpunkt stehen die Befragten, die Kamera zeigt nur sie, und nur sie kommen zu Wort. Heppeler selbst ist nicht zu sehen.

Dabei haben gerade ihn, den Akteur hinter der Kamera, die Gespräche verändert: „Ich habe erkannt, wie vielschichtig Glaube ist, und auch dass er keineswegs angestaubt ist.“ Diese Wirkung soll im besten Fall auch sein Film erreichen. „Es war faszinierend zu sehen, wie Menschen, die sich nicht als sehr gläubig ansehen, an vielen Stellen in ihrem Leben vom Glauben geprägt sind“, sagt Heppeler. Was zeigt der Film noch? "Welche große Reibung zwischen den Begriffen Religion und Glaube besteht. Die Unterschiede werden durch die Gespräche deutlich."

Heppeler, der als bildender Künstler und Journalist arbeitet, so auch als freier Mitarbeiter für den SÜDKURIER, stellt mit „Allein mir fehlt der Glaube“ sein zweites längeres Filmprojekt vor. Zuvor hatte der 28-Jährige bereits den Dokumentarfilm "Die Stadt der vergessenen Kinder" über Straßenkinder in der Mongolei gedreht.

Sie erzählen im Film von ihrem Glauben: Zahide Sarikas, SPD-Politikerin, Mohammed Badawi, Sprachwissenschaftler, Purscha Bapat, Informatikprofessor und Yuki Kishikawa, Fagottspielerin (von links oben nach rechts unten).
Sie erzählen im Film von ihrem Glauben: Zahide Sarikas, SPD-Politikerin, Mohammed Badawi, Sprachwissenschaftler, Purscha Bapat, Informatikprofessor, und Yuki Kishikawa, Fagottspielerin (von links oben nach rechts unten). | Bild: Jeremias Heppeler

Dennoch sagt er: „Mein Verhältnis zum Film ist gespalten.“ Reine Sprache, die Textform sei eher seine Heimat. „Sprache hat mich schon immer fasziniert, der Austausch, wenn Menschen miteinander sprechen.“ Im Gespräch mit ihm zeigt sich, was er damit meint. Wenn Heppeler spricht, sprudeln die Worte, ganze Sätze nur so aus ihm heraus. Seine Mundwinkel gehen nach oben, die Hände versuchen beim Gestikulieren dem Redetempo folgen zu können. Dass er im Film nicht zu sehen ist, ist für ihn kein Widerspruch. „Meine Gesprächspartner sollen im Mittelpunkt stehen. Sie und ihre Antworten auf die Glaubensfrage.“

Da ist zum Beispiel die Orchestermusikerin. "Sie erzählt, welch erhabenes Gefühl sie erlebt, wenn sie und ihr Instrument im Klang des gesamten Orchesters aufgehen, wie sie Teil eines Ganzen wird", sagt Heppeler. Auch das seien Momente, aus denen Menschen ihren Glauben schöpfen, das, was ihnen im Alltag Kraft gebe. Der Film blickt damit aus sehr unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema Glaube. Stets aus Sicht der Gesprächspartner.

Doch auch Heppeler könnte noch zu Wort kommen. „Die Rohfassung des Films habe ich in der Textform geschnitten, also anhand des Transkripts“, sagt Heppeler. Aus 20 Stunden Rohmaterial wurden so fünf Stunden, dann zwei, zuletzt 90 Minuten. Bei der Arbeit mit dem Transkript habe er mitunter gedacht: "Warum das Ganze nicht in Textform veröffentlichen?“ Auch einen Podcast könne er sich vorstellen. Das Material gebe noch mehr her, findet Heppeler.

Nach all der Zeit, die er mit den Antworten seiner Gesprächspartner verbracht hat – er selbst bleibt die Antwort auf die Ausgangsfrage schuldig. Woran glauben Sie, Herr Heppeler? Er zögert, muss nachdenken, hat die Frage für sich scheinbar noch nicht endgültig beantwortet. Dann: "Ich würde sagen, ich glaube an die Kunst, an Kultur. Daraus ziehe ich meine Kraft und meinen Glauben." Er klingt überzeugt, man nimmt es ihm ab. Und wie er diesen Gedanken zu Ende spinnt, spricht er direkt weiter, ist vom Thema voll eingenommen.

Wie sehr, davon können sich die Zuschauer selbst ein Bild machen. An drei Tagen wird der Film im Zebra Kino in Konstanz gezeigt. Zur Premiere am Freitag, 15. September, wird es eine anschließende Diskussion mit Jeremias Heppeler und zwei der Gesprächspartner aus dem Film geben. Mohammed Badawi, Sprachwissenschaftler und Islamexperte von der Universität Konstanz und Sebastian Pantel, Redakteur beim SÜDKURIER, möchten mit den Zuschauern über den Film und ihre Sicht aufs Thema Glaube sprechen.

Gibt der Film denn nun eine Antwort auf die Glaubensfrage? „Wenn mir der Film eines gezeigt hat, dann, dass es beim Glauben stets auf eines hinausläuft: Sei ein guter Mensch – und habe keine Vorurteile“, sagt Heppeler. Diese Erkenntnis liefere jedes seiner 15 Gespräche, so unterschiedlich die Ansätze dieser Menschen zum Glauben auch sein mögen.


Der Film „Allein mir fehlt der Glaube“ wird am Freitag, 15. September, Sonntag, 17. September, jeweils um 19 Uhr, und am Sonntag, 12. November, um 17 Uhr im Zebra Kino in Konstanz gezeigt. Karten kosten regulär acht, ermäßigt sechs Euro und sind über www.zebra-kino.de erhältlich.
 


Jeremias Heppeler

Der heute 28-jährige Heppeler stammt aus Tuttlingen. Er studierte in Konstanz Germanistik und Geschichte, sowie "Literatur-Kunst-Medien”. Seit 2015 ist er als freischaffender Künstler tätig. Er textet, filmt, gestaltet. Mit dem Medium Film hat er bereits 2014 experimentiert und mehrere Kurzfilme erstellt. Sein bislang umfassendstes Filmprojekt ist die 2016 erschienene Dokumentation "Die Stadt der vergessenen Kinder" über Straßenkinder in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator. Für den nun vorgestellten Film "Allein mir fehlt der Glaube" wurde Heppeler mit Geldern des Kunstfonds Konzil der Stadt Konstanz unterstützt, die anlässlich des Jubiläums „600 Jahre Konstanzer Konzil“ vergeben wurden.