Der Macher: Dieter Bös, Festivalchef: "Ich bin immer wieder überrascht, wie schnell so ein Festivaltag rum ist. Da planst du monatelang und auf einmal ist wieder alles vorbei. Mein Tag begann um 9.30 Uhr mit der ersten Sicherheitslagebesprechung mit den Behörden. Danach gibt es immer noch genug zu tun: Interviews geben, letzte Besprechungen mit den Bandmanagements abhalten und sonstige Fragen klären. Irgendwas passiert immer. Am Freitag zum Beispiel sind zwei Trucks mit der Bühnenausstattung von Muse zwei Stunden verspätet angekommen. Für den Bühnenaufbau ist das durchaus relevant, da muss man dann aber auch entspannt bleiben.


Bislang ist es noch immer gut gegangen. Wenn das Festival dann läuft, wird es auch für mich etwas entspannter. Es bleibt noch Zeit für nette Begegnungen mit den Musikern. Das genieße ich dann schon. Über die After-Show-Partys verrate ich nichts – nur so viel: es gab Legendäre hier im Bodenseestadion."

Macher Dieter Bös bem Rock am See 2016 in Konstanz.
Macher Dieter Bös bem Rock am See 2016 in Konstanz. | Bild: Oliver Hanser


Der weit gereiste Fan: Kim Juli aus Seoul, Südkorea: "Eigentlich sollte ich gerade im Flugzeug von Mailand nach Seoul sitzen. Zumindest war Italien die letzte Station auf meiner Reise durch Europa. Aber dann habe ich von Rock am See gehört und dass Muse und The Libertines dort spielen. Ich bin selbst Journalistin und schreibe für eine koreanische Tageszeitung über Musik und Popkultur. Muse hatte ich noch nie live gesehen, und The Libertines haben noch nie in Südkorea gespielt. Ich liebe diese Band und ihre Songs.
Also wollte ich diese Chance nicht verpassen. Konstanz ist ja nicht weit weg von Mailand, also habe ich alles umgebucht und bin mit dem Zug hierher gefahren. Ich bin zum ersten Mal auf einem Rockfestival im Ausland. Das erste was mir auffiel: Die meisten der Besucher hier tragen schwarze Kleidung. In Südkorea ist das anders, selbst bei Rockfestivals. Außerdem scheint hier alles sehr gut organisiert zu sein."

Kim Juli aus Seoul, Südkorea ist zum ersten Mal auf einem Rockfestival im Ausland.
Kim Juli aus Seoul, Südkorea ist zum ersten Mal auf einem Rockfestival im Ausland. | Bild: Oliver Hanser


Der ehrenamtliche Helfer: Martin Tschaki, Fanfarenzug der Niederburg Konstanz: "Seit 15 Jahren arbeite ich mit rund 40 Vereinskollegen bei Rock am See und versorge die Besucher mit Getränken. Wir müssen gut organisiert sein. Denn vor allem in den Pausen muss alles rund laufen, wenn der Andrang besonders groß ist. Der Erlös fließt in die Vereinskasse, überwiegend in unsere Jugendarbeit. Von den Konzerten selbst bekommen wir relativ wenig mit, aber es gibt immer wieder Gruppen, die ich gut finde – obwohl ich eigentlich Klassik-Fan bin. Besonders erinnere ich mich an das Jahr 2008, als die Ärzte und Deichkind gespielt haben, die sich in einem Schlauchboot von der Masse tragen ließen. Was mir auch heute wieder auffällt: Es steht wieder mehr Blech auf der Bühne. Das ist keine synthetisch produzierte Musik, sondern Handwerk. Das gefällt mir."

Martin Tschaki ist ehrenamtlicher Helfer vom Fanfarenzug der Niederburg Konstanz.
Martin Tschaki ist ehrenamtlicher Helfer vom Fanfarenzug der Niederburg Konstanz. | Bild: Oliver Hanser


Der Musiker: Chuck Robertson, Sänger der Mad Caddies: "Natürlich willst du als Musiker lieber am Ende als am Anfang eines Festivals spielen. Aber wir machen uns darüber eigentlich keine allzu großen Gedanken. Wir versuchen immer, egal an welcher Position wir spielen, das Beste für die Zuschauer zu geben. Sicher: Die Stimmung ist um 14 Uhr nicht so gut, wie um 21 Uhr, aber es liegt auch an Dir als Musiker, ob du das Publikum bekommst, oder nicht. Wir hatten heute jedenfalls jede Menge Spaß auf der Bühne und, ich glaube, den Zuschauern ging es ähnlich. Die Zeit nach dem Auftritt nutzen wir, um zu entspannen, so eine Bühnenshow ist einfach auch ziemlich anstrengend. Da macht jeder aus der Band, wozu er Lust hat. Ich werde zum Beispiel gleich nochmal in den Bodensee springen, um mich zu erfrischen. Ansonsten freuen wir uns auf kühles Bier in rauen Mengen und die Gelegenheit mit anderen Musikern zu quatschen. Für uns ist es zum Beispiel eine große Ehre auf einem Festival mit Bad Religion zu spielen. Sie sind unsere Vorbilder. Morgen reisen wir weiter, am Sonntagabend spielen wir in Augsburg. 

Chuck Robertson, Sänger der Mad Caddies.
Chuck Robertson, Sänger der Mad Caddies. | Bild: Oliver Hanser


Der Sicherheitsexperte: Hans-Rudi Fischer, Chef des Konstanzer Bürgeramts: "Obwohl ich Rock am See schon jahrelang begleite, sind die Veranstaltungstage immer noch etwas Besonderes. Hier zeigt sich, ob die monatelange Planung in der Theorie auch in der Praxis funktioniert. Natürlich haben Ereignisse wie die von Ansbach oder München Einfluss auch auf unsere Arbeit und unsere Gefühle vor einer Großveranstaltung. Wir versuchen, dem rational zu begegnen über strengere Einlasskontrollen und stärkere Polizeipräsenz vor Ort. Die meisten Zuschauer haben Verständnis dafür. Das Sicherheitsbewusstsein und -bedürfnis ist deutlich größer geworden. Richtig genießen kann ich das Festival an solchen Tagen nicht. Aber die Bands, die heute auftreten sind ohnehin nicht nach meinem Geschmack. Bryan Adams oder Deep Purple wären mir lieber gewesen."

Hans-Rudi Fischer ist Sicherheitsexperte auf dem Rock am See.
Hans-Rudi Fischer ist Sicherheitsexperte auf dem Rock am See. | Bild: Oliver Hanser


Der Aufpasser: Ilias Bestani, Mitarbeiter der Security-Firma SHS: "Jedes Festival ist auf seiner Art aufregend, auch für uns vom Security-Team. Wir machen etwa 13 solche Veranstaltungen pro Jahr, darunter auch mehrtägige Festival wie das Southside oder Rock am Ring. Bei Rock am See ist es besonders schön, dass die Leute ausgeschlafen sind. Schließlich haben die meisten die Nacht nicht auf einem Camping-Platz verbracht, das macht sich auf jeden Fall bemerkbar. Die Leute sind entspannter und die Stimmung ist eigentlich sehr gut. Unsere Kontrollen sind wegen der aktuellen Ereignisse in Frankreich oder Bayern nicht unbedingt schärfer geworden. Wir schauen zwar schon ein bisschen genauer hin, hatten Teambesprechungen und wurden auch für verdächtige Personen sensibilisiert. Aber an sich haben wir schon immer jeden Einzelnen beim Einlass gründlich kontrolliert und das machen wir auch weiterhin. Nur haben in diesem Jahr die Leute jetzt mehr Verständnis dafür. Es gibt weniger Gemecker wegen längerer Wartezeiten oder weil wir die Taschen durchsuchen."

Ilias Bestani, Mitarbeiter der Security-Firma SHS.
Ilias Bestani, Mitarbeiter der Security-Firma SHS. | Bild: Oliver Hanser

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