"Die Schamgrenzen der Bauträger fallen", sagt Alexander Gebauer und blickt auf die Baustelle. Elf Wohnungen in zwei Mehrfamilienhäusern entstehen hier gerade am Lorettosteig in Allmannsdorf. Wohnraum, der in Konstanz dringend benötigt wird, dass weiß auch Gebauer. Aber er und die Nachbarn haben ein Problem damit, wie gebaut werde. "Veränderung können wir nicht verhindern, aber dass hier Grundregeln so massiv verletzt wird, ist nicht hinnehmbar".

Die Grundregel, das ist die Baumschutzsatzung. Sie legt fest, wann und unter welchen Umständen Bäume gefällt werden dürfen. Gegen diese Satzung hat sich der Bauträger offenbar teilweise hinweggesetzt, wie das städtische Amt für Umwelt und Natur bestätigt. Für elf Bäume, die auf dem Grundstück standen, gab es eine Genehmigung, sie zu fällen, weil es dafür Ersatzpflanzungen gab. Nicht aber für zwei Ahornbäume, von denen nun nur noch der Stumpf übrig ist.

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"Die Stadt hat klar ihre Aufsichtspflicht verletzt", sagt Sven Martin, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Allmannsdorf-Staad. Er sieht in dem Vorgang einen Präzedenzfall, der nicht hinnehmbar ist – und sich in anderen Bauprojekten nicht wiederholen darf.

Symbol für die Veränderung im Stadtteil

"Ich hatte noch versucht, die Stadt anzurufen, als die Bauarbeiter anfingen, den Ahorn zu fällen", berichtet die Anwohnerin Sabine Kaas-Mitte. Der große, schattenspendende Ahornbaum sei überlebenswichtig gewesen für die Buchen auf ihrem Grundstück und dem ihrer Nachbarn. So sah das Gelände ursprünglich aus:

Bild: Bürgervereinigung Allmannsdorf Staad

Für Alexander Gebauer hatten die Bäume auch noch eine andere Bedeutung: "Sie waren prägend für den besonderen Charakter des Lorettosteig als historischem Pilgerweg, der auch im weiteren Verlauf von vielen Bäumen auf beiden Seiten gesäumt ist."

Mit behutsamer Nachverdichtung, die auch Rücksicht auf die Gegebenheiten vor Ort nimmt, habe das nichts mehr zu tun. Insofern ist der gefällte Ahorn auch ein Symbol für die Veränderung in Allmannsdorf, die nicht allen gefällt. Die Bürgervereinigung übt immer wieder Kritik an neuen Bauprojekten, die ohne Rücksicht auf den Charakter des Stadtteils hochgezogen würden.

Kritik am Bauprojekt gab es schon vorher

Auch jenes Projekt am Lorettosteig stand schon vor der Fällung der Bäume in der Kritik. Die Bebauung sei zu massiv, hieß es. So wurde auch das ursprüngliche Baugesuch im Gestaltungsbeirat abgelehnt, der Bauträger Gnädinger und Mayer aus Radolfzell, überarbeitete die Entwürfe, die dann genehmigt wurden. Zu den aktuellen Vorwürfen könne das Bauunternehmen aktuell keine Angaben machen – es verweist auf die Urlaubszeit.

Klar ist: Wegen des Verstoßes gegen die Baumschutzsatzung läuft gegen das Unternehmen ein Bußgeldverfahren. Wie hoch das entsprechende Bußgeld ist, dazu könne die Stadt wegen des laufenden Verfahrens noch keine Angaben machen. Berechnet werde das Bußgeld nach einem Berechnungsmodell der Stadt Freiburg, das von Amtsgerichten anerkannt sei. Die Spanne, wie teuer eine widerrechtliche Fällung wird, ist groß: Sie reicht von 5 bis 50.000 Euro und ist unter anderen abhängig davon, ob vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt wurde. Nach Angaben der Stadt komme es selten vor, dass sich Bauträger über die Vorgaben hinwegsetzen und Bäume trotzdem fällen.

Politisches Nachspiel im Umweltausschuss

Ein politisches Nachspiel dürfte die Fällung auf jeden Fall haben. Vor Ort ein Bild gemacht hat sich auch Peter Müller-Neff, Stadtrat der Freien Grünen Liste. Er will das Thema noch einmal auf der Tagesordnung des Technischen und Umweltausschusses am 20. September sehen und hat einen entsprechenden Antrag gestellt. "Dass diese Bäume widerrechtlich gefällt wurden, geht gar nicht", sagt er. Angesichts der massiven städtebaulichen Veränderung durch das jetzt entstehende Gesamtprojekt müsse man die Entscheidung aus dem Gestaltungsbeirat noch einmal nachträglich überprüfen. Ändern wird das zwar nichts mehr. "Aber das ist ein Präzendezfall", sagt Müller-Neff.