Die meisten Menschen denken wahrscheinlich nicht darüber nach, welche Geräusche sie täglich hören und welche Töne Maschinen von sich geben. Für Rainer Hirt ist es der Beruf. Seine Firma Audity kann man sich als Designagentur für Klänge vorstellen. „Wir machen Musik für Marken“, erklärt Hirt, „der Begriff Jingle könnte den Leuten etwas sagen.“ Dann nennt er ein Beispiel, das seine Arbeit wahrscheinlich am verständlichsten erklärt: Da-da-da-di-da, eine Aneinanderreihung von fünf Tönen. „Jeder kennt das Audiologo der Telekom„, sagt er.

Die Erkennung einer Marke anhand einer Melodie oder akustischer Elemente ist das Ziel des sogenannten Audio-Brandings. Rainer Hirt und seine fünf Mitarbeiter entwarfen zum Beispiel den Markenklang des Werkzeugherstellers Festool, der Tourismus-Agentur Tirol sowie des Herstellers für Stromspeicher Sonnen.

Am einfachsten sei es dabei, von den Werten der jeweiligen Marke auszugehen. Zu Beginn der Zusammenarbeit mit der Tourismus-Agentur „haben wir einen Workshop auf einer Hütte gemacht, nicht im Büro“, sagt Hirt. Heraus kam ein Musik-Thema, bei dem Echos, der Wechsel von leisen und lauten Passagen und traditionelle Instrumente zum Einsatz kommen.

Seine Kunden können auch ein Soundtool bestellen. Das ist ein digitales Werkzeug, in der verschiedene Musikstile und Intensitäten durch einfaches Klicken kombiniert werden können, um ohne großen Aufwand klangliche Untermalung für Videos zu schaffen. Das sei in Zeiten der sozialen Netzwerke hilfreich. „Außerdem macht es Spaß, damit zu spielen und deswegen werden die Sounds auch eingesetzt“, denkt Hirt.

Im Studio führt Rainer Hirt seine Arbeit vor. Dabei geht es darum, Werte eines Unternehmens in Klänge zu übersetzen.
Im Studio führt Rainer Hirt seine Arbeit vor. Dabei geht es darum, Werte eines Unternehmens in Klänge zu übersetzen. | Bild: Jonas Schönfelder

Neben den Jingles und Markenklängen entwickelt Audity auch sogenannte UX-Sounds, übersetzt etwa Funktionstöne. Das sind die Geräusche, die ein großer Teil der Geräte unseres Alltags von sich geben: beim Ein- oder Ausschalten, beim Einstecken von Kabeln, beim Beenden einer Aufgabe. „Wenn ein Autohersteller 30 Funktionstöne will“, sagt Rainer Hirt, „stellen wir erstmal die Frage nach der Daseinsberechtigung.“ Er berichtet begeistert von einem Projekt, bei dem Audity die Funktionsklänge verschiedener Küchengeräte entwickelt habe. So hätten alle Geräte derselben Serie einen ähnlichen Klang, der aber doch zwischen den Geräten unterscheiden lasse: Der Mikrowellenherd klinge wie ein Glöckchen, das in frühere Modelle tatsächlich eingebaut war, der Dampfgarer zischt und der Backofen hat einen metallischen Ton, der an das Backblech erinnern soll.

Das könnte Sie auch interessieren

Die neue Version des Elektrorollers Unu wird ebenfalls Töne der Konstanzer Firma von sich geben. Wenn beispielsweise der Akku in den Roller gesteckt, das Gefährt eingeschaltet oder der Blinker betätigt wird, ertönen Geräusche. Der 28-jährige Alexander Dick, einer von Hirts Mitarbeitern, erklärt, dass die Sounds „eher natürlich klingen sollten“, nicht nach Science-Fiction. Das visuelle Design des Rollers, das auf runde statt auf kantige Linien setze, werden durch den „runden Charakter der Sounds“ unterstützt. Idealerweise werden Fußgänger den Roller an der stehenden Ampel durch seinen Blinker-Ton erkennen, hofft Dick.

Hier können Sie sich anhören, wie der Roller klingen wird.

Akku in den Roller eingesteckt Aktivieren des Rollers Verbindung mit dem Smartphone hergestellt Blinker-Ton

Rainer Hirt, so fühlt es sich an, brennt für seine Arbeit. „Schon als kleiner Bub“ habe er mit Musik zu tun gehabt, Akkordeon gespielt und sei später Teil einer Hip-Hop-Band gewesen. Ein Unternehmen zu gründen habe er sich aber ebenfalls früh gewünscht. Der gebürtige Überlinger studierte Kommunikationsdesign an der Universität Konstanz, gegen Ende des Studiums habe er die ersten Kunden gehabt. 2006 gründete er Audity, ist seit vielen Jahren in der Jury eines bekannten Design-Awards und unterrichtet ab und zu an der HTWG in Konstanz.

Hirt sieht sich als Familienmensch. In dieser Hinsicht habe der Standort Konstanz Vorteile gegenüber Großstädten.
Hirt sieht sich als Familienmensch. In dieser Hinsicht habe der Standort Konstanz Vorteile gegenüber Großstädten. | Bild: Jonas Schönfelder

Ob der Standort am Bodensee Vor- oder Nachteile gegenüber den Großstädten habe? „Wenn man stark auf Wachstum aus ist und viele junge Kreative braucht, sind Berlin, Hamburg oder München besser“, antwortet er. Wachsen möchte er zwar auch, habe aber keinen Druck, Leute einzustellen. Hirt, der in diesem Jahr 40 wird und selbst Vater ist, sei ein Familienmensch und für die Familienplanung sei die Region auch ein Standortvorteil.