Zwei Wochen nach der Eröffnung läuft es alles andere als rund im Bodenseeforum, dem neuen Tagungs- und Veranstaltungshaus der Stadt Konstanz. Gleich zwei wichtige Mitarbeiter stehen dem Haus derzeit nicht zur Verfügung. Geschäftsführer Thomas Karsch ist auf unbestimmte Zeit krankgeschrieben, und nach Informationen des SÜDKURIER ist es nicht klar, ob er überhaupt an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt. Während die Stadt Konstanz als Trägerin des Eigenbetriebs den Ausfall von Karsch bestätigt, wollte Sprecher Walter Rügert zur Position Technischer Leiter am Montag keine Aussagen machen. Thomas Karsch selbst sagte dem SÜDKURIER, er wolle sich zur Sache nicht äußern.

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Die beiden Personalien treffen das Haus in einer entscheidend wichtigen Zeit: In den nächsten Wochen und Monaten muss das Haus seine Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg im Veranstaltungs- und Tagungsgeschäft legen. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an Thomas Karsch, zumal die Stadtverwaltung dem Gemeinderat in Wirtschaftsplänen versprochen hatte, das Bodenseeforum schreibe im Jahr 2017 rund 140 000 Euro Defizit, doch in der Zukunft sei eine hohe Kostendeckung (ohne Abschreibungen) möglich: "Bei einem zu erwartenden positiven Buchungsverlauf des Bodenseeforums Konstanz sind in den nächsten Jahren deutliche Verbesserungen beim operativen Ergebnis zu erwarten", hieß es dazu noch in einer Vorlage an den Gemeinderat vom 16. Juni.

Er fällt auf unbestimmte Zeit und vielleicht für immer aus: der erst im Mai vom Gemeinderat gewählte Geschäftsführer des Bodenseeforums, Thomas Karsch.
Er fällt auf unbestimmte Zeit und vielleicht für immer aus: der erst im Mai vom Gemeinderat gewählte Geschäftsführer des Bodenseeforums, Thomas Karsch. | Bild: Aurelia Scherrer

Errechnet hatte die Zahlen freilich nicht Thomas Karsch, der erst am 12. Mai vom Gemeinderat zum Chef des Eigenbetriebs gewählt wurde. Wirtschaftsförderer Friedhelm Schaal und der als Interims-Manager engagierte Michel Maugé, früherer Geschäftsführer Mannheimer Kongressgesellschaft m:con und inzwischen Berater im Kongressgeschäft, hatten die Wirtschaftspläne aufgestellt; Oberbürgermeister Uli Burchardt legte sie dem Gemeinderat zur Genehmigung vor. Immer wieder hatte Burchardt betont, mit einem Schwerpunkt auf Tagungen könne das Forum mittelfristig im Betrieb eine schwarze Null schreiben.

Schaal und fürs erste auch Maugé sind es, die nun wieder das Ruder im Bodenseeforum in die Hand nehmen müssen. Vor allem zwischen Michel Maugé und Thomas Karsch soll die Chemie schon länger nicht mehr gestimmt haben. Gäste der Pressevorbesichtigung am Tag vor der Eröffnung konnten zumindest ein offensichtlich gespanntes Verhältnis wahrnehmen, was aber zunächst auf den unbestreitbaren Zeitdruck zurückgeführt wurde. Auch am Eröffnungstag selbst war Karsch eher im Hintergrund geblieben.

Veranstalter klagten in den vergangenen Tagen, dass es schwierig sei, im Bodenseeforum Ansprechpartner zu finden, die etwas entscheiden könnten. Auch Kritik an den inneren Abläufen im Haus gab es bereits mehrfach, unter anderen klagten Besucher über überlastete Toiletten und lange Wartezeiten für Getränke. Dennoch soll der Betrieb weitergehen, betont Walter Rügert für die Stadt Konstanz: Die Geschäfte würden "gegenwärtig von Friedhelm Schaal, dem bisherigen Projektleiter, geführt".

Weiter betont er in einer kurzen Antwort auf zahlreiche Fragen des SÜDKURIER: "Die operative Handlungsfähigkeit des Bodenseeforums ist voll gewährleistet."

Sie müssen ran: Projektleiter Friedhelm Schaal, als städtischer Wirtschaftsförderer eigentlich voll ausgelastet, und Interims-Manager Michel Maugé (rechts).
Sie müssen ran: Projektleiter Friedhelm Schaal, als städtischer Wirtschaftsförderer eigentlich voll ausgelastet, und Interims-Manager Michel Maugé (rechts).

Ob eine Trennung von Karsch geplant ist, die viele Kenner der Materie mit Einblick ins Bodenseeforum erwarten, wollte Rügert am Montag nicht kommentieren. Auch zu den bisher aufgelaufenen Kosten für Personalberatung in Sachen Bodenseeforum-Geschäftsführer und zu den nun erwarteten Mehrkosten für eine mögliche Neubesetzung der Stelle gab es aus dem Rathaus vorerst keine Informationen. Eine Auflösung des Arbeitsvertrags mit Thomas Karsch könnte die Stadt allerdings teuer kommen. Es ist nicht sicher, ob mit dem aus Freiburg als Kongressmanager angeworbenen Volkswirt überhaupt eine Probezeit vereinbart wurde.

Für die Stadt Konstanz wie auch für OB Burchardt kommt das Personalproblem am Bodenseeforum zur Unzeit. Im Moment wird in den Haushaltsberatungen selbst um kleine Summen gekämpft, weil die bisherigen Planungen nur mit einer massiven und höchstwahrscheinlich unrechtmäßigen Neuverschuldung zu machen wären. Wenn sogar seit Jahren betriebene Vorhaben wie die Neuordnung des Altstadtverkehrs aus finanziellen Gründen zurückgestellt werden, kann die Verwaltungsspitze kaum etwas weniger brauchen als schlechte Nachrichten aus dem Bodenseeforum.

Zur Person

Thomas Karsch wurde am 12. Mai zum Geschäftsführer des Bodenseeforums gewählt. Die Stadt Konstanz teilte in der Folge wörtlich mit, er habe „langjährige berufliche Erfahrung in leitender Funktion in Wissenschaft und Wirtschaft“. Demnach war der promovierte Volkswirt Karsch zuvor Geschäftsführer der gemeinmnützigenkongress & kommunikation gGmbH der Albert-Ludwig-Universität und des Universitätsklinikums Freiburg. Vorherige berufliche Stationen seien die Leitung des Kongress Palais Kassel und Tätigkeiten im Kongressmanagement bei Ingenieurgesellschaften in Frankfurt gewesen. (rau)