Es war ein Vorfall, der im Jahr 2017 für viele Diskussionen in der Stadt sorgte: In dem Konstanzer Müller-Markt an der Marktstätte wird der dunkelhäutige Kunde Daniel Mané von einem Ladendetektiv ohne Begründung nach seinem Ausweis gefragt. Mané weigert sich, ihn zu zeigen. Warum reagiert er so, wenn er nichts verbrochen hat, sagen andere Kunden. Warum sollte er den Ausweis zeigen, wenn er nichts verbrochen hat, fragt damals Daniel Mané. Er stammt aus dem Kongo und beschäftigt sich in Deutschland seit Jahren wissenschaftlich mit dem Thema Diskriminierung. Nach einer langen Auseinandersetzung geht er letztlich vor Gericht – mit Erfolg. Das Amtsgericht Konstanz hat den Drogeriemarkt nun wegen diskriminierender Behandlung verurteilt.

Müller muss 1000 Euro Schmerzensgeld an Mané zahlen.

Im Laufe des Zivilprozesses hatte Mané einen Vergleichsvorschlag abgelehnt, der Müller zur Zahlung von 500 Euro, Mané aber zur Verschwiegenheit über den Vergleich verpflichtet hätte. Er entschied sich stattdessen für den riskanten Weg des richterlichen Urteils. Den Prozess hätte Mané auch verlieren können. „Aber es war mir lieber, mit dem Bewusstsein weiterzuleben, in Einklang mit meiner ursprünglichen Motivation und moralisch richtig gehandelt zu haben“, sagt er heute.

Bereits kurz nach dem Vorfall und einem Beschwerdebrief Manés an die Müller-Zentrale in Ulm hatte die Kette ihm eine kurze Entschuldigung und einen 50 Euro-Gutschein geschickt. Daniel Mané schickte den Gutschein zurück, fühlte sich nicht ernst genommen. „Mir erschien das standardisierte Schreiben mit einer vagen Entschuldigung kein Ausdruck einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Problematik zu sein“, sagt er. Schließlich sei er in aller Öffentlichkeit bloßgestellt worden. „Lern erst mal das deutsche Gesetz, bevor du aus dem Haus gehst“, soll der Ladendetektiv unter anderem gesagt haben.

Ein langer Kampf

„Es geht mir nicht nur darum, einer Entwürdigung und Diskriminierung – auch in rechtlicher Hinsicht – entschlossen entgegenzutreten. Sondern auch darum, die Öffentlichkeit für das Machtungleichgewicht zwischen Großkonzernen und einfachen Bürgern zu sensibilisieren und strukturell etwas gegen diese und andere Formen von Ungerechtigkeiten zu bewegen“, so Mané. Es sei ein langer Kampf für ihn gewesen.

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Neben der Zivilklage hat er auch Strafanzeige wegen Beleidigung gegen den Ladendetektiv erstattet. In seiner Vernehmung vor Gericht argumentierte der Ladendetektiv, dass es in der Zeit vor dem Vorfall einige Hausverbote gegen Schwarzafrikaner wegen Ladendiebstahls gegeben habe. Lediglich aufgrund der Hautfarbe von Mané – nicht etwa aufgrund anderer Merkmale oder Verhaltensweisen – wollte der Ladendetektiv überprüfen, ob gegen ihn ein solches Hausverbot bestehe.

Im Strafprozess wurde dem Detektiv auferlegt, sich bei Mané zu entschuldigen und 100 Euro zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung zu zahlen. Das Urteil des Amtsgerichts Konstanz gegen Müller stützt sich auf das zivilrechtliche Benachteiligungsverbot. „Die versuchte Ausweiskontrolle war eine unmittelbare Benachteiligung aus Gründen der ethnischen Herkunft“, heißt es darin. Wegen seiner Hautfarbe habe der Kläger eine weniger günstige Behandlung erfahren als andere Personen in vergleichbarer Situation.

„Ich bin froh, dass dieser nicht einfache Kampf um Gerechtigkeit nun zu einem guten Ende gekommen ist und für alle Bürger positive Auswirkungen haben könnte“, sagt Mané.

Dankbar sei er besonders den vier Polizisten. Sie seien damals die Einzigen gewesen, die ihm die Möglichkeit einräumten, gehört zu werden. Sie hätten der Diskussion einen guten Rahmen gegeben und ihm die Gewissheit vermittelt, gerecht behandelt zu werden. „Für mich machten sie mit ihrem Konfliktmanagement einen großen Unterschied zu dem Ladendetektiv mit seiner mehrfachen Aufforderung: Zeig den Ausweis oder geh raus!“ Danken wolle Mané auch den vielen Menschen („die meisten von ihnen Deutsche“), die ihm in diesem Streitfall beigestanden haben.

Der Vorfall und die damalige Berichterstattung hatten viele Diskussionen hervorgebracht. Vielleicht wird es nun auch das Urteil.