• Raye Zaragoza: Andere gehen nach New York, um eine Karriere im Musikgeschäft zu machen. Raye Zaragoza machte es umgekehrt. Mit 14 Jahren brach sie von dort auf, zog quer durch das Land nach Los Angeles und ist seit dem auf einer Reise durch die Welt. Mit dabei hat sie ihre wunderschöne Stimme, ihre Gitarre und: eine Botschaft. Ihr neuster Song mit dem Titel „In The River: A Protest Song“ widmete sie den Stammesangehörigen der Sioux und ihrer Unterstützer im Standing-Rock-Reservat. Monatelang protestierten sie gegen den Bau einer Pipeline. „Ich habe diesen Song geschrieben, weil ich etwas bewirken wollte. So viele Menschen wussten nicht, was da passiert. Das war frustrierend. Mit dem Song und dem Video wollte ich ein Bewusstsein schaffen. Ich fühlte mich als Native American und als Künstlerin in der Pflicht, das zu tun“, berichtet Raye Zaragoza per Mail. Im Dezember vergangenen Jahres spielte sie auch vor Ort. „Eine Erfahrung, die mein Leben und all derer, die dort waren, verändert hat“, sagt Zaragoza. Ihre Botschaft: „Steht zusammen, solidarisiert euch, auf der ganzen Welt. Gegen die Ausbeutung von Bodenschätzen und für den Respekt von Rechten der indigenen Völker.“ Die Obama-Regierung stoppte den Bau der Pipeline. Präsident Donald Trump genehmigte ihn wieder und seit April fließt Öl in Rohren unter dem Missouri River in North Dakota. Die Lager sind geräumt, doch der Widerstand gegen die Pipelines ist ungebrochen. Auch der von Raye Zaragoza.
    Auf ihren ersten Auftritt am Bodensee freue sie sich: „Ich habe Bilder gesehen, und es sieht so aus, als wäre es ein wunderschöner Ort.“ Zu sehen und zu hören ist Raye Zaragoza am Sonntag beim interkulturellen Fest und vorab im Internet: www.rayezmusic.com
  • Die Lauffreudigen Motorsensen: „Fraglos eine der besten südbadischen Newcomer-Bands der letzten Jahrhunderte“, schrieb das renommierte Rolling Stone-Magazin. „Ich bin eine Motorsense“, sagte John F. Kennedy in Berlin und selbst Helene Fischer „macht die Musik der Lauffreudigen Motorsensen ganz atemlos“. Und auch, wenn diese Zitate so nie gesagt oder geschrieben worden sind, sagen sie zumindest etwas über die, die sie sich ausgedacht und auf ihre Homepage gestellt haben. Keine Frage, die „Lauffreudigen Motorsensen“ haben Humor. Und der zeigt sich auch in ihrer Musik: Das Anfang 2016 gegründete Konstanzer Trio ordnet sich selbst zwischen den Ärzten, Tocotronic und dem legendären Spardosen-Terzett ein. Alle Stücke, von „Bob Marley lebt“ bis „Dein Fanatismus“ sind von Sänger und Gitarrist Sebastian Wolf selbst geschrieben. Thematisch vielfältig – manchmal gesellschaftskritisch, manchmal einfach nur lustig. Nur über Liebe, sagt Sebastian Wolf, könnte er nie schreiben. Da ist schon alles gesagt worden. Dann lieber über Gartenzwerge dichten. Lange lagen seine Songs einfach bei ihm in der Schublade, bis er 2015 über einen Aushang an der Uni Mitstreiter suchte – und fand. Seit Anfang 2016 treten Steffen Schumm, Jonas Schwenke, Gastschlagzeuger Eric Achilles und Sebastian Wolf regelmäßig in der Region auf. Wobei Wolf festhält: „Wir sind keine Comedy-Truppe“. Nur ein paar Musiker, die ohne viel Schnickschnack spielen. Bleibt noch die Frage, woher der Bandname kommt? „Es gab da in den 90er Jahren diese Werbung: ‚Die lauffreudigen Motorsensen von Stihl.’ Ich dachte mir damals: Wenn ich mal eine Band gründe, soll die so heißen“, erklärt Sebastian Wolf. Zu einem ihrer vergangenen Auftritte im Bokle in Radolfzell schreibt die Band selbstironisch: „Der Auftritt wurde so geheim gehalten, dass die Anzahl der Musiker und des Bokle-Personals die der anwesenden Gäste fast übertraf…“ In Konstanz dürfte das nicht passieren. Schon beim Wettbewerb im vollen Kulturladen überzeugten die Musiker die Jury – und am Samstag um 20 Uhr sicher auch das Publikum von Open See. Vorab zu hören unter: www.motorsensenblog.wordpress.com
  • TheSoundMonkeys: In Zeiten, in denen aus den Clubs vorwiegend elektronische Musik dröhnt, halten Freya Bachmann und Jonas Pommnitz aus Konstanz mit etwas dagegen, das schon so oft für tot erklärt wurde und doch irgendwie weiterlebt, nur anders als früher: Der Garage-Punk. Das Duo verknüpft den 90er-Sound mit poppigen Texten und jeder Menge unbekümmerten Spaß. Gerade sind die beiden zurück von ihrer Tour durch Osteuropa mit 20 Auftritten. „Wir sind immer noch überwältigt von dem Abenteuer, den tollen Menschen und Orten“, sagt Jonas. Trotzdem: Es war Zeit, zurück nach Konstanz zu kommen. Der See, der Sommer und das Studium, Mathematik, Sprachen und Geschichte auf Lehramt, warten. Und natürlich die Vorbereitungen für den Auftritt beim Open See-Festival sowie ein paar Tage später beim Campus-Festival. Jonas schreibt alle Songs selbst, die mal gesellschaftskritisch, mal einfach nur tanzbar sind. Eine passende Schublade gibt es nicht für die Sound Monkeys: „Wir wollen keine politische Band sein, sind aber mehr als einfach nur eine Spaß-Band“, sagt Jonas Pommnitz, den Kinogänger aus seinem Nebenjob kennen dürften: Als Filmvorführer kümmerte sich Jonas Pommnitz bis zum letzten Vorhang im Dezember um das Publikum im Scala-Kino. Aber auch seine Bandkollegin hat beeindruckende Talente: Sie lernte nicht nur kurzerhand in wenigen Wochen das Schlagzeug spielen, sondern schreibt demnächst auch ihre Masterarbeit in Mathematik. In diesem Sinne: Es lebe der Punk! Zu hören und zu tanzen am Samstag um 22 Uhr und vorab im Internet: www.thesoundmonkeys.bandcamp.com

Das vollständige Programm von Open See

Der Kulturladen veranstaltet sei 15 Jahren am Pfingstwochenende das Umsonst-und-Draußen-Festival Open See im Stadtgarten Konstanz. Jeder Abend steht unter seinem eigenen Motto. Der Eintritt ist an allen Tagen frei

  • Freitag, 2. Juni ab 18 Uhr: Los geht es mit einem bunten Kulturabend in Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum K9. Verschiedene Künstler und Künstlerinnen präsentieren sich in Kurzauftritten. Zu sehen gibt es Akrobatik, Tanz, Improvisation. Durch den Abend führen die Schauspielerin und Comedian Mascha von Rascha sowie die Kabarettistin Marianne Schätzle als Angela Merkel.
  • Samstag, 3. Juni ab 19 Uhr: Einen musikalischen Wettstreit haben die Bands bereits hinter sich: Alle vier haben sich bei den Contests im März erfolgreich gegen die Konkurrenz durchgesetzt und spielen sich nun im Stadtgarten unter freiem Himmel jeweils 45 Minuten die Seele aus dem Leib. Mit dabei: Die Lauffreudigen Motorsensen (German Indie/Harp Rock aus Konstanz), El Jetta (Rock aus Langenargen), The Sound Monkeys (Garage-Punk aus Konstanz), Delirious Mob Crew (Indietronic aus Frauenfeld)
  • Sonntag, 4. Juni ab 14 Uhr: Ein interkulturelles Fest rundet das Open See Wochenende ab. Gemeinsam mit Geflüchteten aus Konstanz werden Save me, das Café Mondial und das Café International aus Dettingen Leckereien aus ihren Heimatländern kochen und beim Open See Festival anbieten. Dazu gibt es den Flohzirkus Orquestra für Kinder, Musik von El Flecha Negra (Cumbia-Reggae aus Freiburg), von Saf Sap New Generation (Afrikanische Percussion aus Zürich/Senegal), Haiducken (Klezmer, Balkan aus Freiburg), Raye Zaragoza (Native American Singer/Songwriter) und Django´s Tigers (Formation der Südwestdeutschen Philharmonie). (sap)
Informationen zu Open See im Internet: www.opensee.de