Konstanz Drei Nationalitäten auf dem Weg zum beruflichen Glück

Von 0 auf 100: Die Flüchtlinge Zana, Hasna und Shahnaz haben in nur einem Jahr einen glänzenden Hauptschulabschluss gemacht. Und der ist für sie erst der Anfang.

"Bildung ist die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern. Sie ist der große Motor der persönlichen Entwicklung." Wie viel Wahres in diesem Zitat von Nelson Mandela steckt, haben Zana, Hasna Sabagh Chrbat und Shahnaz Temuri in den letzten anderthalb Jahren hautnah erfahren können. Vor knapp zwei Jahren sind die zwei geflüchteten jungen Frauen und der Mann über die Balkanroute nach Deutschland gekommen und wurden nach mehreren Zwischenstopps schließlich Anfang Februar 2016 in der umgebaute Tennis- und Squash-Halle in Dettingen untergebracht, wo sie sich auch kennengelernt und Freundschaft geschlossen haben.

Der Helferkreis Dettingen-Wallhausen, der mit großem Engagement die geflüchteten Familien betreute, hatte schon damals das Bestreben, insbesondere die jugendlichen Flüchtlinge mit ehrenamtlichem Sprachunterricht für das im Sommer beginnende Schuljahr zu wappnen und ihnen so einen deutschen Schulabschluss in Aussicht zu stellen. So paukten die Ehrenamtlichen ab Pfingsten 2016 mit den Jugendlichen fünfmal die Woche für jeweils vier Stunden Artikel, Verben, Fälle, Zeiten und Wörter der deutschen Sprache.

Zana entwickelt eine Übersetzungsapp

Da die Zeit drängte, mussten sie die Teilnehmer die elementaren Sprachkenntnisse doppelt so schnell lernen wie in regulären Integrationskursen. Besonders dem aus Kurdistan im Irak stammenden Zana fiel der Unterricht zu Beginn recht schwer, da es kaum Deutsch-Grammatikbücher in seiner Sprache gibt. Aus seinem anfänglichen Problem hat er allerdings auch Potential geschöpft, indem er nun an einer Wörterbuch-App arbeitet, die Kurdisch-Suranie ins Deutsche übersetzt und die es seinen Landsleuten in Zukunft erleichtern soll, die deutsche Sprache zu lernen.

Auch die 19-jährige Hasna Sabagh Chrbat aus Syrien hat sich zunächst etwas gegen die gänzlich unbekannte Sprache gesträubt und versuchte mit ihren Englisch-Kenntnissen, die sie zuvor in Mannheim schon beim Deutschen Roten Kreuz als Arabisch-Übersetzerin zur Geltung bringen konnte, auszukommen. Da es jedoch schon seit Kindesalter ihr Traum ist, später einmal Psychologin zu werden und dafür aber ein gutes Abitur die Voraussetzung ist, lernte auch sie im katholischen Pfarrheim St. Verena in Dettingen fleißig mit den anderen 12 Teilnehmern und Teilnehmerinnen Deutsch. Und zwar mit Erfolg. Denn im September 2016 konnte sie tatsächlich neben fünf weiteren Flüchtlingen in eine integrative Hauptschul-Abschlussklasse einsteigen und mit guten bis sehr guten Noten im Sommer 2017 ihren Abschluss machen.

Alle haben große Ziele für die Zukunft

Dieser erste Erfolg ist aber für Shahnaz, Zana und Hasna nur der Anfang, denn sie haben schon ganz konkrete Vorstellungen, was sie mit ihrer beruflichen Zukunft anfangen möchten. Shahnaz Temuri aus Afghanistan hat sich nach ihrem Hauptschulabschluss für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in einem Dettinger Kindergarten entschieden. Neben dem Spielen mit den Kindern schätzt Shahnaz besonders die Seminarwochenenden im Rahmen des FSJs, da sie hier schon einige deutsche Freundinnen finden konnte, die sie in ihrer Integration weiter unterstützen können.

Die Arbeit im Kindergarten sei zwar anstrengend, aber mache ihr so viel Spaß, dass sie auf jeden Fall Erzieherin werden wolle, erklärte die 19-Jährige dem SÜDKURIER. Dafür sei sie auch bereit, nochmals einen weiteren Deutschkurs und eine zweijährige Ausbildung zur Kinderpflegerin zu machen. Im Gegensatz dazu fühlt sich Zana nicht nur beim Programmieren seiner Wörterbuch-App, sondern auch ansonsten in der digitalen Welt sehr wohl. "Computer ist mein Leben", erklärt der 17-jährige schmunzelnd. Sein beruflicher Traum ist daher auch, Fachinformatiker zu werden. Um sich diesen Wunsch zu erfüllen, muss er jedoch wie Hasna noch ein paar Jahre die Schulbank drücken.

Wunsch nach mehr Kontakt zu Gleichaltrigen

Der Kontakt zu einheimischen Gleichaltrigen ist den drei Flüchtlingen sehr wichtig und sie hätten ihn sich auch schon in ihren Integrationsklassen in der Zeppelin-Gewerbeschule und der Wessenberg-Schule gewünscht: "Die Lehrer haben zwar mit uns Deutsch gesprochen, aber es wäre besser gewesen, wenn auch ein paar deutsche Schüler dabei gewesen wären, denn mit ihnen lernt man jetzt in der Realschule die Sprache viel besser und schneller", findet Zana.

Auch Shahnaz wünscht sich mehr Kontakt zu den Einheimischen, jedoch kommt die Afghanin in ihrem privaten Umfeld nur selten mit ihnen in Kontakt. Nach einem Jahr und acht Monaten in der Tennishalle ist sie nun mit ihren Eltern und ihren vier Geschwistern abseits vom Ortsleben in eine Anschlussunterbringung im Industriegebiet in Allensbach gezogen. Da ist es für Hasna, die in einer Anschlussunterbringung in Wollmatingen wohnt, schon einfacher, am städtischen Leben teilzuhaben. So besucht sie zweimal im Monat den Mädels-Treff im Café Malta und nimmt regelmäßig Gitarrenunterricht.

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