Simon Weiland stellt mit seiner Performance-Trilogie "Leave Paradise – Eine Verführung ins Leben", die nun als Hörspielfassung erhältlich ist, seine eigenen Gedanken zu den drei Märchen "Rotkäppchen", "Hänsel und Gretel" sowie "Der Froschkönig" vor. Mit seinem Musik-Theater zeigt er, dass sich auch in jahrhundertealten und vielfach erzählten Geschichten aktuelle Bezüge und Aspekte finden lassen. Im Fokus seiner Kunst stehen dabei immer die Entfaltung des Selbst und der Appell, öfter sich mal die Freiheit zu nehmen, eigene Wege zu wagen, an sich selbst zu glauben und sich nicht von anderen Leuten beeinflussen zu lassen.

So verlässt die Prinzessin beim Märchen Froschkönig ihren Vater, der nur seine Ruhe haben und sein eigenes Paradies bewahren will, und geht mit dem Königssohn "ins Leben hinaus." Rotkäppchen nimmt sich die Freiheit, "der Mutter einen Korb [zu] geben", da sie mit dieser "noch einen Strauß auszufechten" hat und ihre Entscheidung, für einige Blumen vom Weg abzuweichen und der Versuchung des Wolfes zu widerstehen, "auf ihre eigene Kappe" nimmt. Die Mehrdimensionalität der Sprache, die sich bei Simon Weilands Trilogie durch die vielen Redewendungen zeigt, verdeutlicht, dass es im Leben nicht immer nur ein Richtig oder Falsch gibt, sondern oftmals viele mögliche Wege zum Ziel führen. Genauso vielschichtig wie die Sprache sind die Figuren des Wortakrobaten, die nicht immer das sind, was sie auf den ersten Blick vorzugeben scheinen.

Während der sensible Wolf mit Rotkäppchen zusammen Blumen pflücken möchte und tieftraurig ist, als seine Liebste plötzlich fort ist, verschlingt der Werwolf das Mädchen im Haus der Großmutter. Im Bauch des Wolfs fühlt sich das Mädchen buchstäblich eingeengt und findet keine Luft zum Atmen. Der verliebte Wolf wird am Ende zum rettenden Jäger, nachdem er im Märchenbuch nachgelesen hat, was zu tun ist. Das Märchen Rotkäppchen wird so im übertragenen Sinne zu einem Kampf zwischen zwei inneren Wölfen, und demonstriert, wie widerstrebende Gefühle wie Leistungsdruck, Zweifel und Liebe unser Handeln beeinflussen können. Auch die Hexe in "Hänsel und Gretel" betont: "Ich bin nicht die böse Hexe, sondern die Mutter Natur. Nur denen, die immer nur rückwärtsgehen, statt ins Leben, denen werde ich zur Hexe." Weiland ruft mit dieser Version des Märchens dazu auf, als eigenständig denkendes Individuum kritisch zu reflektieren und eigene Erfahrungen zu machen.

Eingebunden wird die Thematik in einen biblischen Rahmen mit einem Ringen mit Schuld sowie um den Mut zur Erkenntnis und zur Versuchung, durch die selbstständiges Handeln erst möglich werde. Weiland schafft es auf besondere Weise, allein mit Sprache, musikalischen Einlagen und Veränderung der Tonlage seinen Figuren und Geschichten Leben einzuhauchen und sie plastisch werden zu lassen.


Die CD mit der Märchentrilogie ist im Konstanzer Buchhandel und über Simon Weilands Internetseite erhältlich: www.simon-weiland.de


Geplante Auftritte

  • Das Konzil-Jubiläum steht 2017 im Zeichen des Jahrs der Religionen. Zum Gedenken an Hieronymus von Prag tritt Simon Weiland am Sonntag, 16. April, mit "Rotkäppchen – Die Blume des Bösen?", am 14. Mai mit "Hänsel und Gretel – Friss, Vogel, oder stirb!" und am 18. Juni mit "Der Froschkönig – Wo viel Licht ist", jeweils 20 Uhr, im Kulturzentrum K 9 auf. Die Teile der Trilogie können unabhängig voneinander angesehen werden.
  • Noch ein Auftritt: Außerdem führt Weiland "Hänsel und Gretel – Friss, Vogel, oder stirb!" ein weiteres Mal bei der Veranstaltung "Musik macht mobil" am Samstag, 1. Juli, um 14 Uhr im Autohaus Gohm und Graf Hardenberg auf.