Herr Rezaie, Sie sind nun seit drei Jahren in Konstanz. Welche negativen und welche positiven Erfahrungen haben Sie gemacht?

Negativ ist die Bürokratie. In jedem Büro braucht man einen Termin, sonst kann man kein Problem lösen. Den Ausweis eines Asylbewerbers zu verlängern, kann schon mal drei Monate dauern, dabei ist er nur sechs Monate gültig.

Und die Sprache ist sehr schwierig. Türkisch habe ich auf der Straße gelernt, für Deutsch braucht man einen Sprachkurs, die Grammatik ist schwer. Positiv ist, dass es viele Möglichkeiten gibt, wenn man motiviert ist. Die Sprache zu lernen oder ein Hobby zu gestalten, dazu gibt es viele Chancen.

Wie begegneten die Menschen Ihnen in Konstanz seit 2015?

80 Prozent der Begegnungen waren gut, meistens hatte ich keine Probleme. Überall gibt es Leute, die nicht ­freundlich sind. Hier nur wenige. Konstanz ist sehr bunt gemischt, das ist angenehm. 

Haben Sie Ihre Ziele hier erreichen können?

Noch nicht komplett, aber ich versuche es. Ich möchte hier ein Studium oder eine Ausbildung machen und dann einen guten Job finden. Und ich möchte die Sprache gut beherrschen. Im Iran habe ich Ingenieurwesen studiert. Die Anerkennung meines Bachelorstudiums hat nun sechs Monate gedauert, jetzt habe ich die Zulassung zum Master. Jetzt muss ich noch die C1-Sprachprüfung schaffen.

Auf welche Probleme treffen Flüchtlinge 2018 und hat sich die Stimmung ihnen gegenüber geändert?

Ich denke, wenn ein Iraner oder Afghane jetzt kommt, hat er deutlich weniger Chancen auf Anerkennung als vor drei Jahren. Schwierig ist die Sprache. Beherrscht man sie, findet man auch Arbeit. Früher war die Stimmung etwas besser und offener als jetzt. Konstanz hat vielleicht knapp 1000 Flüchtlinge.

Wenn nur ein Prozent etwas Schlechtes tut, steht das in der Zeitung und verschlechtert die Stimmung. Es gibt auch Flüchtlinge, die mehrere Jahre Unterstützung erhalten und dann schwarz arbeiten. So etwas lehne ich ab, das verstehe ich nicht.

Wie müsste man Integration noch erleichtern?

Jeder müsste die Chance haben, einen Sprachkurs kostenlos zu besuchen. Ich finde es wichtig, dass der Sprachkurs verpflichtend ist. Man braucht mehr Kurse und gut ausgebildete Lehrer.

Wie wichtig sind Helfer-Organisationen wie Save me?

Das Angebot an Deutschkursen bei Save me reicht bis zum Niveau A2. Ansonsten hängt der Nutzen der Helferkreise von den Personen ab. Es haben nicht alle die gleichen Kontakte und Ressourcen, um zu helfen. Sehr gut sind die Informations-Veranstaltungen von Save me, bei denen man etwas über Möglichkeiten, eine Ausbildung oder eine Stelle zu finden, erfährt.