Herr Wolfsperger, waren Sie jemals im Drogeriemarkt dm auf der Marktstätte?

Nein, um Gottes Willen. Und da bin ich nicht der Einzige, wie ich höre. Selbst Konstanzer, die sonst gerne bei dm einkaufen, wollen nicht in diese Filiale. Aus Prinzip, weil ihnen das Scala-Kino am Herzen lag.

Abschied von einem Stück Konstanzer Geschichte: Der Scala Filmpalast verschwand Anfang 2017 für immer von der Marktstätte. Heute befindet sich dort eine Filiale der Drogeriemarktkette dm.
Abschied von einem Stück Konstanzer Geschichte: Der Scala Filmpalast verschwand Anfang 2017 für immer von der Marktstätte. Heute befindet sich dort eine Filiale der Drogeriemarktkette dm. | Bild: Oliver Hanser

Sie finden, die Stadt hätte einspringen sollen, um das Kino 2016 vor der Schließung zu bewahren. Warum?

Weil es eine kulturelle Institution für Konstanz, das letzte Programmkino der Region und damit unverzichtbar war. Ich hatte in den Gesprächen, unter anderem mit Oberbürgermeister Uli Burchardt, nicht den Eindruck, dass man das wahrnimmt. Mich hat erschreckt, dass in meiner kleinen überschaubaren Heimatstadt spürbar war: Es gibt überhaupt kein Bewusstsein für die Bedeutung des Hauses als Film-Kulturstätte. Gerade Programmkinos haben Zukunft als Gegenmodell zu Streaming-Angeboten wie Netflix oder Amazon.

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Aus ihren Eindrücken haben Sie einen Film gemacht. "Scala Adieu – Von Windeln verweht" hat am Sonntag Premiere in Konstanz. Warum war Ihnen der Film eine Herzensangelegenheit?

Konstanz ist und bleibt ein Stück Heimat für mich. Etliche meiner Filme habe ich im Scala präsentiert. Meine Mutter hatte auf der Marktstätte eine Arztpraxis und ich habe schon als Kind regelmäßig rüber geschaut. Deshalb finde ich es auch unverständlich, dass Kritiker mir vorwerfen, diese sehr persönliche Doku sei einseitig. Ich bin Filmemacher und kein Journalist mit dem Anspruch eines ausgewogenen Beitrags.

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Diese Kritiker, die den Film vorab sehen konnten, werfen Ihnen auch vor: Douglas Wolfsperger stellt Oberbürgermeister Uli Burchardt bloß. Was entgegnen Sie?

Die bisherigen Rezensionen beziehen sich auf eine ursprüngliche Version, die bei den Hofer Filmtagen gezeigt wurde. Dort sind in einem Teil, in dem Uli Burchardt über Konstanz als die "schönste Stadt der Welt" schwadroniert, Kommentare von mir enthalten. Die habe ich inzwischen herausgenommen, denn ich habe gesehen: Die könnten ein bisschen zu belustigend rüberkommen. Jetzt stehen Burchardts Kommentare für sich. Ihn habe ich übrigens vor den Hofer Filmtagen in der Stadt getroffen.

Könnte ein interessanter Austausch gewesen sein.

Nun ja, er hat sich ebenfalls schlecht dargestellt gefühlt und meinte: Die Situation ist verstellt. Das wohlgemerkt auf Basis der Rezensionen, denn den Film gesehen hatte er nicht.

CDU-Gemeinderat Marcus Nabholz hört und sieht man im Trailer sagen: Das Stadtbild ist eh verschandelt. Ob da ein Scala ist oder ein Drogeriemarkt, das macht den Braten nicht mehr fett.

Und dafür bin ich ihm dankbar. Marcus Nabholz ist einer der wenigen, die sagen, was sie denken. Das passt einigen Leuten nicht, aber böse ist ihm deshalb keiner und ich finde die Darstellung auch nicht polemisch ihm gegenüber. Ich bin gespannt, was die Zuschauer am Sonntag dazu sagen.

Der Regisseur Douglas Wolfsperger wuchs in Konstanz auf, heute lebt er hauptsächlich in Berlin.
Der Regisseur Douglas Wolfsperger wuchs in Konstanz auf, heute lebt er hauptsächlich in Berlin. | Bild: Joachim Gern

Glauben Sie, dass dazu auch Personen aus der Stadtverwaltung zählen werden?

Nein, davon gehe ich nicht aus. Uli Burchardt habe ich eingeladen, aber keine Antwort erhalten. Und auch sonst wird da wohl niemand kommen. Wahrscheinlich auch nicht Kulturbürgermeister Andreas Osner. Er war ja schon in meinen Anträgen auf Förderung vor Entstehen des Films der Meinung, dass er nicht förderwürdig sei. Es ist schade, wie wenig über mich oder die Bedeutung des Scala bekannt war bei der Stadt oder der Politik. In der Diskussion ging es, wenn überhaupt, nur darum, dass die schöne Fassade wegfällt.

Die Premiere findet nun auch nicht im ausgelagerten Scala-Saal im Lago-Einkaufszentrum statt, sondern im Stadttheater.

Ich hatte ursprünglich auch über ein Kino nachgedacht, aber mir war insbesondere ein zentraler Ort wichtig, an dem der Film auch vom klassischen Bürgertum gesehen wird. Und dann kam das Angebot von Theaterintendant Christoph Nix...

...der gerne auch einmal eine entsprechende Inszenierung auf die Beine stellt. Werden die Besucher am Sonntag mit rotem Teppich empfangen?

Nein, das wird ganz unspektakulär, meiner Person entsprechend. Es gibt kein Tamtam, ich begrüße vorab, stelle einige Leute vor, die sich beteiligt haben und danach gibt es sicher anregende Gespräche über den Film.

Christoph Nix als Ihr Gastgeber ist der Meinung, die Stadt Konstanz unterstütze die Kultur trotz ihres Wohlstands nicht ausreichend. Unterschreiben Sie das?

Ich will mich da zurückhalten. Obwohl ich mich von Berlin aus nach wie vor mit dem Geschehen in Konstanz beschäftige, wäre ein Urteil anmaßend, denn zur Kulturszene habe ich zu wenig Kontakt.

Sie haben gesagt, durch das Ende des Scala habe sich ein echter Bürgerprotest in Konstanz entwickelt. Verfolgen Sie aktuelle Debatten, zum Beispiel um das Büdingen-Areal?

Ja, und da erkenne ich: Es gibt ein Bedürfnis, sich zu wehren und gehört zu werden in Konstanz. Die Diskussion um Zalando im altehrwürdigen früheren Post-Gebäude auf der Marktstätte zielt meiner Meinung nach in eine ähnliche Richtung. Ich selbst habe gedacht: Kann da nicht irgendetwas anderes einziehen? Ich halte die Bürgerbewegung gerade daher für wichtig, man darf nicht alles durchgehen lassen.

Weitere Aufführungen in Konstanz und Kreuzlingen:

  • Montag, 18.3., 20 Uhr Stadttheater Konstanz (Infos und Tickets)
  • Dienstag, 19.3., 20 Uhr Kult-X-Kino, Kreuzlingen (CH)
  • Donnerstag, 21.3., 20 Uhr, Kult-X-Kino, Kreuzlingen (CH)
  • Sonntag, 24.3., 17 Uhr, Kult-X-Kino, Kreuzlingen (CH)
  • Montag, 25.3., 19 Uhr, Konzil Konstanz
  • Dienstag, 26.3., 19:30, K9, Konstanz
  • Sonntag, 31.3., 18 Uhr, Konzil Konstanz
  • Samstag, 6.4., 19 und 22 Uhr, Konzil Konstanz