Konstanz Dingelsdorfer Rathaus: Steinzeittechnik im Selbstversuch

Auf gerade einmal zehn Quadratmetern werden im Dingelsdorfer Rathaus Exponate aus der Steinzeit ausgestellt.

„Da stehen ja noch die Töpfereien herum“. Elisabeth von Gleichenstein, Leiterin des kleinen Pfahlbaumuseums im Dingelsdorfer Rathaus, schüttelt den Kopf und räumt erst einmal mit Andrea Kegel, zweiter Vorsitzenden des Museumsfördervereins, den Tisch im Museumsvorraum frei. Viel Platz gibt es nicht. Der rund 20 Quadratmeter große Vorraum dient für Workshops; das eigentliche Museum misst gerade einmal zehn Quadratmeter. Helmut Schlichtherle vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, der mit seinem Team tatkräftig bei der Ausstellungskonzeption mitgeholfen hatte, beschrieb das Museum bei seiner Eröffnung im Herbst 2011 trefflich als „kleine Ausstellung im Taschenformat“. „Kompakt“, sagt Elisabeth von Gleichenstein über die Präsentation. „Erstaunlicherweise ist es auf kleinem Raum gelungen, in wenigen Sätzen die Pfahlbauten in der Steinzeit zu beschreiben und das Wesentliche zu den Lebensbereichen zu sagen“. Die Kunst der Ausstellungsmacher lag eindeutig darin, sich kurz und präzise zu halten. Kein einfaches Unterfangen. „Wir haben um jeden Satz gerungen“, erinnert sich Elisabeth von Gleichenstein noch lebhaft. Veranschaulicht werden die Texte durch zahlreiche Funde, die vor allem aus dem Bereich zwischen Litzelstetten und Dingelsdorf stammen, wie Andrea Kegel stolz betont.

Und eben diese Funde hatten den Ausschlag für die Einrichtung des Museums gegeben. Die erstaunliche Privat-Sammlung des Oberdorfers Herbert Gieß hatte zahlreiche Dingelsdorfer so nachhaltig beeindruckt, dass sie auf die Idee kamen, zumindest einen winzigen Teil der prähistorischen Funde der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Ortsvorsteher Heinrich Fuchs hat sich allerdings erst erkundigt, ob es sich dabei nicht um Raubgrabungen gehandelt hatte“, schmunzelt die Museumsleiterin. Beim Landesdenkmalamt habe es nur geheißen: „Sie meinen Herbert Gieß? Der hat unser volles Vertrauen.“ Das Amt habe nicht genügend Kapazitäten, um alle Funde zu bergen, und sei froh, dass ein Sachkundiger dies für sie übernehme, erläutert von Gleichenstein. So wurde zunächst ein Förderverein und letztlich das Museum gegründet. Und Heinrich Fuchs gewann sogleich die vormalige Leiterin des Rosgartenmuseums als Vorsitzende des Fördervereins und damit als Chefin des kleinen Dingelsdorfer Museums.

Obgleich das Rosgartenmuseum nicht mit dem Pfahlbaumuseum zu vergleichen ist, gibt es laut Elisabeth von Gleichenstein eine Gemeinsamkeit: „Eine Ausstellung gerät immer in Gefahr zu verstauben, wenn nichts geschieht.“ Und deshalb setzt der Förderverein nicht nur auf Vorträge und Filmvorführungen, sondern vor allem auf Workshops, welche nicht nur von Fachmann Herbert Gieß, sondern vor allem von dem Fördervereins-Vorstand geleitet werden.

Und das bedeutete für die interessierten Laien erst einmal Nachhilfeunterricht beim Experten. „Steinzeittechniken im Selbstversuch“, lacht Andrea Kegel. „Unser letztes großes Experiment war das Feuerschlagen mit Hilfe von Zunder und Feuerstein“. Sie hatten sich bei Herbert Gieß in einem kleinen Raum getroffen und das Feuerschlagen heftigst trainiert. „Nach Qualm stinkend sind wir letztlich nach Hause gekommen“, erzählt Andrea Kegel und Elisabeth von Gleichenstein triumphiert: „Aber jetzt klappt's!“

Darüber hinaus hat der Förderverein nun druckfrisch einen Flyer herausgebracht, der in den Touristikbüros ausliegt. „Und dann wollen wir noch eine Vitrine zu den Fernhandelsbeziehungen in der Steinzeit gestalten“, so Elisabeth von Gleichenstein. Auch dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege.

 

Die Pfahlbau-Ausstellung in Dingelsdorf

 

Die Entstehung: Bereits im Jahr 2009 wurde der Förderverein für die Dingelsdorfer Pfahlbau-Ausstellung gegründet. Die wissenschaftliche Beratung leistet seither das Landesamt für Denkmalpflege. Der Verein wuchs von anfangs 26 mittlerweile auf 56 Mitglieder. Im Juni 2011 hat die Unensco-Welterbekommission die frühen Pfahlbausiedlungen rund um die Alpen als grenzüberschreitendes Unseco-Welterbe in seine Liste aufgenommen. Im Oktober 2011 wurde das kleine Museum in Dingelsdorf eröffnet.
 

 

Die Öffnungszeiten: Das Museum im Dingelsdorfer Rathaus, Rathausplatz 1, ist montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr, dienstags von 14 bis 17 Uhr sowie jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.
 

 

Die Aktionen: Für Gruppen und Schulklassen bietet der Förderverein explizite Führungen an. Information und Anmeldung über die Ortsverwaltung unter Telefonnummer: 07533/52 95, E-Mail: info@pfahlbau-dingelsdorf.de Homepage: www.pfahlbau-dingelsdorf.de. Nach den Sommerferien geht es wieder weiter im Programm. Neben Workshops für Kinder werden wieder Vorträge und Filmvorführungen im Museum oder im Bürgersaal des Dingelsdorfer Rathauses geboten. (as)

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