Es ist schon tragisch für jeden Freund des gepflegten Rasenballsports. Da liegt das satte Grün des Fußballplatzes einladend direkt neben der Bodenseearena und bettelt geradezu darum, als Geläuf gebraucht zu werden: Tritt mich, spring auf mir herum.

Wäre da nur nicht dieses Schild, dass jeden potenziellen Benutzer tagein, tagaus eindrücklich warnt: „Fußballplatz gesperrt. Das Betreten des Spielfeldes ist verboten.“

Der eigentliche Clou aber steht ganz unten: „Kreuzlingen, 31. Mai 1978. Der Stadtrat.“

Schwarz auf weiß: seit 40 Jahren Betreten verboten.
Schwarz auf weiß: seit 40 Jahren Betreten verboten. | Bild: Oliver Hanser

In 40 Jahren hat sich viel verändert – nur das Schild nicht.

Ein prächtiger Platz – und niemand darf ihn betreten? Seit 40 Jahren?

1978 war das Jahr der drei Päpste, Argentinien wurde Fußball-Weltmeister und die zweite Schwulen- und Lesbenbewegung tritt erstmals ins Bewusstsein der Schweizer Öffentlichkeit, als am 12. April das Schweizer Fernsehen eine Sendung zum Thema Homosexualität ausstrahlt. Zwei Monate später findet auf dem Platzspitz in Zürich der erste Christopher Street Day statt.

Das alles jedoch tritt in den Schatten einer Entscheidung des Kreuzlinger Stadtrats, die sich bis heute in dem seltsamen Schild verewigt.

Zufällig aufgehängt?

Anruf bei der Stadtverwaltung Kreuzlingen. „Stadtverwaltig Krüüzlinge. Andrea Lehmann, Grüezi.“

Die nette Dame ist laut Vermittlung zuständig für die Sportplätze – und ratlos. „Vielleicht ist das Schild nur zufällig beim Aufräumen dort gelandet und stiftet jetzt Verwirrung“, sagt sie.

Nun ja, dann hätte es zufällig an einem Mast professionell festgemacht worden sein müssen. Eher unwahrscheinlich.

„Ich bin sehr oft dort und mir ist es noch nie aufgefallen. Betreten verboten seit 40 Jahren? Das ist ja kurios. Dazu kann ich nichts sagen. Eigentlich darf man dort alles betreten", sagt sie noch.

Vom Verein aufgehängt?

Der FC Kreuzlingen ist laut Andrea Lehmann Pächter des städtischen Platzes. Auf der Homepage des Vereins finden sich Bilder von Fußball spielenden Menschen auf dem verbotenen Platz.

„Vielleicht hat der Verein selbst das Schild aufgehängt?“, fragt Andrea Lehmann. Die mit „Stadtrat“ unterschriebene Anweisung macht auch das eher unwahrscheinlich.

Jetzt ist guter Rat teuer. Anruf bei Nicolas Seiler von der Geschäftsführung der Bodenseearena, die ja in unmittelbarer Nachbarschaft zum unbetretbaren Fußballplatz steht.

Nicht für alle aufgehängt?

„Ich glaube, das gilt nur für die Hobbykicker“, sagt er. "Auf dem Platz spielen die Mannschaften des FC Kreuzlingen ja fast jedes Wochenende."

Das Fazit? Nichts genaues weiß man nicht, von unseren Freunden jenseits der Grenze bekommen wir einfach keine verbindliche Auskunft.

Nur eines wissen wir heute schon. In zehn Jahren wird das Schild sein Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen feiern. Freuen wir uns drauf.