Gökhan Altinterim ist sich bewusst, dass er Mitverantwortung trägt für den Verlust von Geld. Der 34-Jährige wurde Opfer seiner Gutgläubigkeit. Er vertraute den Aussagen eines Geschäftspartners und unterschrieb einen Vertrag, den er so niemals hätte unterschreiben dürfen.

Hoffnung auf mehr Kunden dank Werbung auf den Stadtbussen

Gökhan Altinterim ist Inhaber von „G‘s Hairlounge“ in der Mainaustraße. Vor rund einem Jahr erhielt er einen Anruf der Mannheimer Agentur Konzepthaus. „Mir wurde Werbefläche im Konstanzer Stadtbus angeboten“, erinnert er sich. „Pro Jahr sollte das 1788 Euro kosten. Da diese Kosten steuerlich absetzbar sind, sah das für mich lukrativ aus.“ Er hoffte, so mehr Kundschaft für sich zu gewinnen.

Die Stadtwerke arbeiten mit der Mannheimer Firma gar nicht zusammen

Was er damals nicht wusste, ist auf der Homepage der Stadtwerke Konstanz zu lesen: „Alle Werbeflächen an den Bussen der Stadtwerke Konstanz werden von der Firma Schwarz Außenwerbung vermietet ... Bei Interesse können Sie sich an die Firma Schwarz Außenwerbung wenden.“

Gökhan Altintermin vor seiner Hairlounge.
Gökhan Altintermin vor seiner Hairlounge. | Bild: Oliver Hanser

Gökhan Altinterim kam gar nicht erst auf die Idee, dort nachzuschauen: „Ich war mir sicher, dass Konzepthaus seriös ist und mir Werbefläche auf den Stadtbussen besorgen kann. Heute kann ich mich über mich selbst ärgern.“

Vertrauen durch einen persönlichen Besuch in seiner Lounge

Mehrmals wurden Mails zwischen Konstanz und Mannheim hin und her gesendet. Ein Mitarbeiter von Konzepthaus kam extra nach Konstanz – was bei dem Friseurmeister Eindruck hinterließ. „Ich stellte ihm ein Sepa-Mandat aus, das heißt, die Firma konnte direkt von meinem Konto Geld abheben.“ Ein Sepa-Mandat ist eine Form des Lastschriftverfahrens.

„Die Firma hat schnell das Geld von meinem Konto abgebucht“

Schnell war laut seinen Angaben der Betrag über zwei Jahre abgebucht – doch es tat sich ansonsten nichts. „Ich erhielt keine Infos mehr. Erst, als im Sommer ein Freund sich einschaltete und eine Mail dorthin schickte, meldete sich wieder jemand“, so Gökhan Altinterim.

Seit 13. September müssten Busse mit seiner Werbung fahren

Die Anwort kam am 16. August: „Bitte entschuldigen Sie den zähen Informationsfluss und die lange Wartezeit. Wir können Ihnen verbindlich zusagen, dass Ihre Werbeanzeige in ca. vier Wochen angebracht ist.“ Als kleine Entschuldigung wurden dem Konstanzer fünf Gratis-Werbeplakate angeboten. Diese vier Wochen sind am 13. September abgelaufen – ohne, dass Gökhan Altinterim auf einem Stadtbus seine Werbung finden konnte. „Nachfragen bei Konzepthaus wurden immer abgewimmelt“, sagt er.

Und dann fiel ihm das Kleingedruckte auf

Das genaue Studium des Vertrages bringt Licht in die Machenschaften der Mannheimer Firma. Das berühmt-berüchtigte Kleingedruckte auf der Rückseite. Hier heißt es in einem Punkt: „Das Einsatzgebiet ist auf die umseitig genannte Region festgelegt und umfasst maximal 50 Kilometer im Radius der angegebenen Stadt. Bezugspunkt ist die Stadtmitte. Die angegebene Stadt muss nicht zwingend angefahren werden. Sollte umseitig ein Kreis angegeben sein, so fährt der Bus im Radius von 50 Kilometern. Bezugspunkt ist der Mittelpunkt des Kreisgebietes.“

Gökhan Altinterim möchte aus der Sache lernen: „Ich werde nur noch mit Werbeagenturen aus Konstanz zusammen arbeiten.“
Gökhan Altinterim möchte aus der Sache lernen: „Ich werde nur noch mit Werbeagenturen aus Konstanz zusammen arbeiten.“ | Bild: Oliver Hanser

„Wenn mir das gesagt worden wäre, hätte ich niemals unterschrieben“

„Dabei wurde mir der Konstanzer Stadtbus versprochen“, versichert Gökhan Altintermin. „Ich hätte niemals den Vertrag unterschrieben, wenn ich von dem Umkreis von 50 Kilometern gewusst hätte. Meine Kunden kommen aus Konstanz, nicht von weit her.“

Anrufe, die im Nichts versanden

Als Gökhan Altinterim in Gegenwart des SÜDKURIER bei der Firma anrief, hatte der zuständige Mitarbeiter zunächst keine Ahnung, um was es ging. Er wollte sich schlau machen und zurückrufen – was bis Freitag nicht geschah. Erneute Anrufe bei der Firma versandeten im Nichts.

Eine Mitarbeiter sagt nur: „Ich melde mich dann wieder...“

Erneuter Anruf ein Tag später. Ein Mitarbeiter meldete sich. Auf die konkrete Frage, ob denn ein Bus mit der Werbung von G‘s Hairlounge irgendwo fahre, gab es diese Aussage: „Dazu kann ich nichts sagen“, so der Mitarbeiter. „Ich notiere mir ihre Nummer und melde mich dann wieder, wenn ich mehr erfahren sollte.“

Schließlich nimmt sich der Geschäftsführer der Sache an...

Der Geschäftsführer Sven Sternkiker meldete sich schließlich einen Tag später. „Wir sind seit 20 Jahren am Markt und haben einen guten Ruf“, sagte er. „Wir werden uns auch mit Herr Altinterim einig. Ich verstehe, dass er als lokales Unternehmen nur in Konstanz Werbung machen möchte. Das macht ja aus seiner Sicht Sinn. Wir wollen uns ständig verbessern und auch aus Fehlern lernen.“

...gibt zu, dass der Vertrag nicht eingehalten wurde...

Und was ist mit der Einhaltung des Vertrages? Fährt denn seit dem 13. September ein Bus mit Gökhan Altinterims Werbung irgendwo im Umkreis von 50 Kilometern von Konstanz? „Unser Partner hat leider die Linie verloren, bei der die Werbung laufen sollte“, erklärt er. „Der Partner sucht jetzt eine neue Linie und es wird frühestens 2020, ehe die Werbung zu sehen sein wird.“

...und bietet Gökhan Altinterim an, das Geld zurückzuzahlen und den Vertag aufzuheben

Er gibt zu, dass dies nicht auf den Konstanzer Stadtbussen der Fall sein wird – und von Anfang an gar nicht möglich war. Und wie geht es nun weiter? „Wir werden am Montag Herrn Altinterim ein neues Werbekonzept vorschlagen. Wenn er möchte, können wir den Vertrag auch auflösen und er erhält sein Geld zurück.“ Ihm als Geschäftsführer ginge es darum, „dass unsere Kunden zufrieden sind. Und wenn das bedeutet, dass wir den Vertrag auflösen“.