Konstanz Diese junge Frau aus Konstanz stellt die besten Prothesen Baden-Württembergs her und zeigt Ihnen ihre Arbeit

Freyja Schilling stellt Prothesen her und wurde damit Landesbeste ihres Ausbildungsjahrgangs. Sie gibt einen Einblick, welche Prothesen es gibt und wofür sie im Alltag benötigt werden.

Hier steht ein halbes Bein, dort eine Maske oder eine zweite Schädeldecke. Das klingt makaber. Für Freyja Schilling ist das Alltag. Sie fertig diese Prothesen an, künstlichen Ersatz von Gliedmaßen und Körperteilen. Die 22-Jährige hat ihre Ausbildung zur Orthopädietechnik-Mechanikerin abgeschlossen – als Landesbeste.

Behindertensportler wie der deutsche Weitspringer Markus Rehm leisten mit Beinprothesen Beachtliches.

Bild: Bernd Thissen (dpa)

Der Ersatz für die Gliedmaßen sorgt beim Publikum für Interesse. Wer diese aber herstellt, und wie, soweit reicht die Neugier meistens nicht. Freyja Schilling fertigt solche Prothesen. Zwar nicht diese Art, wie sie Rehm trägt, bei Bedarf aber ebenfalls für sportlich aktive Menschen. Beispiel: Ihr Gesellenstück.

Einer der Kunden im Konstanzer Sanitätshaus Vital am See verzichtete notgedrungen auf das Schwimmen. Mit seiner Alltagsprothese war das nicht möglich. Das Wasser hätte das Material zu sehr angegriffen. Also hat Freyja Schilling eine wasserfeste Prothese mit geeigneten Bauteilen entwickelt.

Bild: Oliver Hanser

Größte Herausforderung ist der Schaft. Ihn stellt ein Orthopädietechnik-Mechaniker selbst her, passt ihn an das noch vorhandene Bein des Kunden an. Der 22-Jährigen ist ihr Gesellenstück so gut gelungen, dass sie bei der Prüfung die selten vergebene Punktzahl von 100 erhalten hat. Sie war damit beste Auszubildende ihres Fachs und erhielt den Lehrlingspreis des Landkreises. Nach dem Sieg auf Landesebende verfehlte die gebürtige Radolfzellerin einen der ersten drei Plätze.

Krankheit oder Unfall? Es macht einen Unterschied

Schilling und ihre Kollegen müssen verstehen, weshalb einem Kunden zum Beispiel ein Bein amputiert wurde, sie müssen physiologisches Wissen einbringen, Krankheiten bei der Herstellung und Anpassung einer Prothese berücksichtigen. Es mache durchaus einen Unterschied, ob jemandem aufgrund eines Unfalls oder aufgrund einer Erkrankung ein Bein abgenommen wurde.

Freyja Schilling nennt ein Beispiel. Leide ein Kunde unter Diabetes, sei er anfälliger für Wunden. Das bedeutet: Fertigt sie eine Prothese auf Basis eines Gipsabdrucks am Kunden an, sollte der Schaft wenig Druckstellen verursachen, am besten keine. Andernfalls könnte beim Träger, dem Diabetiker, leichter die Haut aufschürfen.

Carbon ist das dominierende Material bei den weiteren Arbeiten als Orthopädietechnik-Mechanikerin. Bei Nasenmasken nach Nasenbrüchen etwa, sagt Freyja Schilling.

Bild: Oliver Hanser

Am meisten gefragt sind diese bei Fußballern, jüngst benötigte Christian Gentner, Kapitän des VfB Stuttgart, eine solche Maske.

Bild: Thomas Frey (dpa)

Freyja Schilling stellt auch Kopfschutzhelme her für Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma. Wenn das Hirn wegen Schwellung Platz braucht, verschaffen Ärzte durch vorübergehende Entnahme eines Teils der Schädeldecke Entlastung. Damit die Stelle aber nicht ungeschützt ist, erhält der Patient einen speziell auf ihn angepassten Helm aus Carbon.

Bild: Oliver Hanser

Für Menschen mit Wirbelsäulenprobleme wie Skoliose fertigt die 22-Jährige Orthosen an, die einem Korsett gleichen.

Bild: Oliver Hanser

Wer einen Kreuzbandriss erlitten hat, erhält von ihr einen Stabilisator für das Knie.

Bild: Oliver Hanser

Carbon ist übrigens auch das Material, aus dem die Sportgeräte ihrer ganz großen Leidenschaft hergestellt sind: Freyja Schilling ist im vergangenen Jahr beim Wettbewerb in Radolfzell Landesmeisterin im Stand-up-Paddling geworden.

Der Weg zum Orthopädie-Mechaniker

Der Weg zum Orthopädietechnik-Mechaniker dauert drei Jahre. Im Jahr 2016 haben laut der Statistik des Zentralverbands des Deutschen Handwerks bundesweit 1507 Personen die Lehre absolviert. Dies ist kein ausgesprochener männlicher Beruf: 849 Lehrlinge waren Männer, 658 Frauen. Die Arbeit beinhalt nicht nur die Herstellung von Prothesen. So berät Freyja Schilling Kunden zum Beispiel auch beim Kauf eines Rollstuhls, passt Schuheinalgen an oder klärt über Bandagen auf."

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