Im Volksmund heißt sie Betonkirche – oder Seelenabschussrampe, wegen ihres dreieckigen Kirchturms, der an ein Segel erinnert. Gemeint ist die Maria-Hilf-Kirche, gelegen an der Einmündung der Hermann-von-Vicari-Straße in die Mainaustraße. Vor 50 Jahren, am 14. Juli 1968, wurde sie von Weihbischof Karl Gnädinger geweiht.

Neue Standortsuche

Der ursprünglich vorgesehene Platz auf dem Salzberg war mittlerweile überbaut, sodass mühsam ein neuer Standort gesucht werden musste. Die Kirche konnte schließlich nach zähen Verhandlungen den Baugrund von der Stadt erwerben. Gebaut wurde sie in den sumpfigen Hockgraben, an den heute nur noch die Senke zur Unterkirche und zum Fuß des Turmes erinnert. Das Gelände drum herum wurde aufgeschüttet. Ursprünglich hätte eine große Treppe vom Haupteingang in den Graben führen sollen. Stattdessen gibt es einen Kirchenvorplatz, der nach seiner jüngst erfolgten Sanierung zum Aufenthalt einlädt.

Die Grundmauern der Kirche während der Bauzeit. Deutlich ist die Sechseckform zu erkennen.
Die Grundmauern der Kirche während der Bauzeit. Deutlich ist die Sechseckform zu erkennen. | Bild: Adalbert Kirchgäßner

Altar rückt näher an die Gläubigen

Zentraler Gedanke beim Bau der Kirche mit dem sechseckigen Grundriss war für Architekt Franz Hitzel das Zweite Vatikanische Konzil. "Die Forderung des Konzils nach einem gemeinsamen Vollzug der Messfeier – Priester zusammen mit der um den Altar gescharten Gemeinde – ruft die Urform einer Versammlung, nämlich die Kreisform, in Erinnerung", schrieb er in der Festschrift zum 25. Jubiläum der Kirchengemeinde. Der Altar rückte damit näher an die Gläubigen. So bildete anfangs der Tabernakel den geometrischen Mittelpunkt des Kirchenraums. Der Standort vor dem Altar habe allerdings störend gewirkt, erklärt Pater Georg Matt. Daher wurde er nach rechts hinten versetzt. "Jetzt ist auf dem Podest unter anderem Platz für das weihnachtliche Krippenspiel", erläutert der Pfarrer.

Andere Anordnung der Sitzbänke

Mit der Aufstellung der Sitzbänke in einer Art Zweidrittel-Rund ist auch die klassische Frontalanordnung aufgehoben. Die Lage in der Senke ermöglichte es, die Bänke im Gefälle aufzustellen. So ist der in Kirchen seltene Blick auf den Altar möglich.

Das Modell zeigt den ursprünglichen Entwurf der Kirche, wonach eine Treppe in den Hockgraben führen sollte.
Das Modell zeigt den ursprünglichen Entwurf der Kirche, wonach eine Treppe in den Hockgraben führen sollte. | Bild: Archiv Maria Hilf

Lange keine Glocken

Bis zum Jahr 1975 war Maria Hilf eine Kirche ohne Glocken. Pater Rupert Neubauer (der erste Pfarrer von 1963 bis 1991) war der Überzeugung, dass eine Kirche eine Stimme braucht, mit der sie die Menschen ruft. Der bereits vorhandene Glockenstuhl wurde schließlich mit einem viertönigen Geläut ausgestattet.

Bestrahlter Kreuzweg

In zwei Seiten der Glasfassade ist der Kreuzweg eingelassen. Bei Tageslicht wird er von hinten beleuchtet. Nach der Kirchenrenovierung lässt er sich seit 2016 von vorne bestrahlen. Die Sanierung der Kirche umfasste auch die Reinigung der Fassade innen und außen, die Erneuerung der gesamten Elektrik samt Beleuchtung und die Überholung der Orgel. Vor wenigen Wochen wurde die Neugestaltung des als Vorzimmer bezeichneten Vorplatzes vollendet. Markant daran ist das mit Platten gestaltete Labyrinth. Die Kirchengemeinde Maria Hilfe der Christen, so die genaue Bezeichnung, wurde 1963 gegründet, um die steigende Anzahl der Katholiken aus dem wachsenden Stadtteil Petershausen aufzunehmen.

Salesianer übernahmen die Leitung

Die Leitung wurde den Salesianern Don Boscos übertragen. Diese führten damals in der Nähe ein Lehrlingsheim. In der dortigen Kapelle feierte die neue Pfarrei ihre ersten Gottesdienste. Mit dem Neubau von Kindergarten und Gemeindesaal im Jahr 2001 direkt hinter die Kirche wurde das lange geplante Gemeindezentrum Maria Hilf fertiggestellt.

Seit 2013 eine neue Kirchengemeinde

Maria Hilf war zu Beginn nur einer Pfarrkuratie. Ab 1970 durfte sie sich Pfarrei nennen. Im Dezember 2000 schlossen sich die Pfarreien Maria Hilf und Sankt Georg zu einer Seelsorgeeinheit zusammen, die Anfang 2013 zu einer Kirchengemeinde wurde. Seit dem 1. Januar 2016 bilden sie auch die Pfarrei Sankt Georg – Maria Hilf.