1,1 Prozent der Konstanzer Bevölkerung sind Flüchtlinge. Aber sie machen acht Prozent der Tatverdächtigen aus, die die Polizei 2015 ermittelt hat. Dennoch sagte Polizeipräsident Ekkehard Falk am Donnerstag, Flüchtlinge seien nicht krimineller als die restlichen 82000 Menschen in der Stadt. Und wenn die Flüchtlinge für 389 Straftaten verantwortlich waren, heißt das dann, dass in Konstanz letztes Jahr wirklich rund 40000 Straftaten verübt wurden? Wie passen die Zahlen zusammen?

Die Statistik betrachtet nicht nur die Flüchtlinge, die gerade hier sind - sondern auch die, die schon wieder weg sind.

Derzeit, erklärt Ekkehard Falk, leben zwar 953 Flüchtlinge in der Stadt, über das ganze Jahr 2015 waren es aber viel mehr. Manche zogen in Anschlussunterbringungen oder wurden in Registrierungszentren gebracht. Dafür kamen andere Geflüchtete nach. Wie viele Flüchtlinge 2015 in den Konstanzer Unterkünften ein- und wieder ausgezogen sind, konnte Falk keine genauen Zahlen ermitteln. Aber die 953 Personen aus seinem Vortrag seien eine Momentaufnahme, während die Kriminalitätsstatistik immer einen Zeitraum betrachte. 

Nicht alle Straftaten von Flüchtlingen in Konstanz wurden auch von Flüchtlingen aus Konstanz begangen.

Die Statistiken der Straftaten und der Bevölkerung folgen jeweils einer anderen Logik, erklärt Ekkehard Falk. So habe die Polizei Hinweise darauf, dass Straftaten in Konstanz durchaus auch von Flüchtlingen begangen worden seien, die in einer anderen Gemeinde untergebracht sind. Auf der anderen Seite kommen aber auch auswärts begangene Delikte von Konstanzer Flüchtlingen nicht in die Berechnung. 

Die Gruppe der Flüchtlinge ist anders zusammengesetzt als die Gesamtbevölkerung.

Rund 70 Prozent der Flüchtlinge in Konstanz seien nach Erhebungen der Polizei 2015 junge Männer gewesen, so Ekkehard Falk. Mit dieser Vergleichsgruppe der einheimischen Bevölkerung müsse die Kriminalität verglichen werden. Wer die 82000 Konstanzer, die keine Flüchtlinge sind, heranzieht, rechnet auch Babys mit ein, die nun einmal gar nicht kriminell werden können.

In Konstanz wurden 2015 rund 6500 Straftaten verübt, 389 davon von Flüchtlingen.

Zieht man die 66 Delikte innerhalb der Unterkünfte ab, sind fünf Prozent der Straftaten Flüchtlingen zuzuschreiben. Wie in der ganzen Bevölkerung, gibt es auch unter ihnen Mehrfachtäter, erklärt Falk. "Es ist unzulässig, von einigen wenigen auf die Gesamtheit der Flüchtlinge zu schließen und diese Gesamtheit zu kriminalisieren", sagt der Polizeipräsident - und räumt ein: Die Kriminalitätsstatistik ist erklärungsbedürftig. Aber er halte an seiner Aussage über die Flüchtlinge fest: "Die sind nicht krimineller als andere."