Konstanz Die ersten Daten der neuen Blitzer in Konstanz zeigen, wo am meisten gerast wird. In der Mainaustraße ist es am schlimmsten

3000 Strafzettel in einem einzigen Monat – die Konstanzer Stadtverwaltung ist selbst überrascht, wie oft Autofahrer bei Temposünden erwischt werden. Und das, obwohl die Blitzer auf der Neuen Rheinbrücke noch gar nicht in Betrieb sind.

Die neuen stationären Blitzer an sechs Standorten in der Stadt haben zum Start sehr viel mehr Tempo-Verstöße festgestellt, als es die Stadtverwaltung selbst angenommen hatte. Aus den Zahlen für den ersten vollen Monat, den Dezember, geht auch hervor, dass die Überschreitungen im Mittel höher waren als vorab vermutet. Die Stadt registrierte nach einer Aufstellung des Bürgeramts rund 3000 Geschwindigkeitsübertretungen. Als der Rat im September 2016 die Aufstellung der neuen Blitzer beschloss, lagen 1500 Strafzettel pro Monat zugrunde. Von einem Erfolg spricht Bürgeramts-Leiterin Anja Risse dabei nicht: "Unser Ziel ist es, dass die Verkehrsregeln eingehalten werden", sagt sie auf Anfrage des SÜDKURIER. Es gebe nach wie vor kein Interesse der Stadt, mit den Blitzern möglichst hohe Einnahmen zu erzielen.

Vielleicht wissen viele Autofahrer noch nicht, wo geblitzt wird

Warum es zum Start so oft blitzte, können die Verantwortlichen im Bürgeramt nur vermuten. Möglicherweise, sagt Frank Conze, spiele der Überraschungs- und Neuheitseffekt eine Rolle. Auch waren die Säulen überdurchschnittlich häufig auch mit einer eingebauten Kamera scharf gestellt. Denn auf der Laube in Fahrtrichtung stadtauswärts wurde bisher gar nicht geblitzt – aus dem einfachen Grund, dass dort die Durchfahrt wegen der Baustelle am Rheinsteig schlicht nicht möglich ist. Klarer Spitzenreiter im Dezember war die Mainaustraße, wo allein mehr als ein Drittel aller Verstöße festgestellt wurde. Auf Platz zwei liegt der Ortseingang Litzelstetten, dort fiel der Blitzer allerdings Ende Dezember wegen Vandalismus-Schäden zeitweise aus.

Eine Übersicht über die Tempoverstöße an stationären Blitzern in Konstanz im Dezember 2017.
Eine Übersicht über die Tempoverstöße an stationären Blitzern in Konstanz im Dezember 2017. | Bild: Stadt Konstanz/SK-Grafik (Steller)

Die Zahlen für Januar liegen erst nach der Fasnacht vor.

An der Reichenaustraße kommen die Blitzer im März

Noch nicht enthalten in den ersten Zahlen sind Tempoverstöße an jenen Stellen, bei denen besonders häufig über zu schnelles Fahren geklagt wird. Denn auf der Neuen Rheinbrücke und an der Reichenaustraße (einmal auf Höhe der Spielothek und einmal im Bereich der Moschee) sind die Messgeräte noch gar nicht aufgebaut. Das will die Stadt nun im März nachholen, wie Bürgeramts-Chefin Risse sagte. Die Verzögerung von einigen Wochen hänge mit der vergleichsweise komplexen Planung zusammen. Zudem sei vor März auch kaum frischer Asphalt lieferbar, um Gräben für die erforderlichen Leitungen schnell wieder zu schließen, ergänzte Frank Conze.

Neue Rheinbrücke: Jetzt werden plötzlich zwei Säulen benötigt

Auf der Neuen Rheinbrücke, wo in der Vergangenheit mit mobilen Messungen schon dramatische Tempoverstöße festgestellt wurden – zahlreiche Autos waren trotz des 60er-Limits mit über 100 Stundenkilometern unterwegs – dauert es vermutlich noch ein wenig länger. Die Stadt musste nach Vorgaben aus dem für die Bundesstraße zuständigen Regierungspräsidium dort ihre Planungen ändern: Die Leitplanken mussten aus Gründen der Sicherheit für die Autofahrer über einen großen Bereich versetzt werden. Dies habe sich erst in der Projektierungsphase abgezeichnet, so Anja Risse. Ein Planungsfehler der Verwaltung liege nicht vor.

Zusätzliche Technik ist im genehmigten Budget drin

Die neuen Vorgaben auf der Schänzlebrücke bedeuten auch, dass es auf dem Mittelstreifen nicht nur eine gemeinsame Blitzer-Säule für beide Fahrbahnen, sondern jeweils eine für jede Richtung geben wird. Das kostet 30 000 Euro mehr, so Anja Risse auf SÜDKURIER-Nachfrage. Die Summe sei aber im beschlossenen Budget für die Tempoüberwachung enthalten, sagte sie: "Es kommen keine Mehrkosten auf die Steuerzahler zu." Platziert werden die Blitzer übrigens etwas südlich der Brückenmitte, wo jetzt schon die neuen Leitplanken stehen.

Nicht alle Blitzer-Säulen sind zu jeder Zeit scharf geschaltet

Wenn der im November begonnene Aufbau im Frühjahr abgeschlossen ist, stehen in der Stadt dauerhaft zehn Blitzer-Säulen an acht nach Sicherheitsaspekten ausgewählten Standorten. Nicht alle sind zu jeder Zeit scharf geschaltet. Denn die Stadtverwaltung hat nur fünf Kameras, die sie wechselnd in die einzelnen Säulen einbaut. Die für die Autofahrer damit verbundene Ungewissheit soll, so der Ratsbeschluss von 2016, für insgesamt mehr Disziplin bei der Fahrtgeschwindigkeit und damit mehr Verkehrssicherheit für alle führen.

Die Blitzer-Standorte wurden sehr bewusst ausgewählt

Die Diskussion um stationäre Blitzer in Konstanz hat bereits vor Jahren begonnen – auch, weil viele andere Kommunen in der Region längst die Tempolimits mit solchen Geräten überwachen. Die Verwaltung hat 2016 einen transparenten Kriterienkatalog erarbeitet, nach dem die Standorte festgelegt wurden. Die wichtigsten Punkte waren: Unfallschwerpunkt, vorliegende Erkenntnisse aus Messungen, Lage an Schule/Schulweg/Kindergarten/Altenheim; viele querende Fußgänger. Untersucht wurden daraufhin 21 Standorte.

Das durchschnittliche Bußgeld beträgt bisher knapp 20 Euro

Die Stadtverwaltung hatte 2016 erwartet, dass der durchschnittliche Strafzettel an den Blitzern rund 16 Euro betragen würde. Nach einem Monat Vollbetrieb liegt der tatsächliche Wert bei 18 bis 19 Euro, so das Bürgeramt. Die Verstöße sind also etwas schwerwiegender als erwartet. 2018 wird sich zeigen, ob sich dieser Trend verfestigt. Von den Einnahmen hängt ab, bis wann das System seine Kosten (laufender Aufwand und einmalige Investition) eingespielt hat. Angepeilt waren zunächst etwa fünf Jahre.

Achtung, auch die mobilen Blitzer sind weiter im Einsatz

Trotz der Blitzer überwacht die Stadt das Tempo auch mit einer mobilen Anlage. Sie wird auch in den zahlreichen neuen 30er-Bereichen eingesetzt, die vor Kindergärten, Schulen oder Altenheimen eingerichtet wurden. Teils gilt das 30er-Limit dort dauerhaft, teils nur von Montag bis Freitag tagsüber.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Mehr zum Thema
Verkehr in Konstanz: Überlastete Straßen, zu wenig Parkplätze und das Park and Ride-Angebot - im SÜDKURIER-Themenpaket finden Sie aktuelle Artikel und Hintergründe zum Thema Verkehr in Konstanz.
☀ Einzigartige Sonnenstücke vom See ☀
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Segeln
Konstanz
Die besten Themen