Tim Hofmann bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Der 24-Jährige lehnt sich entspannt auf dem WG-Sofa zurück. Dabei war es knapp. Zwei Monate lang hat er nach einem Zimmer in Konstanz gesucht, acht oder neun Mal sei er von Bonn nach Konstanz gefahren.

Vor etwa zwei Wochen hatte er nun endlich Glück: Die WG in der Wollmatinger Straße nimmt ihn auf, nachdem die beiden Mitbewohner ein angeregtes Gespräch mit Tim Hofmann geführt hatten. 360 Euro zahlt er für sein Zimmer, hat Zugang zu einer geräumigen Küche und einem gemeinschaftlich genutzten Wohnzimmer, er fühlt sich hier wohl.

16 WG-Castings in zwei Monaten

Die Suche war dennoch aufreibend. Der gelernte Koch, der jetzt Politik- und Verwaltungswissenschaften studieren möchte, hat die Internetportale wg-gesucht.de und vierwaende.de für die Suche genutzt. „Der erste Rücklauf war ganz gut“, berichtet Hofmann, er antwortete auf mehrere Inserate und zwei WGs hätten sich auch gleich gemeldet. „Die Termine verliefen dann auch schön“, sagt er, ein WG-Zimmer, das er angeboten bekam, lehnte er ab, weil er zu diesem Zeitpunkt doppelt hätte zahlen müssen, sein ehemaliges Zimmer in Bonn und jenes in Konstanz. „Dann kam allerdings erstmal lange nichts“, so Tim Hofmann. Schlussendlich sei er bei etwa 15 oder 16 WG-Castings gewesen in den zwei Monaten. „Als ich mich dann hier vorstellte, dachte ich gleich: Hier würde ich gern wohnen“. Seine beiden Mitbewohner verwickelten ihn 45 Minuten lang in ein Gespräch – danach hatte er das Zimmer.

Tim Hofmann in seinem neuen WG-Zimmer in der Wolllmatinger Straße.
Tim Hofmann in seinem neuen WG-Zimmer in der Wolllmatinger Straße. | Bild: Wagner, Claudia

Bis zu 80 Bewerber für ein WG-Zimmer

Die große Nachfrage bekommen auch die WG-Bewohner zu spüren, die ein Zimmerangebot ins Internet stellen. „Wir haben zum ersten Mal ein WG-Casting gemacht“, sagt Silas Horvath, einer von Tim Hofmanns zwei neuen Mitbewohnern, „in 24 Stunden hatten wir etwa 80 Bewerber. Irgendwann haben wir aufgehört, die Mails durchzulesen“. Die beiden jungen Männer suchten nach einem Mitbewohner, der das selbstständige Wohnen schon gewohnt war und jemandem, der gut zu ihnen passt. Tim Hofmann erfüllte beide Kriterien.

Studie bewertet den Wohnungsmarkt als extrem angespannt

Laut einer aktuellen Studie des Moses-Mendelssohn-Instituts und wg-gesucht.de ist der Wohnungsmarkt in Konstanz extrem angespannt. Konstanz wird mit einer Punktzahl von 61 bewertet, der Durchschnitt liegt bei 37 Punkten. In einer Rangliste der Städte liegt Konstanz auf Platz 10 von 98 untersuchten Städten. Der Durchschnittspreis für ein Konstanzer WG-Zimmer liege bei 438 Euro. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass sich trotz eines überdurchschnittlichen Angebots an geförderten Wohnheimplätzen in Konstanz die Lage kaum entspanne.

Bild: Orlowski Birgit

Im Schnitt 427 Euro für ein WG-Zimmer

Alarmierend sind auch die Zahlen, mit denen eine Studie von Studitemps und der Maastrichter Universität aufwartet. Die durchschnittliche Miete für ein Studentenzimmer (in WG, Wohnheim oder zur Untermiete) liege in Konstanz bei 427 Euro, die durchschnittliche Quadratmeter-Miete bei 20,12 Euro – letzteres sei bundesweit der höchste Wert überhaupt.

Auffällig sei aus Sicht der Studitemps-Studie außerdem, dass in Konstanz mehr Studierende als im Bundesschnitt weiterhin bei ihren Eltern wohnen, schreibt Philipp Seegers, einer der Wissenschaftler, der an der Erstellung der Studie mitwirkten. Dies sei ein weiterer Hinweis darauf, dass es für Studierende schwierig ist, ein eigenes Zimmer zu finanzieren und viele deshalb auf das Kinderzimmer bei den Eltern zurückgreifen.

Bild: Orlowski Birgit

Studentenwerk stellt 2355 Plätze zur Verfügung

Dabei gibt es durchaus Bemühungen, die Wohnungsnot der Studenten zu lindern. Insgesamt stünden in Konstanz 3363 Bettplätze in Wohnanlagen für Studierende zur Verfügung, schreibt Corinna Voigt, zuständig für Marketing und Kommunikation beim Studentenwerk Seezeit. Es stellt selbst 2355 Plätze in 13 Wohnanlagen, weitere Wohnheime wurden von den Kirchen und privaten Anbietern gebaut. In den vergangenen zwei Jahren seien keine neuen Wohnheimplätze entstanden. Seit 2009 habe das Studentenwerk in der Region rund 1300 Zimmer neu gebaut oder saniert.

Viele Studenten in Wohnheimen – trotzdem bleibt die Anspannung

Die Versorgungsquote mit Wohnheimen liege bei 20,98 Prozent in Konstanz (bei 16 030 immatrikulierten Studierenden), ergänzt Corinna Voigt. Das sei einer der bundesweit höchsten Werte, der Schnitt in Baden-Württemberg liegt bei 12,86 Prozent, deutschlandweit bei 9,6 Prozent.

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Tim Hofmann weiß seine glückliche Lage zu schätzen

Tim Hofmann weiß, dass er Glück gehabt hat bei der Zimmersuche. Die Miete für sein WG-Zimmer beträgt 360 Euro warm, eingeschlossen sind die Kosten für Internet, Müllgebühren und GEZ. So günstig bekäme man das Zimmer sicher nicht mehr, sagt sein Mitbewohner, wenn der Mietvertrag jetzt abgeschlossen würde. Durch seine Berufsausbildung hat er zudem die Möglichkeit, einen Nebenjob zu finden, mit dessen Hilfe er sein Studium finanzieren kann.

Simon Braun wohnt noch zur Zwischenmiete

Noch nicht ganz so weit ist Simon Braun. Der 22-Jährige stammt aus Waldshut und hat bisher keine feste Bleibe gefunden. Immerhin hat Simon Braun inzwischen ein WG-Zimmer zur Zwischenmiete gefunden, das ihm ermöglichte, zu Semesterbeginn in Konstanz zu sein. Seine Zimmersuche sei bisher mühsam verlaufen, sagt der Student der Elektro- und Informationstechnik. 30 bis 40 WGs habe er über die Suchportale angeschrieben, fünf bis sieben Gespräche gab es. „Die meisten haben dann abgesagt“, berichtet Braun, „ich wusste, dass es schwierig würde“. Er habe einige Bekannte, die in Konstanz studieren und ihn vor der Wohnungsnot gewarnt hätten.

Simon Braun wohnt in der Schneckenburgstraße noch zur Zwischenmiete.
Simon Braun wohnt in der Schneckenburgstraße noch zur Zwischenmiete. | Bild: Oliver Hanser

500 Euro sind die Schmerzgrenze

Für sein Zimmer zur Zwischenmiete zahlt Braun 420 Euro. Mehr als 500 Euro könne er für ein Zimmer auf keinen Fall zahlen, er habe eine Schwester in München, die 400 Euro für ihr Zimmer zahle – obwohl München als extrem teuer bekannt ist. Jetzt will Simon Braun die Gelegenheit, dass er eine vorübergehende Bleibe hat, nutzen, um weiter nach einem Zimmer zu suchen. Irgendwann wird er dabei erfolgreich sein, hofft er.