Mathematik, oh Schreck und Graus, ist eine häufige Reaktion von Menschen, wenn sie an ihre Schulzeit zurückdenken. Auch Bettina Gräfin Bernadotte gesteht: "Mathematik fand ich in der Schule teilweise zum Abgewöhnen." Trotzdem wagt sich die Geschäftsführerin der Insel Mainau zusammen mit ihrem Team an dieses Thema. Zeigen, wie viel Mathematik in der Welt der Pflanzen steckt, und welch große Rolle Zahlen in der Botanik spielen, sei das Ziel, erläuterte Gräfin Bettina. So beschreibe beispielsweise die Fibonacci-Folge die Vermehrung von Kaninchen. Neben der Tierwelt findet sich dieses Phänomen auch in der Welt der Pflanzen. So lässt sich etwa die Verteilung der Kerne im Korb der Sonnenblume auf die Fibonacci-Folge zurückführen.

Auch die Kugel ist eine mathematische Erscheinung. Sie hat von allen Körpern mit einem vorgegebenen Volumen die kleinste Oberfläche, oder anders betrachtet, bei vorgegebener Oberfläche erreicht sie das maximal mögliche Volumen. Daher sei bei Pflanzen vielfach zu beobachten, dass sie sich kugelförmig ausbilden, erläuterte Gartendirektor Markus Zeiler. "Eine Murmelbahn soll den jungen Besuchern die Kugel spielerisch nahe bringen", berichtete er. Eher für erwachsene Besucher sei ein Pflanzen-Sudoku gedacht.

Aus dem Gießener Mitmachmuseum Mathematikum habe er eine Ausstellungsstücke auf die Blumeninsel gebracht, berichtete der Gartendirektor. Darunter eine begehbare Seifenblase, die übrigens auch Kugelgestalt annehmen würde, wäre sie nicht durch Erdanziehung oder Luftbewegungen verzerrt. Gezeigt werde auch eine Leonardo-Brücke – erfunden von Leonardo da Vinci – die ganz ohne Nägel oder Schrauben halten werde.

An drei sogenannten Gigantomaten lassen sich spielerisch 30 Rekorde aus der Pflanzenzwelt erfahren. Noch bis zum 7. Mai sei im Palmenhaus die Orchideenschau zu bewundern. Der Titel "80 cm x 120 cm – alles paletti" fasst zusammen, dass Euro-Transportpaletten das Gestaltungsmittel der Wahl sind. Türme, Sitzlandschaften und einen plätschernden Teich samt stilisiertem Wasserrad haben die Mainau-Gärtner gestaltet.

"Wen Gott strafen möchte, schenkt er ein altes Schloss", zitierte Björn Graf Bernadotte seinen verstorbenen Vater Lennart. In den 1960er Jahren sei der Dachstuhl mit ungeeigneten Mitteln umgebaut worden, berichtete der Mainau-Geschäftsführer. Dachbalken seien durch Befall mit dem Hausschwamm teilweise bis zu 60 Zentimeter tief durchgefault, schilderte er die vorgefundenen Schäden. Mittlerweile sei mit der Sanierung begonnen worden. Da in solch einem Falle mit unangenehmen Überraschungen zu rechnen sei, könnten die Kosten noch nicht abgeschätzt werden. "Mehrere Millionen Euro", erklärte Graf Björn. Bis 2024 sollen sich die Arbeiten hinziehen. Sie sollen so gut wie möglich ohne Beeinträchtigung für die Besucher verlaufen, versprach er. Üblicherweise bekomme die Mainau keinen öffentliche Zuschüsse. In einem solchen Fall könne sie jedoch welche beantragen. Vom Bund sollen aus einem Sonderförderprogramm in den kommenden Jahren 1,6 Millionen Euro fließen. Auch vom Land werde es Fördermittel geben, sagte Graf Björn.

Den Sommer über können die Besucher vom italienischen Rosengarten aus ungehindert die Barockkirche und das Schloss bewundern. Im Mai wird das Palmenhaus abgebaut und Instand gesetzt. Rechtzeitig im Herbst soll es wieder zum Schutz der Palmen aufgestellt werden.
 

Rechnerisches

  • Die Fibonacci-Folge beginnt mit zweimal der Zahl 1. Diese addiert ergibt 2. Diese 2 wird mit der vorangehenden 1 zusammengezählt, was 3 ergibt. Führt man dieses unendliche Zusammenzählen (zwei voranstehende Zahlen ergeben die folgende) fort, ergibt sich diese Zahlenfolge: 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, ...
  • Pflanzen: 135 000 Frühjahrsblüher in 137 Sorten wurden gepflanzt (Hornveilchen, Vergissmeinnicht, Gänseblümchen, Goldlack und andere); etwa 610 000 Blumenzwiebeln in Beete und Wiesenflächen gepflanzt (Tulpen, Narzissen, Krokusse) in 560 Sorten, davon alleine 450 Tulpensorten sowie 145 000 Sommerblumen (Kübelpflanzen, einjährige Pflanzen, mehrjährige Pflanzen) in 656 Sorten.
  • Besucher: 1,26 Millionen Besucher kamen 2016 auf die Insel Mainau. Wie in den vorangegangenen Jahren kalkuliert die Geschäftsführung auch dieses Jahr mit 1,2 Millionen Gästen.
  • Eintrittspreise: Erwachsene zahlen für die Tageskarte 19,90 Euro, Schüler und Studierende 11,50 Euro. Kinder (bis einschließlich zwölf Jahre) sind gratis. Eine Jahreskarte für Erwachsene kostet 52 Euro. (nea)