Was Helmut Faßnacht heute über die Fasnacht von morgen sagen würde, ist leider nicht bekannt. Der Meister der politischen Nummer, der Karle Dipfele von Deutschlands letztem Zipfele, ist 2005 gestorben. 

„Wieder ebber weniger“

2011 musste die Fasnachtswelt von Karl Maurer, 2017 von Alfred Heizmann Abschied nehmen. Hans-Joachim Jokele Pfeffer, ein Weggefährte Helmut Faßnachts und Ehrenpräsident der Seehasen, starb vor zwei Monaten. „Wieder ebber weniger“, sagt Paul Bischoff, der Ehrenpräsident der Narrenverenigung Schneckenburg. „Wir alte Protagonisten sterben langsam aus“, erzählt Uli Blum, Ehrenpräsident der Elefanten. „So isches nu mol.“

„Bei uns gab‘s kein Fernsehen, keine Handys – da war die Fasnacht etwas ganz Besonderes.“ Paul Bischoff
„Bei uns gab‘s kein Fernsehen, keine Handys – da war die Fasnacht etwas ganz Besonderes.“ Paul Bischoff | Bild: Oliver Hanser

Wafrö, der große Walter Fröhlich, segnete 2013 das Zeitliche. Die verbliebenen Granden der Konstanzer Fasnacht treffen sich alle sechs Wochen zum Dipfele-Stammtisch. In den 80er Jahren wurde diese mittlerweile legendäre Institution ins Leben gerufen.

Erster Treffpunkt: Der Stille Winkel in Wollmatingen

Helmut Faßnacht, der Dipfele eben, war einer der vier Gründungsväter. Daneben der Wafrö, Alex Brack und Paul Bischoff, der mit seinen 92 Jahren der letzt Vertreter der ersten Stunde ist. „Damals hond mer uns im Stille Winkel in Wollmadinge troffe“, sagt er.

„Fasnacht heute ist anders. Nicht besser, nicht schlechter. Anders. Heute setzen die Macher mehr auf eine Revue.“ Konrad Schatz
„Fasnacht heute ist anders. Nicht besser, nicht schlechter. Anders. Heute setzen die Macher mehr auf eine Revue.“ Konrad Schatz | Bild: Oliver Hanser

Im Laufe der Jahre traten Adolf Vetter, Max Egler, Konrad Schatz, Jokele Pfeffer, Joachim Graf und zuletzt das 67-jährige Nesthäkchen Kurtle Köberlin dem erlauchten Kreis zu.

In die Traube oder ins Hohenegg

Sie gehen in die Traube nach Staad oder auch mal ins Hohenegg, trinken ihr Viertele, eine Halbe Bier oder einen heißen Tee. Beim Abendessen wird getratscht, gschumpfe, geplaudert, gelästert. Hier wird die Konstanzer Welt erklärt, manchmal verklärt, und, wenn es denn sein muss, auch mal Süßholz geraspelt.

Das authentische Gesicht der Fasnacht

Die Konstanzer Fasnacht hat viele Gesichter. Nirgendwo ist es so authentisch wie hier, wo die Geister des Steuer Karle oder des Dipfele neu aufleben und wo die alten Schoten ausgepackt werden.

„Früher ging es auf der Bühne mehr gegen die Kommunalpolitik. Helmut Faßnacht war ja ein Meister darin.“ Uli Blum
„Früher ging es auf der Bühne mehr gegen die Kommunalpolitik. Helmut Faßnacht war ja ein Meister darin.“ Uli Blum | Bild: Oliver Hanser

Am Montag ist der 11.11. Da beginnt die Zeit, die das Leben der Stammtischbrüder geprägt hat. Wie sehen sie das närrische Treiben ihrer Nachfolger? „Es ist halt anders“, sagt Konrad Schatz. „Nicht besser, nicht schlechter. Anders.“

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Die Herren reden sich langsam warm. „Heute setzen die Macher mehr auf eine Revue“, berichtet Konrad Schatz weiter. „Früher war das nicht so.“ Uli Blum nickt zustimmend: „Früher ging es auf der Bühne mehr gegen die Kommunalpolitik. Helmut Faßnacht war ja ein Meister darin.“

„Die Jungen sind klasse“

Doch sie sind weit davon entfernt, die heutige Fasnacht abzukanzeln. Ganz im Gegenteil. „Jede Generation hat ihre Besonderheiten“, erklärt Kurtle Köberlin. „Heute ist es halt etwas oberflächlicher und schneller als damals. Aber das ist nun mal so.“

 

Er persönlich ist mit seinen 67 Jahren eine Art Mittler der Generationen. „Ich finde die Bemühungen der Jungen klasse: Zum Beispiel der Rap von Yasin Amin und Andreas Kaltenbach oder die Hall of Fame von Christiana Gondorf und Simon Schafheitle.“

„Jede Generation hat ihrer Besonderheiten. Heute ist es etwas oberflächlicher und schneller als damals. Ich finde die Bemühungen der Jungen klasse.“ Kurtle Köberlin
„Jede Generation hat ihrer Besonderheiten. Heute ist es etwas oberflächlicher und schneller als damals. Ich finde die Bemühungen der Jungen klasse.“ Kurtle Köberlin | Bild: Oliver Hanser

Nur mit neuen Ideen könne der Nachwuchs aktiviert werden. Für Paul Bischoff existiert ein essentieller Unterschied zwischen einst und heute: „Bei uns gab‘s kein Fernsehen, keine Handys – da war die Fasnacht etwas ganz Besonderes. Daher gab es auch mehr Veranstaltungen und vor allem mehr Veranstaltungsorte. Heute haben die Menschen mehr Möglichkeiten.“

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Am Samstag geht‘s ins Konzil

Und: „Alkohol hat immer eine Rolle gespielt, doch früher eher in Maßen. Es ging mehr um das Brauchtum.“ Am Samstagabend werden die Granden der Konstanzer Fasnacht beim Auftakt der Niederburg im Konzil sitzen und genüsslich das Treiben ihrer Nachfolger und Nachnachfolger beobachten. „Das genießen wir sehr“, sagt Bischoff. „Aber Obacht“, mahnt augenzwinkernd Konrad Schatz: „Es gibt nix Ernschteres wie d‘Fasnet.“