Die Entwicklung der Ortsmitte kommt nicht voran. Nach der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrats von Dettingen-Wallhausen ist eher von einem Rückschritt auszugehen. Der Sachstandsbericht von Thomas Gerwatowski, technischer Leiter der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Konstanz (Wobak), sorgte bei den Räten für Unmut, den Christian Broghammer (SPD) am deutlichsten aussprach: „Mir steigt der Puls, wenn ich das höre. Der Berliner Flughafen lässt grüßen.“

„Mir steigt der Puls, wenn ich das höre. Der Berliner Flughafen lässt grüßen.“ – Christian Broghammer (SPD), Ortschaftsrat
„Mir steigt der Puls, wenn ich das höre. Der Berliner Flughafen lässt grüßen.“ – Christian Broghammer (SPD), Ortschaftsrat | Bild: Nikolaj Schutzbach

Die bisherigen Planungen lauteten wie folgt, abgeleitet aus einer intensiven Bürgerbeteiligung und Architektenwettbewerben: Zwei Häuserriegel fürs Seniorenwohnen, für die der bisherige Parkplatz und ein Teil des Dorfplatzes geopfert werden sollten; auf der darüberliegenden Brunnenhalde eine Wohnbebauung, dazu eine Tiefgarage unter den Seniorengebäuden; der Umbau des alten Schulhauses in ein Bürgerhaus mit einer angeschlossenen Tiefgarage unter dem Schulhof, der anschließend ebenfalls neu gestaltet werden sollte. Geplant war, dass die Wobak sowohl die Seniorenwohnungen als auch die Wohnhäuser baut.

 Wohnhäuser für die WOBAK zu teuer 

Thomas Gerwatowski erläuterte, dass für die Wobak nach Einholung eines Richtpreisangebots eines ortsansässigen Generalunternehmers die Wohnhäuser auf der Brunnenhalde zu teuer würden und damit nicht finanzierbar seien. Deutlich verkleinert werden soll auch das Seniorenwohnen; die benötigte Grundfläche würde nur noch etwa der Größe des Dorfplatzes entsprechen. Was aus dem bisherigen Parkplatz werden soll, wurde nicht gesagt. Davon hängt jedoch entscheidend ab, ob es die Schulhof-Tiefgarage geben muss. Wie Klara Trummer, Leiterin des Bauverwaltungsamts, erläuterte, kann diese wegen der engen Verzahnung mit dem Bürgerhaus nur zusammen mit diesem gebaut werden. Eine weitere Pflege-WG für acht Personen könnte im Neubaugebiet Brühläcker entstehen. Dort müsste allerdings umgeplant werden. Außerdem steht diese Idee im Gegensatz zu der Vorgabe, dass die Senioren in Dettingen zentral, in der Nähe aller wichtigen Einrichtungen, leben sollen. Während die Wobak eine Wohnbebauung für Familien im mittleren Preissegment nicht für wirtschaftlich hält, möchte Klara Trummer private Baugemeinschaften dafür gewinnen, auf der Brunnenhalde zu bauen. Dabei schließen sich mehrere Bauwillige zusammen, um gemeinsam ein Gebäude zu entwickeln.

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2013 habe die Wobak „Stein und Bein geschworen“, dass es keine Probleme gebe, wenn im Hang gebaut werde, sagte Christian Broghammer. Die Hausaufgaben seien „nicht oder schlampig gemacht“ worden. Den Räten und den Bürgern gegenüber sei so etwas „unverschämt“, und es sei zu überlegen, ob zukünftig weiter zusammengearbeitet werden könne. „Ausgesprochen ärgerlich“, fasste Lore Dizinger (SPD) ihre Einschätzung zusammen. Broghammer habe schon früh darauf hingewiesen, dass Bauen im Hang teuer werde. „Ich kann nicht in die Augen der älteren Bewohner sehen“, sagte sie enttäuscht. „Ich bin ein bisschen erstaunt“, erklärte Andreas Schwabedissen (FLDW). Für ihn käme es überraschend, dass dies kein Projekt für die Wobak sei, obwohl doch schon lange über die Finanzierbarkeit und Machbarkeit gesprochen wurde. „Das nächste Mal sollten Sie das von vornherein sagen, dann sparen wir viel Zeit“, forderte er.

„Jedes Auto unter dem Boden ist ein schönes Auto.“ – Kurt Demmler (CDU), Ortschaftsrat
„Jedes Auto unter dem Boden ist ein schönes Auto.“ – Kurt Demmler (CDU), Ortschaftsrat | Bild: Nikolaj Schutzbach

Kurt Demmler (CDU) setzt weiterhin auf eine Tiefgarage unter dem Schulhof. Diese sei nötig, egal wie groß die Bebauung in der Ortsmitte werde. Sie würde für die Mehrzweckhalle und das Bürgerhaus benötigt. Außerdem könnten dann sowohl der Schulhof als auch der Dorfplatz neu gestaltet werden. „Jedes Auto unter dem Boden ist ein schönes Auto. Wir müssen gucken, dass wir in die Pötte kommen“, mahnte er die erneute Zeitverzögerung an. Eigentlich hätte bereits im Sommer mit dem Umbau des alten Schulhauses und dem Bau der Tiefgarage begonnen werden sollen. Trummer deutete an, dass dies im kommenden Jahr der Fall sein könnte. Ortsvorsteher Roger Tscheulin (CDU) warnte vor voreiligen Beschlüssen. Die Ortsmitte sei ein Projekt, das über Jahrzehnte wirken werde und für das man „nicht einfach etwas zusammenstöpfelt“.