Wer in diesen Zeiten das eigene Dach neu decken lassen will, einen Fensterbauer oder einen Installateur braucht, kennt das Erschrecken. Die Baukonjunktur brummt, und viele Firmen und Handwerksbetriebe haben längst übervolle Auftragsbücher. Falls dann aber doch Angebote eingehen, folgt oft das böse Erwachen: Die geforderten Preise liegen meist über dem, was man sich so vorgestellt hatte. Und genau das erleben auch Thomas Stegmann und sein Team im Moment.

Die geplanten 15 Millionen Euro reichen längst nicht mehr

Stegmann ist bei der Stadt Konstanz der Leiter des Hochbauamts und verantwortet im Moment zahlreiche Baustellen – allein die fünf größten vereinigen ein Investitionsvolumen von 15 Millionen Euro auf sich. Oder sogar deutlich mehr. Denn Vorhaben wie die Sanierung des Kinderkulturzentrums Raiteberg, der Neubau des Depots für das Rosgartenmuseum, die Sanierung am Casino oder der Um- und Neubau des Kindergartens St. Martin in Wollmatingen werden teurer, und zwar deutlich.

Casino Konstanz, Seestraße, Kamorstraße. Bild: Aurelia Scherrer
Baustelle Casino, Kostensteigerung 43 Prozent: Das städtische Gebäude, in dem die staatliche Spielbanken-Gesellschaft Glücksspiel anbietet, war nicht barrierefrei. Deshalb erhält das Gebäude einen Aufzug und einen neuen Eingang. Im Haushalt 2018 waren nach dem Projektbeschluss vom 14. April 2016 (2016-1697) über 500¦000 Euro zunächst 850¦000 Euro vorgesehen, in der Folge kamen für 2018 nochmals 215¦000 Euro hinzu und jetzt weitere 150¦000 Euro. Grund sind neben Preissteigerungen auch neu hinzugekommene Wünsche des Casinos, das sich an den Kosten mindestens zur Hälfte beteiligt. | Bild: Aurelia Scherrer

Wenn ein Angebot kommt, ist es meist teurer als erwartet

Schon von 2017 auf 2018 musste die Stadt deutlich mehr Geld für die Projekte bereitstellen als einst veranschlagt: Um 18 Prozent seien die in den Angeboten geforderten Summen gestiegen, sagt Stegmann, rund eine Million Euro musste die Stadt im Budget für das laufende Jahr zusätzlich einplanen. Und dabei wird es nicht bleiben, erklärte der Architekt jüngst im Technischen und Umweltausschuss, für 2019 rechnet er mit weiteren Mehrkosten von fast 1,5 Millionen Euro.

Auf der nachfolgenden Karte sind die in den Bildern erwähnten fünf Bauprojekte der Stadt eingezeichnet:

 

Billigsparen kann man beim Bauen oft nicht

Die Gründe sind bei jedem Vorhaben unterschiedlicher Natur. Allein die jetzt aufgelaufenen und nicht mehr abwendbaren Mehrausgaben "tun weh", sagt Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn. Aber viel mehr, als Transparenz zu schaffen, könne die Verwaltung kaum tun. Denn laufende Projekte nochmals umzuplanen und vielleicht auf das eine oder andere Detail zu verzichten, bringe der Erfahrung nach alles, aber keine oder nur geringe Einsparungen.

Kinder-Kulturzentrum (Kikuz) Ratiteberg, Rebbergstraße, Konstanz. Bild: Aurelia Scherrer
Baustelle Kikuz Raiteberg, Kostensteigerung 27 Prozent: Das Kinderkulturzentrum war marode. Die Stadt konnte die Sanierung im Jahr 2016 in einem Zuschussprogramm des Bundes unterbringen, der sich mit fast zwei Millionen Euro an Umbau und Erweiterung (neu kommt unter anderem ein Kindergarten dazu) beteiligt. Die Baukosten wurden am 23. März 2017 (Projektbeschluss, amtliche Vorlage 2017-2343) auf 4,15 Millionen Euro geschätzt. Nun sollen die Kosten um rund 1,14 Millionen Euro steigen, unter anderem wegen Altlasten und zuvor nicht bekannter Bauschäden. | Bild: Aurelia Scherrer

Amtsleiter wird deutlich: "Monopolartige Strukturen"

Das Problem, sagt Thomas Stegmann, ist im Moment vor allem der fehlende Wettbewerb. Hatte die Stadt Konstanz in früheren Jahren nach einer Ausschreibung oft viele Angebote und damit die Chance auf einen Preisvergleich, gehen heute in vielen Fällen nur noch ganz wenige oder sogar gar keine Angebote mehr ein. Das seien "teilweise monopolartige Strukturen", sagt Stegmann ungewohnt deutlich. Die Stadt könne in diesem Fall nur noch entscheiden, das Angebot zähneknirschend anzunehmen oder die Ausschreibung wegen zu hoher Preise wieder aufzuheben.

Auch diesen drastischen Schritt musste die Verwaltung schon wählen, zum Beispiel bei der Sanierung der Marktstätten-Unterführung. Während dort noch eine Umplanung möglich war, ist das Korsett bei anderen Vorhaben enger. Zum Beispiel, weil Bundeszuschüsse zu verfallen wie beim Kikuz oder weil die Arbeiten längst den Punkt erreicht haben, an dem kein Zurück mehr möglich ist, wie beim Kindergarten St. Martin.

Kindertagesstätte St. Martin, Eichbühlstraße, Konstanz-Wollmatingen. Bild: Aurelia Scherrer
Baustelle Kindergarten St. Martin, Kostensteigerung 17 Prozent: In Wollmatingen schafft die Stadt zwei neue Gruppen für Kinder unter drei Jahren sowie 48 Ganztagsplätze in den bestehenden vier Gruppen. Ein Teil der Bausubstanz gilt als unsanierbar, andere Teile werden modernisiert. Der Um- und Ausbau soll Ende 2018 abgeschlossen sein. Der Projektbeschluss vom 23. März 2017 (2017-2342) weist für das Kita-Projekt 2,2 Millionen Euro aus. Schon für 2018 war klar, dass dies nicht reicht und dass 380.000 Euro mehr benötigt werden. Grund ist laut Stadt, dass die wenigen Angebote höher waren als erwartet | Bild: Aurelia Scherrer

Und warum baut die Stadt nicht während der Konjunktur-Flauten?

Und warum wartet die Stadt nicht einfach, bis die Konjunktur sich wieder abkühlt? Immerhin wird den Kommunen empfohlen, antizyklisch zu handeln und damit auch der heimischen Wirtschaft über Durststrecken zu helfen. Das Pressebüro der Stadt bejaht diesen Ansatz grundsätzlich. Aber: Es gebe auch einen "hohen Investitionsstau", heißt es in einer Pressemitteilung, und gesetzliche Vorgaben seien ebenfalls mit verantwortlich, dass eben auch in Boom-Zeiten gebaut werden müsse.

Warum Politiker immer öfter vom "Fluch der ersten Zahl" sprechen

Thomas Stegmann erklärt, dass die Verwaltung wo möglich auf frühzeitige Ausschreibungen umstellt, weil Firmen dann lieber anbieten, um auf lange Frist die Auftragsbücher zu füllen. Manchmal lohnte es sich, mehr Zeit zu investieren und die Bürger um Geduld zu bitten.

Für den Baubürgermeister ist klar, was das konkret bedeutet: Erst detailliert planen und dann die Politik entscheiden lassen. Er spricht vom "Fluch der ersten Zahl" und von einem "Risikopuffer". Was aber nichts daran ändere, dass die jüngsten Preissteigerungen "die Spielräume für die nächsten Jahre schon jetzt einengen."

Feuerwehr Konstanz, Steinstraße. Bild: Aurelia Scherrer
Baustelle Feuerwache Steinstraße, bleibt hoffentlich im Budget: Der Feuerwehr fehlen zahlreiche Räume. Außerdem ist das Flachdach von 1967 undicht, saniert wurden in den 50 Jahren seit dem Neubau nur einige Teile des Gebäudes. Platz entsteht durch eine Aufstockung in leichter Holzbauweise. Dies und eine grundlegende Sanierung sollen, so der Projektbeschluss des Gemeinderats am 22. Juni 2017 (2017-2593), drei Millionen Euro kosten. Hier hofft die Verwaltung, dass keine Mehrkosten entstehen, da auch mehr Angebote eingehen. | Bild: Aurelia Scherrer