Es gibt wohl keinen Bereich in der Familienpolitik, in dem die Stadt so sehr den eigenen Ansprüchen hinterherhinkt wie beim Kita-Angebot. Bereits seit fünf Jahren haben alle Kinder ab dem ersten Geburtstag Anspruch auf einen öffentlichen geförderten Betreuungsplatz; die Stadt hat in den vergangenen zehn Jahren über 560 Plätze neu geschaffen.

Infobox: 861 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren gibt es derzeit in Konstanz (inklusive Tagespflege). Im Jahr 2006 waren es noch 210 Plätze.

Dennoch gehen Jahr für Jahr hunderte Familien leer aus. In diesem Jahr waren es rund 200. Darunter auch solche, die beispielsweise Vollzeit und 75 Prozent arbeiten und dringend einen Platz bräuchten. Die Fakten im Überblick.

1. Mehr als die Hälfte aller Konstanzer Kinder unter drei Jahren braucht einen Betreuungsplatz.

861 Plätze inklusive der Tagespflege gibt es in Konstanz für Kinder unter drei Jahren, das entspricht einer Betreuungsquote von 43,9 Prozent. Der tatsächliche Bedarf aber liege bei 56 Prozent, schätzt Alfred Kaufmann, Leiter des Sozial-und Jugendamts in einem Pressegespräch. Im Vergleich mit anderen Städten sei der Bedarf hoch, ergänzt OB Uli Burchardt.

Infobox: In Konstanz werden 43,9 Prozent aller Kinder unter drei Jahren in einer Kita oder bei einer Tagespflegeperson betreut. Im landesweiten Vergleich liegt Konstanz damit auf Platz 2 hinter Heidelberg (47,9 Prozent).

In Konstanz gibt es kaum Arbeitslosigkeit, immer mehr gut ausgebildete Frauen wollen schnell wieder in den Beruf einsteigen, die Geburtenrate ist deutlich angestiegen, die Stadt ist attraktiv und wächst – all das seien Gründe für den steigenden Bedarf.

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Dass in einer Stadt wie Konstanz mit hohen Lebenshaltungskosten und hohen Mieten auch viele Familien auf ein doppeltes Einkommen angewiesen sind und arbeiten müssen, sieht Burchardt nur als "ein Teil der Wahrheit". Aber er sagt auch: "Das Thema Wohnen wird zum Schlüsselfaktor zur Entwicklung der Stadt." Nicht nur, um die Familien hier halten zu können – sondern auch die, die sie erziehen. 20 offene Stellen gebe es derzeit in den Konstanzer Kitas, so Kaufmann.

2. Bis 2023 sollen 390 neue Plätze für Kinder zwischen 0 und sechs Jahren geschaffen werden, die Hälfte davon Ganztagesplätze.

Zusammen mit den freien und kirchlichen Trägern arbeitet die Stadt weiter "mit höchster Priorität" am Ausbau der Kinderbetreuung. Im Bau sind 20 Plätze im Kindergarten St. Martin in Wollmatingen, 60 Plätze im früheren Kinderkulturzentrum. Hinzu kommt der Neubau des Kindergartens St. Georg in Allmannsdorf, weitere Plätze im Kindergarten St. Peter und Paul in Litzelstetten sowie im Kinderhaus Edith Stein. Ebenfalls im Gespräch ist ein zweiter Waldkindergarten im Lorettowald.

3. Ein neuer Kita-Platz kostet im Durchschnitt 56.000 Euro.

Nicht gerade wenig, wenn man bedenkt, dass das reine Investitionskosten sind – ohne die laufenden Betriebskosten. "Unsere Maßgabe im Ausbau war und bleibt, dass Quantität nicht zu Lasten der Qualität gehen darf", bemerkt Kaufmann. Dementsprechend habe man den Ausbau von Kita-Plätzen meist auch mit einer Sanierung des Gebäudes verbunden.

Infobox: 32,7 Millionen Euro hat die Stadt Konstanz seit 2007 in den Kita-Ausbau investiert.

Die Betriebskosten wie etwa Personalkosten werden mit bis zu 75 Prozent von der Stadt Konstanz bezuschusst – mit rund 35 Millionen Euro im Jahr. Den restlichen Anteil teilen sich die Träger und die Eltern. Eine für Eltern kostenfreie Kita-Betreuung würde also auch die Stadt einiges kosten – "und kann nicht auf dem Rücken der Kommunen ausgetragen werden", so OB Uli Burchardt. "Kostenfreie Kita gerne, aber das muss der Bund fördern, nicht einzelne Kommunen für sich entscheiden."

4. Die Tagespflege und Betriebskitas sind wichtige Säulen.

Das Thema Betriebskita werde zunehmend zum Wettbewerbsfaktor, bemerkt OB Uli Burchardt. Das Jugendamt sei deshalb mit mehreren Unternehmen im Gespräch. Auch die Tagespflege soll weiter unterstützt werden. Die Vergabe läuft ab Dezember über das zentrale Verfahren. Eltern können also künftig gleich mit angeben, ob sie sich auch vorstellen könnten, ihr Kind bei Tageseltern betreuen zu lassen. Bislang konnte man nur die Wunsch-Kitas angeben. Zudem wolle die Stadt die Tageseltern ermutigen, mehr Kinder zu betreuen. "Unsere Erfahrung zeigt, dass Eltern ihr Kind lieber mit anderen Kindern betreuen lassen wollen", so Kaufmann.

5. Der Bedarf endet nicht mit dem Grundschulalter.

Mit dem ersten Schultag kommt bei vielen Eltern auch die Frage: Wer betreut das Kind am Nachmittag? "Auch da haben wir einen steigenden Bedarf, dem wir nachlaufen", sagt Sozialbürgermeister Andreas Osner. In Konstanz habe man das Glück, dass es in der Kernzeitbetreuung viele engagierte Ehrenamtliche gebe und in der verlässlichen Ferienbetreuung mit 638 Plätzen noch kein Kind abgewiesen werden musste. Bezüglich der Raumproblematik sei man im Gespräch mit den Schulen, ob für die Nachmittagsbetreuung auch Klassenzimmer zur Verfügung stehen.