Auf den 61 Spielplätzen in Konstanz und den Vororten können Kinder buddeln, spielen, toben. Zum Ärgernis vieler Eltern dürfen Erwachsene dort aber auch rauchen. Offiziell ist das, anders als in vielen anderen Kommunen, nicht verboten.

Um die Kinder zu schützen, könnte sich das jetzt aber bald ändern, wenn es nach den Freien Wählern Konstanz geht. Sie fordern ein absolutes Rauchverbot auf Konstanzer Spielplätzen – und bekommen viel Zuspruch. Es gibt aber auch Kritiker.

Freie Wähler-Stadträtin Susanne Heiß, selbst Mutter von zwei Kindern, argumentiert so:

"Vielleicht wirkt ein Verbot bereits abschreckend auf rauchende Eltern und andere können sich darauf beziehen."
"Vielleicht wirkt ein Verbot bereits abschreckend auf rauchende Eltern und andere können sich darauf beziehen."

Ohne rechtliche Grundlage ignorierten Raucher laut Heiß sehr gerne die Bitten, das Rauchen in Anwesenheit von Kindern zu unterlassen. "Für Kleinkinder, die die Kippen im Sand finden und in den Mund nehmen, ist das eine überflüssige gesundheitliche Bedrohung."

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Doch wie gefährlich sind Zigarettenkippen wirklich?

"Gesund ist es sicher nicht, wenn ein Kind auf einer Kippe herumkaut oder sie verschluckt", antwortet der Facharzt Uwe Stedtler. "Aber es gibt in der Regel keine dramatischen Folgen." Stedtler ist stellvertretender Leiter der Vergiftungsinformationszentrale Freiburg und hatte schon mehrfach besorgte Eltern am Telefon, deren Kinder Zigarettenreste im Mund hatten. "In den meisten Fällen passiert gar nichts", kann Stedtler diese in der Regel beruhigen.

Hat das Kind allerdings – je nach Alter – mehr als eine halbe oder ganze Zigarette verschluckt oder mehr als leichte Bauchschmerzen, empfiehlt Stedtler die Überwachung in einer Kinderklinik.

Deutlich gefährlicher seien etwa flüssige Zigarettenextrakte – also beispielsweise die Getränkeflasche, die zum Aschenbecher umfunktioniert wurde. Befürchtungen hatte Stedtler deshalb auch mit Blick auf die neuen Flüssigkeiten für E-Zigaretten, die im Gegensatz zu normalen Zigaretten auch noch süßlich riechen.

Zumindest bislang kann Stedtler aber auch zu den sogenannten E-Liquids festhalten: "Nicht ganz so gefährlich, wie anfangs befürchtet."

Das Thema soll am Donnerstag im Gemeinderat entschieden werden

Kommt das Verbot, werden auf den 61 Spielplätzen Verbotsschilder aufgestellt. Die Kosten dafür betragen laut Stadtverwaltung rund 3000 Euro. Im vorangegangenen Fachausschuss stimmte nur Stephan Kühnle, Stadtrat der Freien Grünen Liste und selbst Vater von zwei Kindern, gegen das Verbot:

"Ich bin Nichtraucher und habe mich auch schon daran gestört, wenn rauchende Menschen keine Rücksicht nehmen. Aber wer soll die Einhaltung des Verbots denn kontrollieren? Wie viel kostet uns die Umsetzung dieser Kontrolle? Und wäre es nicht besser, das Geld in die Instandhaltung der Spielplätze zu investieren?"
"Ich bin Nichtraucher und habe mich auch schon daran gestört, wenn rauchende Menschen keine Rücksicht nehmen. Aber wer soll die Einhaltung des Verbots denn kontrollieren? Wie viel kostet uns die Umsetzung dieser Kontrolle? Und wäre es nicht besser, das Geld in die Instandhaltung der Spielplätze zu investieren?" | Bild: Pfanner, Sandra

Ein solches Verbot sei eine "Überregulierung von Dingen, die sich nicht regulieren lassen" und lasse sich nicht mit den Grundsätzen einer liberalen Gesellschaft vereinbaren, so Kühnle. "Man kann auch ohne Verbot auf Rücksicht aufmerksam machen, indem man miteinander ins Gespräch kommt."

Andere Kommunen haben bereits ein Verbot

In einigen Bundesländern wie Bayern, Brandenburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und im Saarland gilt bereits ein Rauchverbot auf sämtlichen Spielplätzen. Es haben aber auch Städte und Gemeinden in Bundesländern, in denen es kein striktes Verbot gibt, die Möglichkeit das Qualmen in Gegenwart von Kindern zu untersagen. Der Städtetag unterstützt ein solches Rauchverbot, Heidelberg und Karlsruhe setzen es bereits um.