Konstanz Die Reichenauerin Christin Wintersig läuft und gewinnt und läuft und gewinnt

Für Christin Wintersig ist der Laufsport eine Leidenschaft. Obwohl die 19-Jährige von der Reichenau bei Wettbewerben regelmäßig andere Läufer hinter sich lässt, strebt sie trotz dieser Erfolge kein Profidasein an. Wir haben die Sportlerin besucht und dabei eine junge Frau ohne Ambitionen kennengelernt, die einfach nur Freude an der Bewegung hat.

Es ist dunkel und kalt. Der Rasen ist feucht, im Hintergrund glitzern die Lichter Allensbachs auf dem Gnadensee. Die Aschenbahn, die den Rasen umrandet wirkt fast schwarz. Schaut man länger in die Dunkelheit erkennt man eine sechsköpfige Gruppe in bunter Laufkleidung, die sich an der Westseite des Sportplatzes am Reichenauer Baurenhorn aufwärmt. Erst nach dem Aufwärmen, als die Fußballer auftauchen, wird die Flutlichtanlage eingeschaltet.

Nach der Schwärze leuchtet das pinke Jersey von Christin Wintersig nun besonders grell. Bei den 800-Meter-Tempoläufen führt sie die Gruppe an. Die 19-Jährige geht bei jedem Wetter raus zum Laufen. „Es ist vielleicht erst einmal eine Überwindung. Aber wenn ich dann draußen bin, laufe ich bei Kälte eigentlich lieber als wenn es heiß ist.“ Außerdem könne man es nach dem Laufen drinnen noch viel mehr genießen.

 

 

Christin Wintersig ist eine zierliche junge Frau mit einem kindlichen Gesicht. Besonders wenn sie beim Lachen ihre Augen zusammenkneift und sich Grübchen auf ihren Wangen zeigen. Wenn sie spricht spürt man aber deutlich die selbstbewusste Frau, die weiß, was sie will und Prioritäten setzt. Von einer zierlichen Statur sollte man sich eben nie und schon gar nicht im Laufsport täuschen lassen.

Christin Wintersig läuft nicht nur ihrer Altersklasse davon, sondern auch bei gestanden Läufern und Läuferinnen vorne mit. Ihre Bilanz der letzten drei Jahre - denn erst so lang widmet sie sich dem Laufsport auf Vereinsbasis - liest sich beeindruckend. 2016 war Christin Wintersig, als damals 16-Jährige, auf dem zweiten Platz des gesamten Teilnehmerfelds beim Konstanzer Frauenlauf. Den Konstanzer Altstadtlauf 2017 gewann sie bei der U20, war mit ihrer Zeit aber auch bei den führenden männlichen Läufern im Hauptfeld dabei. Beim Halbmarathon in Bräunlingen wurde Wintersig Zweite im gesamten Feld und es ließe sich noch vieles mehr aufzählen. Christin Wintersig läuft und gewinnt und läuft und gewinnt.

Christin Wintersig hat erst vor drei Jahren den Laufsport für sich entdeckt - und lässt seitdem zahlreiche andere Läufer einfach hinter sich. | Bild: Marc-Julien Heinsch

Hat sie selbst eine Erklärung für ihre sensationellen Ergebnisse? „Das ging alles sehr schnell“, sagt sie und lacht, „ich bin mit sehr wenig Training und ohne vorher auf der großen Leichtathletikbühne in Erscheinung getreten zu sein, ziemlich schnell gelaufen. Warum, weiß ich selbst nicht so genau. Wahrscheinlich, weil ich mit meiner Familie immer schon viel Sport gemacht habe. Wir waren wandern, Fahrradfahren und sonst etwas. Da ist die Kondition vielleicht einfach da.“

Christins Eltern, Markus und Darja Wintersig, haben sie und ihre Schwester Michaela - von der der Vater sagt, dass sie wahrscheinlich die beste Läuferin beim SV Reichenau wäre, würde Christin keinen Laufsport machen - bereits mit sechs Jahren mit zu Laufwettkämpfen genommen. „Da sind wir mit an der Startlinie gestanden und dann einfach mitgelaufen ohne groß nachzudenken“, erzählt Christin Wintersig von ihren Anfängen.

Laufsportlerin Christin Wintersig kurz vor Beginn ihres Trainings. Etwa vier Mal die Woche läuft die Reichenauerin. | Bild: Marc-Julien Heinsch

Da liegt es nahe zu sagen: Den Wintersigs liegt das Laufen eben im Blut. Christins Vater Markus sagt von sich, dass er jogge seit er denken könne. Aktuell ist er Übungsleiter der an guten Tagen 35-köpfigen Laufgruppe des SV Reichenau und damit auch der Trainer seiner Töchter. „Ich wollte den beiden meine Begeisterung für das Laufen weitergeben. Daher sehe ich mich auch jetzt eher als Begleiter, der Spaß hat mit ihnen gemeinsam zu trainieren. Ich will mich hier nicht in den Erfolgen von Christin sonnen und sage ganz ehrlich: Wenn sie ehrgeizigere Ziele anpeilen will, muss sie sich einen besseren Trainer suchen.“ Läuft alles sehr unaufgeregt bei den Wintersigs also. Daran ändert auch der aufsehenerregende Erfolg der Tochter nichts. Sorgen bereitet dem Vater höchstens die „schlechte Aschenbahn“ am Baurenhorn.

Drei bis vier Mal in der Woche ist Christin Wintersig gerade draußen und läuft. Manchmal läuft sie zwei Wettkämpfe in einer Woche. Einfach weil es ihr Spaß macht und weil sie es kann. Bei einer wie ihr muss die Frage erlaubt sein, ob der Sport nicht mehr sein sollte als nur ein Hobby. Das verneint sie klar: „Ich will den Sport immer nur nebenbei machen. Es gibt viel zu viele Sachen, die ich auch sehr gerne mache, als dass nur auf den Sport konzentrieren könnte. Da würde anderes zurückbleiben.“

Christins Vater Markus Wintersig ist selbst begeisterter Sportler. Die Familie geht gemeinsam gerne auf Wander- und Radtouren. | Bild: Marc-Julien Heinsch

Kein Profidasein also. Das hält auch ihr Vater für die richtige Entscheidung: „Ich hoffe, dass Christin weitermacht und erfolgreich ist, klar. Aber Profisportlerin nicht. Christin hat Spaß am Sport und nicht am Erfolg.“ Vielleicht ist genau das Christin Wintersigs Erfolgsgeheimnis. Bescheidenheit gepaart mit der Lust am Laufen. Außerdem genießt die Reichenauerin die Freiheit viel zu sehr.

Im Frühsommer 2016 hat sie ihr Abitur gemacht. Studienstart, Auslandsreise oder soziales Jahr? Nein, Christin Wintersig kellnert, arbeitet ein wenig im Fotogeschäft ihres Vaters, trifft Freunde und macht viel Sport. Nach einem Schulalltag bei dem sie um sieben Uhr das Haus verließ und um 19 Uhr wieder dort ankam, will sie es nicht anders. Ein Studium soll es nach zwei Jahren Schaffenspause dann aber doch werden. Welches Fach? Sportwissenschaft natürlich.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Adventskalender - weil Vorfreude die schönste Freude ist
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren