Die Planungen für den Bau eines neuen Berufsschulzentrums am Standort Konstanz treten in ein konkretes Stadium. Die Kreisverwaltung präsentiert in der Sitzung des Kultur- und Schulausschusses am Montag, 9. April (Landratsamt, Beginn 16.30 Uhr) das Raumprogramm für das Projekt. Das von der Schulbehörde im Regierungspräsidium Freiburg erarbeitete Konzept sei bereits mit den Leitungen der beteiligten kaufmännischen Wessenbergschule und der Zeppelin-Gewerbeschule abgestimmt, so heißt es in der Sitzungsvorlage. Die beiden beruflichen Schulen sollen am Standort der Zeppelin-Gewerbeschule zusammengelegt werden. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude der Wessenbergschule will der Landkreis, der Träger der beruflichen Schulen ist, verkaufen. Am neuen gemeinsamen Standort in Konstanz-Petershausen müssen noch Flächen der benachbarten Firma Ravensberg zugekauft werden.

Das Raumprogramm berücksichtigt eine Forderung der Lehranstalten. So werden in einer Variante getrennte Räume für die beiden Schulleitungen und die Sekretariate dargestellt. Das Lehrerzimmer wiederum soll eine gemeinsame Einrichtung sein. Darüber hinaus wird auf Basis von Unterrichtsangeboten und Schülerzahlen der Bedarf an Unterrichtsräumen, Fachräumen und Werkstätten dargestellt. Als minimalen Platzbedarf gibt das Regierungspräsidium für das neue Schulzentrum 9833 Quadratmeter an, bei einer maximalen Auslegung sind es 12 556 Quadratmeter. Auch den Sportflächenbedarf hat das Regierungspräsidium ermitteln lassen. Im Raumprogramm ist eine Zweifeld-Sporthalle vorgesehen.

Die Details müssen nach Einschätzung von Wolfgang Müller-Fehrenbach nun in Ruhe diskutiert werden. "Wir wollen die Spielräume des Raumprogramms nutzen", kündigte der schulpolitische Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion an. Der Schulträger dürfe in den Grundstücksverhandlungen nicht auf den kleinsten Nenner gehen. Der Hinweis des CDU-Sprechers zielt auf den Erwerb des noch benötigten Grundstücks. Bei einer früheren groben Einschätzung war der Landkreis davon ausgegangen, dass rund 7000 Quadratmeter Fläche zugekauft werden müssten. Eine inzwischen auf Basis des Raumprogramms in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie soll exakte Daten liefern. Diese Machbarkeitsstudie untersucht nicht nur, wie das Raumprogramm praktisch umgesetzt werden kann, sie soll auch zeigen, ob Teile des derzeitigen Gebäudebestands der Zeppelin-Gewerbeschule weiter genutzt werden können.

Nach Einschätzung von Harald Nops könnten sich die Dinge in den nächsten Monaten zügig weiterentwickeln. Der Verwaltungsdezernent im Landratsamt rechnet damit, dass die Machbarkeitsstudie noch bis Ende Mai vorgelegt wird. Und: "Vor den Sommerferien soll nach Möglichkeit die Entscheidung zum Grunderwerb fallen", sagt Nops. Mit der Firma Ravensberg war zuletzt Anfang März verhandelt worden. Dabei einigten sich die Beteiligten darauf, zunächst das Ergebnis der Machbarkeitsstudie abzuwarten. Gegenstand der Gespräche ist auch die Frage, wie im Falle eines Geländekaufs durch den Landkreis eine Regelung bezüglich zu erwartender Altlasten auf dem Areal aussehen kann.

Mit Unterrichtsräumen, Fachräumen und Werkstätten allein ist es bei dem Großprojekt übrigens nicht getan. Das Landratsamt hat zusätzlich den Flächenbedarf für weitere Einrichtungen ermitteln lassen, die an das Berufsschulzentrum angeschlossen werden könnten. Die Rede ist vom Kreismedienzentrum und vom Kreisarchiv.

Die ersten Millionen sind eingeplant

  • Das Raumprogramm ist eine wichtige Grundlage zur Finanzierung des Schulbauprojekts. Denn auf der Basis der Bedarfsermittlung sichert das Land Baden-Württemberg die Übernahme von einem Drittel der Baukosten zu. Wie hoch die Kosten anzusetzen sind, steht derzeit noch in den Sternen. Die Etatplanungen des Landkreises, der Träger der beruflichen Schulen und damit auch des Bauvorhabens ist, bieten allerdings schon Anhaltspunkte. So sind im Haushalt 2018 bereits 3,5 Millionen Euro für den Grunderwerb am Standort der Konstanzer Zeppelin-Gewerbeschule eingestellt. Dazu sind für die Jahre 2019 bis 2021 rund 18 Millionen Euro für die Projekt-Realisierung vorgesehen.
  • Die Verkaufspläne: Ebenfalls wichtig im Finanzierungspuzzle ist der Verkauf der Wessenbergschule. Die kaufmännische Berufsschule, in exponierter Lage am Seerhein in Konstanz gelegen, soll mit Fertigstellung des neuen Berufsschulzentrums verkauft werden. Als Interessent ist die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung im Gespräch. Die Situation der Wessenbergschule war ein wichtiger Auslöser für das Neubauprojekt. Denn mittelfristig hätte der Landkreis das unter Denkmalschutz stehende Gebäude (Bauhaus) aufwendig sanieren müssen. Letztlich entschied sich der Schulträger für die Zusammenlegung von Wessenberg-Schule und Zeppelin-Gewerbeschule in einem Berufsschulzentrum.