Die Sperrung von Marienschlucht und Teilen des Uferwegs zwischen Wallhausen und Bodman ist als kurzfristige und kurzzeitige Maßnahme nach dem Unglück vom Mai 2015 nachvollziehbar. Sie schaffte auch Zeit, darüber nachzudenken, wie zukünftig mit den Wanderwegen umgegangen werden soll.

Aber nach über drei Jahren scheinbarer Untätigkeit ist es verständlich, dass die Geduld in der Bevölkerung überstrapaziert und die anhaltende Sperrung des Uferwegs nicht vermittelbar ist. Die Gefahren durch Hangrutschungen mögen gegeben sein. Aber wer würde in den Alpen auf die Idee kommen, Wege zu sperren, weil ein Bächlein sich bei einem Wolkenbruch binnen kurzem in einen reißenden, Holz und Geröll führenden Strom verwandelt?

Wer würde Baden und Tauchen im See verbieten, weil es dabei sehr oft zu Todesfällen kommt? Warntexte, gerne mehrsprachig und mit eindeutigen Piktogrammen versehen, statt Sperrungen müssen reichen. Einem mündigen Bürger ist zuzugestehen, dass er daraus die richtigen Schlüsse zieht und das Betreten auch selbst verantwortet. Sofern die Gefahr nicht zu groß ist. Das setzt allerdings voraus, dass Kommunen im Ernstfall nicht zur Rechenschaft gezogen werden können. In einem System mit Regelungs- und Verbotsflut scheint das unmöglich zu sein.