Wenn Alfonso Patermo über seine Vergangenheit spricht, verwundert es nicht, dass er heute dort steht, wo er steht. „Im Alter von zehn Jahren können Jungs für gewöhnlich sagen, welches Auto da auf der Straße fährt – also ob Audi, Porsche oder Lamborghini. Ich war anders“, sagt der in Deutschland geborene Sohn sizilianischer Einwanderer.

„Ich konnte sagen, welche Modedesigner da im Schaufenster hängt – ob Armani, Chanel oder Versace.“ Der heute 36-jährige Wahl-Kreuzlinger hat nun eine eigene Modelinie gegründet, die seinen sizilianischen Familiennamen trägt: Patermo. Mit ihr setzt er voll auf das Thema Nachhaltigkeit – inzwischen auch eine Art Mode.

Kommunikationsdesign in Konstanz

„Wenn ich also zurückblicke, habe ich über Jahrzehnte auf diesen Moment hingearbeitet“, sagt Patermo. Er sitzt an seinem Wohnzimmertisch aus Holz, der gleichzeitig sein Arbeitsplatz ist. Einrichtung und Dekoration sind in einem schlichten Stil gehalten. „Ich brauche nur einen Bleistift und einen Block“, erklärt Patermo, „alles andere lenkt mich ab.“ Minimalismus, der sich auch in seiner Mode wiederfindet, die Patermo als „sportlich elegant“ und zugleich „modern lässig“ beschreibt.

An einem Holztisch im Wohnzimmer, der gleichzeitig sein Arbeitsplatz ist, entwirft Alfonso Patermo seine Mode.
An einem Holztisch im Wohnzimmer, der gleichzeitig sein Arbeitsplatz ist, entwirft Alfonso Patermo seine Mode. | Bild: Reinhardt, Lukas

Gelernt hat er das Handwerk des Modedesigners zwischen 1999 und 2003 an einer Privatschule. Rund ein Jahrzehnt später folgte ein Bachelorstudium in Mannheim, 2015 schloss er den Master in Kommunikationsdesign an der HTWG in Konstanz ab. „Danach wollte ich vor allem Erfahrung sammeln“, sagt Patermo. Die fand bei verschiedenen schweizerischen Modeunternehmen. Bis im Herbst 2018 die Idee einer eigenen Modelinie aufkam, die im Mai 2019 schließlich Realität wurde.

Nachhaltigkeit – mehr als eine Worthülse?

„Das ist die Welt, von der ich als kleines Kind geträumt habe“, sagt Patermo heute. Um sich abzuheben von anderen Modemachern, setzt er mit seiner neunteiligen Kollektion auf das Thema Nachhaltigkeit. Ein Baustein: das Design. „Mir war klar, dass mein Stil zeitlos sein muss“, sagt Patermo, „denn nur dann trägt man meine Stücke lange und gerne.“ Verbunden mit einer hohen Qualität, soll seine Mode eine höhere Lebensdauer haben als die der großen Ketten.

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„Die Stoffe bestehen ausschließlich aus biologisch angebauten Naturfasern“, erklärt Patermo weiter. Ein Siegel mit dem Namen GOTS, Global Organic Textile Standard, soll das bezeugen. Dass derartige Siegel inzwischen auch kritisch gesehen werden und dadurch der Begriff der Nachhaltigkeit zunehmend verwässert, ist Patermo bewusst. „Letztlich kann kein Siegel eine hundertprozentige Sicherheit geben“, sagt er. Einen großen Beitrag an dieser Skepsis haben seiner Meinung nach die großen Billigketten geleistet. „Die sind für eine solch nachhaltige Produktion nicht gemacht“, sagt Patermo. Doch auch sie führen teilweise diese Prädikate.

Die erste Kollektion entsteht in Markdorf

Seine Philosophie aber sei es, so lokal wie möglich zu produzieren. Die erste Kollektion entsteht deshalb in einer Schneiderei in Markdorf. „Wenn die Order und damit die Stückzahl steigt, werde ich die Herstellung natürlich woanders hin verlegen müssen – nach Polen oder Portugal„, sagt Patermo. Über die Grenzen Europas hinaus soll es allerdings nicht gehen, das stehe für ihn fest. Alles soll auf dem Landweg transportierbar sein, auch um den CO2- Fußabdruck so klein wie möglich zu halten.

Alfonso Patermo, Modeschöpfer aus Kreuzlingen, studierte Kommunikationsdesign an der HTWG in Konstanz. Gemeinsam mit Schnittdirektrice Anna Ganje nimmt er die fertig geschneiderten Entwürfe in Augenschein.
Alfonso Patermo, Modeschöpfer aus Kreuzlingen, studierte Kommunikationsdesign an der HTWG in Konstanz. Gemeinsam mit Schnittdirektrice Anna Ganje nimmt er die fertig geschneiderten Entwürfe in Augenschein. | Bild: Nelli Schmidt

Dafür nimmt er in Kauf, dass das Wachstum seines Unternehmens Grenzen hat: „Ich will nicht so groß werden, dass ich einen Kompromiss eingehen muss, der nicht zu meiner Philosophie passt“, sagt Patermo. Sein Traum sei deshalb, die ganze Produktion seine Modelinie – von der Baumwolle bis zum fertigen Modestück – aus einer Hand und unter seinem Namen zu bewerkstelligen.

Als Jungdesigner auf einer Modemesse in Paris vertreten

Noch ist es bis dahin ein weiter Weg, sagt Patermo. Ob das Ziel ein Traum bleibt, weiß er nicht. Doch inzwischen sind auch Schweizer Modemagazine auf den Jungdesigner aufmerksam geworden. Und nicht nur die. Auf einer Messe, die Anfang September in Paris stattfand, durfte Patermo seine Modelinie präsentieren. „Mein Plan sieht vor, meine Mode in 300 Boutiquen zu verkaufen“, sagt Patermo. Und die sollen im besten Fall natürlich seine Philosophie vertreten.