Schauen wir doch mal schnell nach, wie sich Kultur definiert: Der Duden beispielsweise hat verschiedene Ansätze. Als da wären: Die Gesamtheit der geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höherentwicklung. Oder: Verfeinerung, Kultiviertheit einer menschlichen Betätigung, Äußerung, Hervorbringung. Oder: Kultiviertheit einer Person. So weit, so gut.

Eigene Interpretation des Begriffes Kultur

In Konstanz haben manche Protagonisten der Kultur entweder einen anderen Duden oder sie suchen sich abweichende Definitionen. Ich rede hier nicht von der Kultur an sich – die ist mit Stadttheater, Museumslandschaft oder Philharmonie geistig, gestalterisch und künstlerisch hoch entwickelt. Vielmehr sind es einzelne Personen, die den Begriff der Kultur offenbar ganz eigen interpretieren.

Zum Beispiel im Kulturausschuss der Stadt. Die Diskussionskultur in diesem Gremium ist fragwürdig. Am Dienstag wurde über zeitgenössische Kunst debattiert. Diese Debatte war geprägt von persönlichen Eitelkeiten, Abwinken Richtung Kollegen oder lautem vor sich hin murren, während eine andere Person einen Beitrag leistet.

Hohn und Spott für Vorschläge im Kulturausschuss

Als beispielsweise Johannes Kumm vorschlug, Bücher aus dem unterkellerten Bereich der Bücherei in den Bildungsturm zu verfrachten und dafür die kühlen Räume des Kellers für zeitgenössische Kunst zu nutzen, erntete er Hohn und Spott. Mag der Vorschlag auch schwer vermittelbar sein – verhöhnende Reaktionen sind schlechter Stil in einem Gremium, das von Ideen, Diskussionen und Demut vor Steuergeldern geleitet werden sollte.

Als Peter Müller-Neff eine öffentliche Diskussion zum selben Thema vorschlug, blies ihm plötzlich eisiger, linker Wind ins Gesicht. Die Ebene der Sachlichkeit wird hier regelmäßig verlassen. Das hat nichts mit politischer Diskussionskultur zu tun. Das ist eine Frage des Stils und gegenseitigen Respekts.

Wer der Meinung ist, er muss einen Beitrag quittieren mit Buh-Rufen oder Aufforderungen, doch bitte still zu sein, der sollte zuerst sich selbst die Frage stellen: Macht es nach wie vor Sinn, dass ich hier in diesem Gremium sitze, in dem Diskussionen zu einem der Öffentlichkeit dienenden Ergebnis führen sollen?

Der Fall Beat Fehlmann

Und dann war da noch der Fall Beat Fehlmann. Für den scheidenden Intendanten, der die Südwestdeutsche Philharmonie in seiner fünfjährigen Amtszeit gewaltig nach vorne gebracht hat, war seine letzte Sitzung im Orchesterausschuss der Höhepunkt einer negativen Entwicklung.

Wer Fehlmann und seine ruhige, gelassene Art auch nur ein wenig kennt, der muss überrascht sein ob seiner Reaktion auf die Zweifel von Elisabeth Uhl, Leiterin des Rechnungsprüfungsamtes, an der Rechtmäßigkeit der Verbuchung einer Versicherungssumme in der Bilanz 2016.

Es brodelte offenbar in ihm und er sah sich und seine jahrelange Arbeit diskreditiert. Fehlmann fühlt sich von den Gemeinderäten und der Verwaltungsspitze im Stich gelassen. Er möchte nun angesichts der Ereignisse nicht verabschiedet werden.

Der nächste Abschied mit Nebengeräuschen

Vielleicht ist auch das eine Überreaktion, die der Emotionalität des Moments geschuldet ist. Das wiederum ist dem besonnenen Schweizer kaum zuzutrauen. Auch rund um Theaterintendant Christoph Nix gab es kulturfreie Diskussionen. Doch Nix ist per se eine streitbare, polarisierende Person, die gerne aneckt. Beat Fehlmann nicht, er steht für Harmonie und Ausgeglichenheit.

Dass sein nahender Abschied ebenfalls mit negativen Nebengeräuschen abläuft, spricht nicht für die, frei nach Duden, verfeinerte, kultivierte menschliche Betätigung in der Stadt Konstanz. Wer für Kultur verantwortlich ist, sollte sich bewusst sein, für was Kultur steht.

andreas.schuler@suedkurier.de