Konstanz Die Konstanzer Gebhardschule kann nicht alle Kinder aufnehmen. Braucht die Stadt eine zweite Gemeinschaftsschule – und wenn ja, wie dringend?

Die Anmeldezahlen setzen die Stadt unter Zugzwang: Erstmals musste die erfolgreiche Gemeinschaftsschule Interessenten abweisen. Eine Elternvertreterin fordert die Verwaltung zum Handeln auf, Bürgermeister Osner nimmt den Ball auf. Aber einfach ist das alles nicht.

Es ist das erste Mal, aber aller Voraussicht nach nicht das letzte: Die erfolgreiche Gemeinschaftsschule (GMS) Gebhard muss in diesem Frühjahr Kinder ablehnen, die von der Grundschule gerne dorthin wechseln würden. Weil 184 Anmeldungen vorliegen, aber in den sechs Eingangsklassen nur Platz für 168 Kinder ist. Und weil diese sechs Eingangsklassen schon viel mehr sind, als ursprünglich geplant war: Eigentlich sollte die GMS sogar nur dreizügig sein, das wären also drei Klassen mit jeweils 28 Kindern. Doch statt dieser 84 Plätze waren mehr als so viele nachgefragt. Ein Dilemma, das in der Debatte im jüngst Schulausschuss nur eine untergeordnete Rolle spielte.

Alle Beteiligten sagen: Noch weiter wachsen kann die Gebhardschule nicht

Für Petra Rietzler, die sich im Gesamtelternbeirat engagiert und auch Elternbeiratsvorsitzende an der GMS ist, ist nicht erst seit Veröffentlichung der jüngsten Zahlen klar: Konstanz braucht eine zweite Gemeinschaftsschule. "Ich bin mir ganz sicher, dass die Nachfrage groß bleibt", sagt sie, und deshalb bräuchten die Eltern auch eine schnelle Antwort, zumal es ja den Rechtsanspruch auf einen Platz an dem Schultyp gibt. Ein weiteres Wachstum der Gebhardschule kann sie sich ebenso wie Schulleiterin Elke Großkreutz nicht vorstellen: "Was wir inzwischen aufnehmen, ist jetzt schon die äußerste Grenze", so Rietzler.

Schon durch die Oberstufe wird die bestehende Gemeinschaftsschule nochmals größer

Elke Großkreutz sagt, hier sei die Stadt als Schulträger gefragt – denn im Kern geht es nicht nur um den Erfolg der von ihr geleiteten Schule, sondern um den Willen der Familien. Die Gebhardschule, bestätigt sie auch Osners Einschätzung, kann nicht weiter wachsen. Seit sechs Jahren nimmt sie bereits sechs Züge und damit mehr Kinder als jemals geplant auf. Nun kommt noch die gymnasiale Oberstufe dazu, für die die Gebhardschule einen weiteren Standort an der Pestalozzistraße erhält.

Bürgermeister Andreas Osner denkt eher langfristig, bleibt aber für andere Ideen offen

Schulbürgermeister Andreas Osner sieht den Bedarf ebenfalls, wie er am SÜDKURIER sagt. "Wir müssen zusehen, dass wir langfristig eine zweite Gemeinschaftsschule hinbekommen", erklärt er und blickt auf den neuen Stadtteil am Hafner, wo die Planung eine neue Schule vorsieht: "Da müssen wir bei der Schulart offen bleiben." Grundsätzlich denkbar und vielleicht schneller in der Umsetzung wäre es ihm zufolge aber auch, dass sich eine der bestehenden Schulen auf den Weg in die neue Form macht.

Auch die Chance auf ein Abi in neun Jahren ist für viele ein Argument pro Gemeinschaftsschule

Warum die Gemeinschaftsschule in Konstanz so viel Erfolg hat, hat für Eltersprecherin Rietzler mehrere Gründe. Zum einen habe sie sich früh und mit echtem Willen auf den Weg in die neue Schulform gemacht. Aber auch die Möglichkeit, in neun Jahren zum Abitur zu kommen – "und das ist doch das, was alle wollen" – spiele eine zentrale Rolle. Die Nachfrage bleibe hoch, so Rietzler, auch durch Schüler, die vom Gymnasium zurückkommen und auf der Gemeinschaftsschule kaum mehr aufgenommen werden könnten.

Bis irgendwann der Hafner bebaut ist, will die Elternvertreterin lieber nicht warten

Liegt die Lösung also am Hafner? "Das dauert vermutlich zu lange", fürchtet Rietzler, denn bis dort die ersten Familien leben, könnte es noch ein Jahrzehnt dauern. Bis dahin, sagt die langjährige Elternvertreterin, könne die Stadt Konstanz dem Druck wohl kaum standhalten, denn mit der auch schon umstrittenen Abweisung von Kindern aus Allensbach und Reichenau – wie dieses Jahr praktiziert – sei es in Zukunft voraussichtlich nicht getan. Für sie jedenfalls ist klar: "Die Stadt muss das Angebot schnell erweitern, und das geht mit einer ganz neuen Schule im Zweifelsfall einfacher als mit der Veränderung an einer bestehenden."

Das Interesse am gemeinsamen Lernen ist groß – die Herausforderungen sind es auch

  • Die aktuellen Zahlen: Die Gemeinschaftsschule Gebhard verzeichnet nach vorläufigen Zahlen des Regierungspräsidiums 184 Anmeldungen für die fünfte Klasse. Das ist mehr, als die beiden Realschulen und die einzige verbleibende Werkrealschule zusammen aufweisen (128 Anmeldungen). Da ihr Klassenteiler bei 28 liegt und nur für sechs Eingangsklassen Platz ist, kann die Gemeinschaftsschule höchstens 168 Kinder aufnehmen.
  • Die bisherigen Anläufe: Die Stadt hatte an die Geschwister-Scholl-Schule schon vor Jahren den Wunsch herangetragen, sich zur Gemeinschaftsschule weiterzuentwickeln, nachdem dort ja bereits alle drei klassischen Schulformen unter einem Dach angeboten wurden. Die Lehrerschaft lehnte dies klar ab. Auch der Umbau der Theodor-Heuss-Realschule zur Gemeinschaftsschule klappte nicht – nach anfänglichem Zögern überzeugte ein Ja aus der Schule die Politik nicht.
  • Die künftigen Optionen: Eine zweite Gemeinschaftsschule könne auch weiterhin durch Entwicklung einer bestehenden Schule (zum Beispiel im Zuge ohnehin bereits geplanter An- und Ausbauvorhaben) oder durch eine Neugründung entstehen. Zu beachten ist auf jeden Fall, dass Zahl der Fünftklässler in Konstanz nach einem Gutachten von Biregio aus Bonn bereits bis zum Jahr 2021 weiter steigt.

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