Konstanz Die Iran-Krise erreicht Konstanz: Ein privates Bündnis ruft auf zur Kundgebung gegen die Politik von US-Präsident Trump und für eine europäische Antwort darauf

Das gab es seit den Anti-Golfkrieg-Protesten 1991 nicht: Konstanzer Bürger gehen die Politik der USA auf die Straße. Hendrik Auhagen, Erwin Reide und ihre Mitstreiter wollen in Sachen Iran-Atomabkommen auch ein Zeichen für Europa setzen.

Das Erschrecken bei Hendrik Auhagen und Erwin Riede ist groß. Beide sind sie seit vielen Jahren politisch engagiert, beide haben sie mitgeholfen, Generationen von Schülern zu mündigen Staatsbürgern zu erziehen. Und beide waren sie entsetzt, als US-Präsident Donald Trump einseitig das Atom-Abkommen mit dem Iran kündigte. Doch was dann passierte, macht die beiden fassungslos: Die "Dreistigkeit", wie Auhagen es nennt, mit der die US-Regierung die einstigen Partner zwingen wolle, ebenfalls aus dem Vertrag auszusteigen.

Die Demo-Organisatoren sprechen von einer versuchten Erpressung

"Wir sollen zum Mit-Bruch gezwungen werden", sagt Auhagen, der in den 80er-Jahren selbst Bundestagsabgeordneter war. Und Riede, der ehrenamtlich im Dingelsdorfer Ortschaftsrat mitarbeitet, spricht von einer "neuen Eskalation", wenn die US-Regierung jetzt mit Sanktionen gegen europäische Unternehmen droht, wenn sie der neuen Linie nicht folgen.

Noch lebt die Hoffnung, das Europa geschlossen antwortet

Doch bei der Empörung soll es bei den beiden früheren Lehrern und ihrem "Konstanzer Bündnis für den Erhalt des Atomabkommens mit dem Iran" nicht bleiben. Sie rufen zur Kundgebung am Donnerstag, 17. Mai, um 18 Uhr auf der Marktstätte auf. Noch ist es eine private Initiative, betonen Auhagen und Riede, aber sie hoffen, dass sich Parteien und andere Gruppen dem Aufruf anschließen und eine breite gesellschaftliche Bewegung entsteht. Denn ihnen geht es nicht nur um Kritik am US-Präsidenten, sondern auch um eine Rückenstärkung für Europa. "Es ist eine katastrophale Situation", sagt Auhagen, "aber darin liegt auch eine Chance". Weil die EU-Länder zusammenrücken könnten.

Die Demo am Donnerstag ist bereits angemeldet

Bei der Stadtverwaltung angemeldet haben sie die Kundgebung schon, nun hoffen sie auf rege Beteiligung. Denn die Lage ist ernst, ist Erwin Riede überzeugt: "Seit Ende des Kalten Krieges habe ich noch keine so bedrohliche Lage erlebt", sagt er: Iran, Irak, Syrien, die Krisenherde am Rande Russlands und in Afrika könnten zusammen eine große Gefahr entwickeln. Um so wichtiger sei Geschlossenheit in Deutschland und Europa, und dafür wollen sie ein Zeichen setzen.

Blaue Fahnen sollen auch in anderen Städten zu sehen sein

"Natürlich sind wir nicht so naiv zu glauben, dass eine Kundgebung in Konstanz Donald Trump beeindruckt", räumt Auhagen ein, aber er hofft: "Wenn das sich auch auf andere Städte ausbreitet, unterstützen wir unsere Politiker, nicht vor den USA einzuknicken". Und einen Wunsch hat er noch an die Kundgebungs-Teilnehmer: Sie mögen viele blaue Europa-Fahnen mitbringen und an die "Pulse of Europe"-Kundgebungen erinnern. Denn: "Wir sind nicht nur gegen etwas, sondern kämpfen auch für etwas."

Kundgebung des Konstanzer Bündnisses für den Erhalt des Atomabkommens mit dem Iran unter dem Motto "Eine Stunde für Frieden und europäische Einheit gegen Trumps Erpressung" am Donnerstag, 17. Mai, um 18 Uhr am Kaiserbrunnen auf der Marktstätte

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