Die HSG Konstanz gehört zu den erfolgreichsten Handballvereinen in Baden-Württemberg – allerdings fast ausschließlich im Männerbereich und bei der männlichen Jugend. Die Nummer eins bei den Frauen am Bodensee ist der SV Allensbach.

Mit einem neuen Angebot richten sich die Konstanzer nun auch gezielt an Mädchen – und zwar an alle und nicht nur an diejenigen, die Handball spielen. Am 3. April startet der Young Ladies Club, den Susanne Röver von der HSG sowie die Heilpraktikerin und Sachbuchautorin Heidrun H. Horn ins Leben gerufen haben.

Worum geht es im Young Ladies Club?

„Mit dem Young Ladies Club bieten wir ein Programm an, um heranwachsende Mädchen zwischen 12 und 16 Jahren beim Erwachsenwerden zu begleiten“, sagt Röver. Die Mädchen sollen lernen, ihre eigenen Ziele festzulegen und zu ergründen, wer sie sind und wohin sie möchten.

„Eine wichtige Botschaft, die ihnen vermittelt wird, ist, dass sie lernen sich so zu akzeptieren, wie sie sind“, fährt sie fort, und Horn ergänzt ausführlicher: „Bisher gibt die Gesellschaft einen Rahmen des Machbaren vor und sie bewegen sich innerhalb dieses Rahmens. Während Verbindungen bei Jungen schon seit Jahrhunderten üblich sind, um ihnen die männlichen Werte zu vermitteln, sie für das gesellschaftliche Leben vorzubereiten und einen sicheren Halt zu geben, fehlen für Mädchen bis heute entsprechende Angebote. Wir möchten ein Netzwerk schaffen, das vielleicht auch für die Zukunft trägt und bei dem Freundschaften auf tieferer Ebene entstehen können.“

Was ist konkret geboten?

Das Programm startet am 3. April mit einem kostenlosen Kinobesuch des Films Misfit, der laut Röver von genau denjenigen Themen handelt, die jungen Frauen in der Pubertät immer wieder begegnen. „Anerkennung, Mobbing, Medien, Wer bin ich? Wo bin ich?“, sagt sie. Detlef Rabe vom Cinestar erklärt: „In Zeiten von Me-Too-Debatten ist es für mich als Vater eines elfjährigen Mädchens auch ein persönliches Anliegen, dass aus jungen Mädchen starke und selbstbewusste Frauen werden. Mich freut es sehr, dass mit dem Young Ladies Club ein Angebot für Mädchen in unserer Region geschaffen wird.“

Nach dem Kinobesuch gibt es am 5. Juni und am 3. Juli zwei Workshops zum Thema „Ich bin ich! Aber was heißt das eigentlich?“ für 12- und 13-Jährige sowie „Im Schatten und Licht der Medien“ für 14- bis 16-Jährige. Am 2. Oktober findet ein Selbstverteidigungskurs für alle statt sowie zum Abschluss am 4. Dezember ein gemeinsamer Besuch des Stadttheaters.

Was ist für die Zukunft noch geplant?

Die meisten Veranstaltungen sind in der Schänzlehalle, doch um den Mädchen Einblicke in mögliche Berufe zu geben, werden einige Termine, die noch nicht datiert sind, bei Unternehmen aus der Region sein, wo Frauen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Lebensbereichen zeigen, wie sie Beruf und Familie vereinbaren.

„Die Mädchen sollen sich selber finden und einen Weg, den sie gehen wollen“, sagt Röver, die aus Sicht der HSG Konstanz mit dem Young Ladies Club auch die Zukunft des Vereins im Blick hat: „Die jungen Mädchen von heute sind später einmal die Frauen, die entscheiden, wenn es am Samstag in die Halle geht und die in den Familien sagen, wo ihre Kinder hingehen sollen zum Sport.“

Im Young Ladies Club sollen „die Kinder von starken Frauen von der Pubertät bis ins Erwachsenenalter begleitet und bei dieser Entwicklung gestärkt werden“, sagt Susanne Röver.

Und Heidrun H. Horn, die die Idee eines solchen Clubs schon lange hatte, fügt hinzu: „Wir wollen, dass aus tollen jungen Frauen selbstbewusste Frauen werden. Frei, stark und liebevoll. Wir setzen dort an, wo Eltern und Schulen natürliche Grenzen gesetzt sind.“

Beide betonen jedoch, dass sie keine psychologische Beratungsstelle sind und keine Ideologien, weder politischer noch religiöser Art, verbreiten wollen.

Was die HSG im Sport und darüber hinaus für Konstanz vorhat

Die HSG Konstanz hat sich zum Ziel gesetzt, durch ihre Arbeit im Leistungsbereich und im Breitensport den Kindern und Jugendlichen eine sportliche Perspektive zu bieten.

"Über den sportlichen Zielen steht jedoch der Wille des Vereins, durch seine Arbeit eine gesellschaftliche Wirkung zu erzielen", heißt es in einer Mitteilung. Die HSG Konstanz sehe sich, so heißt es weiter, "als Dienstleister, der durch seine Arbeit die städtischen Institutionen entlastet und Aufgaben erfüllt, welche die Öffentliche Hand nicht oder nur teilweise erfüllen beziehungsweise finanzieren kann".

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Hier einige Beispiele: Organisation und Durchführung des Sport-Gartens mit eigenem Personal, Betreuung von Kindern berufstätiger Eltern während der Ferien, Partner der TurnGala, ehrenamtliche Unterstützung des Landeskinderturnfestes, aktive Partnerschaft mit der Philharmonie, Unterstützung der Partner bei der Durchführung von Betriebsfesten – und ab April der Young Ladies Club.