Es ist kein normaler Freitagnachmittag für die Taxifahrer, die am Konstanzer Hauptbahnhof auf Kundschaft warten. Obwohl geschäftiges Treiben herrscht, sind viele mit den Gedanken nicht nur bei ihrer Arbeit. Der brutale Angriff auf einen von ihnen in der Nacht zum Freitag in der Mainaustraße beschäftigt alle. "Wie soll es mir gehen? Beschissen! Er ist ein Kollege", sagt einer der Männer, der seinen Namen lieber nicht nennen möchte. Auch andere Taxifahrer steigen aus ihren Autos und kommen zusammen. "Wie geht es dem Kollegen, weiß man schon, wer es war?", hört man immer wieder. Doch nicht nur die Sorge um den schwerverletzten Kollegen treibt sie um, viele sind selbst tief verunsichert, ihre Gefühle reichen von Angst bis Wut.

Leute sollen aggressiver geworden sein

Ömer Aslan ist schockiert. Er fährt seit neun Jahren Taxi in Konstanz. Der Vorfall bestätigt seiner Meinung nach die Gefühle, die in bereits seit längerem umtreiben. „Ich finde, dass die Leute in den vergangenen fünf, sechs Jahren aggressiver geworden sind. Vor 2012 war alles in Ordnung, seitdem hat sich das Verhalten der Leute geändert. Heute gibt es Jugendliche, die, nur um sich zu prügeln, in die Disko fahren. Das gab es vorher nicht“, sagt er. Aslan fährt nur in der Tagschicht Taxi. „Da kann mir nichts passieren“, ist er sich sicher. Probleme mit gewaltbereiten Fahrgästen hatte er in den neun Jahren, in denen er in Konstanz arbeitet, nicht.

Ömer Aslan fährt seit neun Jahren Taxi in Konstanz. Er findet, die Leute sind in den vergangenen Jahren aggressiver geworden.
Ömer Aslan fährt seit neun Jahren Taxi in Konstanz. Er findet, die Leute sind in den vergangenen Jahren aggressiver geworden. | Bild: Viktoria Nitzsche

"Jetzt würde ich niemals wieder Nachtschicht fahren"

Auch sein Kollege Cengiz Majid glaubt, dass es in den vergangenen Jahren gefährlicher geworden ist, als Taxifahrer zu arbeiten. Seit fünf Jahren befördert er Fahrgäste durch Konstanz. Elf Monate lang hat er in der Nachtschicht gearbeitet. „Jetzt würde ich niemals wieder Nachtschicht fahren“, sagt er. Vor zwei Jahren geriet er selbst in eine Notlage. „Ein Gast wollte nicht bezahlen. Er wurde dann auch aggressiv und hat mich mit einer Flasche bedroht“, erzählt er. Die Polizei sei erst nach 40 Minuten da gewesen. „Zum Glück haben andere Taxifahrer-Kollegen mir geholfen“, sagt er. Der Vorfall in der Mainaustraße macht ihm große Angst. „Am Konstanzer Hauptbahnhof gibt es keine Überwachungskameras, warum?“, fragt er. „Auch im Taxi würde ich mir Kameras wünschen.“ Das hätte auf viele eine abschreckende Wirkung, ist er überzeugt. Aktuell fühle er sich in seinem Auto bei einem Angriff schutzlos.

Cengiz Majid wünscht sich mehr Sicherheit für Taxifahrer in Konstanz. Kameras an öffentlichen Plätzen und in den Taxis würden helfen, sagt er.
Cengiz Majid wünscht sich mehr Sicherheit für Taxifahrer in Konstanz. Kameras an öffentlichen Plätzen und in den Taxis würden helfen, sagt er. | Bild: Viktoria Nitzsche

"Man weiß nie, wer bei einem einsteigt"

Jürgen Haug fährt seit 20 Jahren nebenberuflich Taxi. Er arbeitet hauptsächlich in der Tagschicht, nachts fährt er nur ganz selten. Dennoch hat auch er  in seinem Berufsleben schon brenzlige Situationen mit Fahrgästen erlebt. „Vor 15 Jahren hat ein Fahrgast eine Waffe gezogen. Das war eine besondere Situation“, erzählt er. Der Vorfall in der Mainaustraße beschäftigt ihn sehr: „An so einem Tag wie heute schaut man sich die Leute, die bei einem mitfahren wollen, schon genauer an. Aber die Gefahr fährt einfach immer mit. Man weiß nie, wer bei einem einsteigt“, sagt Haug.