Wie an einem Lineal gezogen führen die Wege an den Gräbern auf dem Konstanzer Hauptfriedhof entlang. Wer jedoch an der Trauerhalle vorbei immer weiter den Friedhof in Richtung Bismarckturm geht, trifft schon bald auf Wege, die geschwungen um die Gräber herumführen. Dazwischen arbeiten einige Gärtner. Gerhard Leirer fräst durch die Erde, Thomas Bärthble schüttet mit einer Schubkarre neue Erde auf, während Eberhard Röger und Andreas Kunkel Narzissen einpflanzen. Sie und weitere Konstanzer Gärtner betreuen das Grabfeld Lebenswege auf dem Konstanzer Hauptfriedhof.

Das von Gärtnern gepflegte Grabfeld soll sich von traditionellen Gräbern in Reih und Glied abheben. Wie ein kleiner Park soll das Grabfeld für die Lebenden da sein: als ein Ort der Erinnerung und ein Ort der Begegnung. Das ist das Ziel der beteiligten Konstanzer Gärtnerbetriebe, die die Lebenswege pflegen. "Früher war der Friedhof eine Stätte der Begegnung, heute ist sein Image eher negativ. Dem wollen wir entgegenwirken", sagt Eberhard Röger. Und: "Die Leute sollen gern auf den Friedhof kommen."

Warum viele das kostenpflichtige Angebot der Gärtner nutzen? Verwandte lebten teils nicht in der gleichen Stadt, in der ihre Angehörigen begraben sind, anderen fehle die Zeit, erklärt Andreas Kunkel. "Viele wollen keine Arbeit damit haben, aber einen Platz, wo es jederzeit schön ist und den sie jederzeit besuchen können.

" Das ganze Jahr über jäten die Gärtner Unkraut, mähen den Rasen, gießen die Pflanzen und halten das Grabfeld gepflegt; dreimal im Jahr bepflanzen sie zudem das Feld mit Blumen der jeweiligen Jahreszeit. An diesem Tag kehrt der Frühling auf dem Friedhof mit Margeriten, Narzissen und Vergissmeinnicht ein.

Die Friedhofsgärtner bieten auch alternative Gräber wie Urnenbeisetzung am Baum oder an der Trockenmauer an. Die Konstanzer Gärtner gehören zur Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner, die insgesamt 370 Grabfelder plant, bepflanzt und pflegt.