Konstanz – Tagesmütter bieten eine Alternative zum klassischen Platz in einer Kindertagesstätte. Bisher aber hatte die Betreuungsform in der Wohnung einer Tagesmutter oder in Räumen, die eine oder mehrere Tagesmütter mieten, ein Manko. Im Krankheitsfall gab es keine sichere Vertretung. Die Stadt will dafür sorgen, dass es nun auch bei der Tagesmütter-Betreuung die Verlässlichkeit über Krankheitstage hinaus gibt. Von den zwei angedachten Modellen, fand aber nur eines die volle Zustimmung im Jugendhilfeausschuss.

Dieser empfiehlt, 140000 Euro aufzuwenden, und vorerst zwei zentrale Stützpunkte in angemieteten Räumen zu schaffen, in denen Vertretungskräfte für Kinder bereit stehen, die bei einer Tagesmutter im Privathaushalt betreut werden. In der Zeit, in denen die Ersatzbetreuer nicht gebraucht werden, sollen sie die Kinder, die möglicherweise mal zu ihnen kommen, kennen lernen und die Kinder auch die Einrichtung der Vertretung besuchen. Jeder Stützpunkt soll mit maximal fünf Personen der Kindertagespflege zusammenarbeiten.

Bedenken, ob der Raumwechsel sinnvoll ist

Die Frage, wie hoch der tatsächliche Bedarf ist, ist nach Angaben von Alfred Kaumfmann, Leiter des Sozial- und Jugendamts, noch nicht geklärt. Der Aufbau der Stützpunkte wäre ein erster Schritt, um Erfahrungen mit einem solchen Modell zu sammeln. Andere Städte hätten auch mit einem kleinen Angebot angefangen, und hätten nun ein etabliertes Angebot. Obwohl es auch einige Bedenken gab, ob der Wechsel von Raum und Person im konkreten Fall tatsächlich sinnvoll ist, empfahl der Ausschuss die Stützpunkte einstimmig. Die Entscheidung liegt beim Gemeinderat.

"Ich habe große Probleme mit den Minijobs."

Umstritten war aber das Modell, bei Kindern, die außerhalb einer Wohnung in anderen gemieteten Räumen betreut werden, Minijob-Kräfte als Vertreter einzusetzen. Die selbständigen Tagesmütter müssten diese selbst anstellen, würden die Kosten aber von der Stadt erstattet bekommen. Stadtrat Jan Welsch (SPD) kritisierte: "Ich habe große Probleme mit den Minijobs." Eine Stadt, die ja auch eine gewisse Vorbildfunktion habe, solle nur sozialversicherungspflichtige Beschäftigung schaffen. Till Seiler (Grüne) forderte ebenfalls eine andere Form der Anstellung. Joachim Filleböck (CDU) schlug eine Teilzeitanstellung vor. Sigrid Schaden vom Tagesmütterverein sagte als Gast: die Tagesmütter selbst hätten mit dem Minijob-Modell nicht unbedingt ein Problem, es gebe allerdings Zweifel, ob es möglich ist, auf dieser Basis überhaupt Vertretungen zu finden. Bürgermeister Andreas Osner will nun mit der Fachbehörde nochmals beraten, welche Alternativen sich zum Minijob bieten, und alle Vor- und Nachteile in einer neuen Vorlage für den Ausschuss zur Beratung vorlegen.