Rathaus, Kirche, Gasthaus zum Adler: Dieser bauliche und gesellschaftliche Dreiklang ist prägend für den Ortskern Allmannsdorfs. Ein Jahr lang war der Adler geschlossen. Das Gebäude wurde renoviert und das Dachgeschoss ausgebaut. Still und heimlich hat das neue, in Konstanz wohlbekannte Betreiberpaar das Restaurant nun eröffnet.

Nicole Werneth und Tino Schumann, die sich mit dem Restaurant Hörnle einen guten Ruf erarbeitet haben, wollen die traditionelle Gasthauskultur in die Zukunft führen.

„Wir sind in neuen Gefilden“, schmunzelt Tino Schumann, der sich auch als Vorsitzender des Konstanzer Wirtekreises ehrenamtlich für die Zunft der Gastronomen engagiert. „Spaßeshalber sage ich immer, es ist das Projekt meiner Frau“, meint er und zwinkert dabei seiner besseren Hälfte zu.

Das Paar wollte einen Ganzjahresbetrieb dazunehmen

Warum das Paar jetzt neben dem Hörnle noch ein Gasthaus betreibt? „Sonst wäre es uns im Winter langweilig geworden“, meint Nicole Werneth lachend. Aber im Ernst: „Wir sind sehr zufrieden mit dem Hörnle, das wir selbstverständlich weiterführen“, so Schumann. „Aber es ist ein reines Sommergeschäft. Es gibt auch Jahre, die nicht ganz so gut laufen. Wir haben schon länger überlegt, einen ganzjährigen Betrieb zu führen.“

Nicole Werneth und Tino Schumann, die seit Jahren das Café-Restaurant Hörnle erfolgreich führen, haben sich Ende vergangenen Jahres spontan entschieden, das Gasthaus zum Adler in Allmannsdorf zu übernehmen.
Nicole Werneth und Tino Schumann, die seit Jahren das Café-Restaurant Hörnle erfolgreich führen, haben sich Ende vergangenen Jahres spontan entschieden, das Gasthaus zum Adler in Allmannsdorf zu übernehmen. | Bild: Scherrer, Aurelia

Bereits im Oktober 2018 hat das Paar das Objekt in Allmannsdorf besichtigt, die Idee, es zu übernehmen jedoch wieder verworfen. „Ein reines Restaurant hier in Allmannsdorf zu betreiben wäre schwierig“, wertet Tino Schumann. „Es braucht eine Kombination, damit man Kompensationsmöglichkeiten hat, wenn ein Bereich nicht so gut läuft.“

Uriger Charme

Im September 2019 erfuhren sie vom Hausbesitzer, dass das Dach ausgebaut wird und künftig über elf Gästezimmer verfügt. In dieser Kombination konnten es sich Tino Schumann und Nicole Werneth vorstellen. „So hat jeder von uns den Laden, den er mag“, meint Schumann und erläutert: „Ich mag es, wenn viel los und Rambazamba ist. Damit ist das Hörnle eher mein Geschäft. Nicole liebt es, Wirtin zu sein und die Gäste in einem Gasthaus zu bedienen.“

Nicole Werneth als gelernte Hotelfachfrau schätzt den urigen Charme des Adlers. „Es gibt viele Läden in Konstanz, die durchgestylt sind. Das mag ich auch. Aber die historischen Gebäude – der Adler ist im Kern 400 oder 500 Jahre alt – haben einfach einen besonderen Charme“, beschreibt sie.

Im Restaurant hat sich nicht viel verändert. Die neuen Betreiber wollen hier die Gasthaus- und Wirtshauskultur weiter pflegen.
Im Restaurant hat sich nicht viel verändert. Die neuen Betreiber wollen hier die Gasthaus- und Wirtshauskultur weiter pflegen. | Bild: Scherrer, Aurelia

Spontan entschieden sie sich im Oktober 2019, das Gasthaus zum Adler zu übernehmen. Dann überschlugen sich die Ereignisse, denn den lang geplanten und gebuchten Urlaub Ende Oktober wollten sie nicht einfach canceln. Die Zeit war dann sehr knapp, denn bei der Eröffnung eines Restaurants mitsamt Gästezimmer, die aktuell gerade baulich fertiggestellt werden, gibt es viel zu organisieren, von Personalfindung bis Homepagegestaltung.

Aufgrund der knappen Vorbereitungszeit entschieden sie sich für ein „Soft Opening“, wohlwissend, dass zu Beginn ein reibungsloser Ablauf nicht garantiert sein würde.

Hilfe von Kollegen

Glücklich sind Nicole Werneth und Tino Schumann ob der Unterstützung, die sie von Kollegen erfahren haben. „Ich habe zwar Hotelfachfrau gelernt, aber das ist zwanzig Jahre her. Damals gab es noch Reservierungsbücher, während heute eigentlich alles online läuft“, schildert Nicole Werneth.

„Bärbel Wiedemann vom Hotel Viva Sky hat mich super unterstützt und mir Einblick in ihr Hotel, die Abläufe und die Buchungssysteme gegeben. Das ist nicht selbstverständlich.“ Auch Heinz-Josef Diestel vom Staader Fährhaus hat den beiden Unterstützung angeboten. So startet das neue Betreiberpaar nun zuversichtlich in die Zukunft.

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Mit Freude zeigt Nicole Werneth die Gästezimmer im Ober- und dem ausgebauten Dachgeschoss. Auch im einstmaligen Saal des Adlers, wo früher Hochzeiten und Geburtstage gefeiert wurden, sind jetzt Gästezimmer etabliert.

Lediglich eine Säule erinnert noch an die Historie. Sie befindet sich im Bad des Weinfest-Zimmers, wie Nicole Werneth erläutert. Wie es zu dieser Namensgebung kommt, stellt die junge Wirtin szenisch dar. Sie stellt sich vor das Waschbecken und greift Halt suchend mit einer Hand an die Säule.

Traditionelle Gasthaus-Kultur ist das Credo

Im Restaurant will Nicole Werneth die traditionelle Gasthaus-Kultur pflegen, „wo man gemütlich essen oder sich zum Stammtisch treffen kann“. Die Küche ist gutbürgerlich ausgerichtet. „Schnitzel, Rumpsteak, Leberle, Bratwurst mit Kartoffelsalat“, nennt sie Beispiele von der Speisekarte. „Wir wollen die Karte nicht riesig aufblasen. Lieber gestalten wir zusätzlich wechselnde Wochenkarten. Noch sind wir in der Findungsphase, denn ich suche noch einen Koch“, berichtet Tino Schumann, der aktuell selbst als Küchenchef agiert.

Trotz der vielen Arbeit freuen sich die beiden über ihren Adler, denn, wie die beiden unisono feststellen: „Wir sind toll in Allmannsdorf aufgenommen worden. Alle sind höflich und freundlich. Das ist echt positiv.“ Ihr Ziel: „Es soll zu einem Treffpunkt für Allmannsdorf werden.“

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