Das Gezerre um den Uferweg zwischen Wallhausen und Bodman geht weiter. Alfred Reichle schaltet nun beim Streit um die Wiedereröffnung im Namen seiner SPD-Fraktion im Dettinger Ortschaftsrat einen Gang höher. Die Stadtverwaltung soll das zuständige Innenministerium als oberste Landespolizeibehörde auffordern, die Sperrung ohne weitere Sicherungsmaßnahmen aufzuheben. Auf Gefahren soll eine rechtssichere Beschilderung hinweisen.

Einmütige Stimmung im Dettinger Ortschaftsrat

"Wir brauchen gar nicht abstimmen. Ich schicke das gerne an das Regierungspräsidium Freiburg und nach Stuttgart", sagte Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn. "Aber die Antwort des Regierungspräsidiums kenne ich schon", dämpfte er die hohen Erwartungen im Ortschaftsrat. Zur Abstimmung kam es dennoch mit dem erwarteten einmütigen Ergebnis. Schließlich hatte Daniel Späth (CDU) eingangs einen ähnlichen Antrag gestellt.

Aufruf an Naturschützer: Nicht so sehr auf Standpunkt beharren

Er habe beobachtet, dass der Weg bei Wallhausen trotz der Sperrung von Kleingruppen, Einzelpersonen und Hundeführern begangen werde. Späth wiederholte seinen Vorschlag, entweder mittels eines elektronischen Frühwarnsystems oder einer Galerie für den Schutz von Wanderern zu sorgen. Die Naturschützer forderte er auf, "nicht so auf ihrem Standpunkt zu beharren, sondern konstruktiv mitzumachen, damit der Weg wieder aufgemacht werden kann".

Bis hierhin und – eigentlich – nicht weiter: Die Gitter an der Marienschlucht sehen abschreckend aus. Immer wieder umgehen Spaziergänger und Wanderer sie allerdings. Bilder: Nikolaj Schutzbach
Bis hierhin und – eigentlich – nicht weiter: Die Gitter an der Marienschlucht sehen abschreckend aus. Immer wieder umgehen Spaziergänger und Wanderer sie allerdings. | Bild: Nikolaj Schutzbach
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Andere Schluchten der Region genau so gefährlich?

Späth verwies darauf, dass die Gegebenheiten in der Wutachschlucht und der Breitachklamm in Oberstdorf vergleichbar seien. Auch der Gießbachtobel bei Ludwigshafen sei seit vergangenem Jahr wieder geöffnet. "Der ist geologisch verhältnismäßig gleich", sagte Späth.

"Ich hätte den Gießbachtobel als gefährlich eingeschätzt", ewiderte Diplom-Geologe Thomas Veigel. Der Tobel und der Trassenweg waren gesperrt worden, nachdem starke Regenfälle dort zu Hangrutschungen geführt hatten.

Wildromantisch ist es nicht nur in der Marienschlucht. Die Tobel in ihrer Umgebung haben ebenfalls ihren Reiz. Bild: Nikolaj Schutzbach
Wildromantisch ist es nicht nur in der Marienschlucht. Die Tobel in ihrer Umgebung haben ebenfalls ihren Reiz. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Klimaauswirkung soll Gefahrenlage verschärft haben

"Die bedenkliche Situation gibt es schon seit 50, 60, 70 Jahren. Die Gefahren waren schon immer da. Sie werden dargelegt, als wären sie etwas Neues", betonte Christian Broghammer (SPD). Es sei seine gutachterliche Pflicht, zum Wohl der Menschen zu urteilen, entgegnete Veigel.

Der Umgang mit den Gefahren sei "jahrelang etwas hemdsärmelig" gewesen. "Die Klimaveränderung spielt eine große Rolle. Sie hat die Sicherheitslage verschärft", erläuterte er auf Nachfrage von Ortsvorsteher Roger Tscheulin (CDU).

Geologe: Es gibt 14 akute Gefahrenpunkte

Veigel berief sich auf sein Gutachten. Seit dessen Veröffentlichung habe sich nichts Wichtiges geändert, habe jüngst eine Begehung ergeben. 14 akute Gefährdungspunkte gebe es bei Wallhausen. Die riskante Strecke ist etwa 600 Meter lang. "Brocken bis ein Kubikmeter Größe können auf den Weg rollen", erklärte Veigel. Außerdem gebe es zahlreiche Bereiche, an denen der Weg abrutschen könnte.

Er fasste noch einmal die Lösungsansätze zusammen: Eine aufwendige Sicherung, die keiner will, da sie den Charakter der Gegend zerstören würde. Eine Führung der Trasse seeseitig sei aus Gewässerschutzgründen kaum möglich. Oder eine traufseitige Trasse, von der auch Aussichtspunkte erreichbar wären.

Bürgermeister: Im Zweifel wären die Verantwortlichen persönlich haftbar

Marienschlucht und Seeuferweg sind Teil des Premiumwanderwegs Seegang. Eine alternative Streckenführung "muss ein attraktiver Wanderweg sein, nicht auf Asphalt", bekräftigte Baubürgermeister Langensteiner-Schönborn. Die vielen Menschen dort "lassen sich den Weg nicht nehmen", berichtete er.

Aber die Verhältnisse seien trügerisch, auch Tage nach einem Regen könne es zu Rutschungen kommen. Er verwies darauf, dass die Verantwortlichen "in einer persönlichen Haftung stünden, wenn sie Leute der Gefahr wissentlich aussetzen".

Gitter wie diese weisen auf die Gefahren hin, die im Bereich der Marienschlucht herrschen. Viele ignorieren die Absperrungen aber und laufen weiter. Bild: Nikolaj Schutzbach
Die Gitter sehen bedrohlich aus. Sie lassen sich aber leicht umgehen. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Entscheidung über Marienschlucht selbst erst Ende Juli

Von den Forderungen nicht betroffen ist die Marienschlucht, über deren Zukunft in einer großen Sitzung am Mittwoch, 25. Juli, in Langenrain alle Betroffenen diskutieren sollen.