Mainau – Bachs Chromatische Fantasie und Fuge d-Moll, Schuberts Wandererfantasie und Chopins 12 Etüden op. 25 sind nicht gerade pianistische Leichtgewichte. Im Bach-Werk spürte Robert Neumann dem Cembalo-Charakter mit gebrochenen Akkorden genau nach, arpeggierte also angemessen auf dem Flügel. Auch die komplexe Fuge mit ihren chromatisch aufsteigenden Linien, die dem Werk den Namen gaben, bewältigte er souverän. Ein wenig zu romantisch geriet die Gestaltung mit deutlichen dynamischen Kontrasten – aber das ist künstlerische Auffassungssache.

Eine Eigen-Komposition, eine Fantasie als sein Opus 12, stimmte gut auf die Romantik ein: Schwere Akkordik, mit wütendem Hämmern ausgeführt, trifft auf zarte Tupfer und liedhafte Passagen. Das Schubert-Werk, eines seiner anspruchsvollsten, war technisch kein Problem für die pianistische Nachwuchs-Hoffnung. Die Stimmungs-Schwankungen des Romantikers sind gar nicht so leicht auszudrücken. Der Pianist ging sie mit jugendlichem Überschwang fast aggressiv an. Die schönen innigen Passagen dürften mit noch weicherem Anschlag und ruhiger gestaltet sein.

Dazu kommt, dass der in die Jahre gekommene Steinway-Flügel technisch nicht ganz einfach zu bedienen war: Pedal-Probleme führten zu nachhallendem Saiten-Schnarren und eine kristallisch-klirrende Diskantlage bekam besonders den Chopin-Etüden nicht gut. Mit ihren hochgradig schwierigen fingertechnischen Anforderungen sind sie auch bei etablierten Pianisten nicht ungefürchtet. Die typisch chopin'sche Agogik bedarf langer und intensiver Übung, und um Strahlkraft und Wärme zu entfalten, müssen Dynamik und Pedalbehandlung genau gewichtet sein. Wie gut, dass der 15-Jährige noch alle Zeit der Welt hat, sich zu vervollkommnen. Vorausgesetzt, er bekommt Muße zur persönlichen Reifung und wird jetzt noch nicht zu häufig und mit zu schwerer Literatur gefordert, was ein Blick in seinen dicht gespickten Aufführungs-Kalender vermuten lässt.