Konstanz "Der Zwang:" Ein Kampf zwischen Wahnsinn und Vernunft

Das Unitheater Konstanz spielt "Der Zwang" von Stefan Zweig: Eine zeitlose Geschichte über den Konflikt eines Flüchtlingspaars.

Brauner Staub wirbelt auf, als der Chor soldatenähnlich über die Bühne marschiert. Die zwölf Schauspieler sind mit Dreck und Schlamm beschmutzt, ihre Kleider sind zerrissen. Die Hauptfiguren in Stefan Zweigs Novelle "Der Zwang", der deutsche Maler Ferdinand und seine Frau Paula, sind vor Krieg und Einberufungsbescheid in die Schweiz geflüchtet. Doch der gefürchtete Brief erreicht ihn trotzdem und Ferdinand muss sich entscheiden: Verweigert er sich und bleibt bei seiner Frau Paula oder folgt er dem Ruf des Vaterlandes? In ihm entsteht ein Kampf zwischen Wahnsinn und Vernunft. Hat das Vaterland mehr Macht über ihn als er selbst oder seine Frau Paula? Und: Kann man frei sein, wenn man sich draußen flüchtig fühlt? Der Chor übernimmt die vermittelnde Funktion zwischen den Figuren und dem Zuschauer. Durch die starren Blicke und die zerrissene Kleidung erzeugt er eine Atmosphäre des Kampfes – nicht nur des Krieges, sondern auch des inneren Gefechts in der Hauptfigur. Die Inszenierung basiert auf der Novelle "Der Zwang" aus dem Jahr 1920. Dramatisiert wurde das Stück von Thomas Fritz Jung, Schauspieler am Theater Konstanz, der zusammen mit Andreas Bauer auch Regie führte. Die beiden Hauptfiguren werden von den ausgebildeten Schauspielern Sebastian Haase und Elena Weiß gespielt.

Im Hintergrund Maler Ferdinand mit seiner Frau Paula, umringt von den düsteren Gestalten des Chores. Bild: Uni Theater Konstanz
Im Hintergrund Maler Ferdinand mit seiner Frau Paula, umringt von den düsteren Gestalten des Chores. Bild: Uni Theater Konstanz

Die Zusammenarbeit mit dem Unitheater haben die beiden als sehr positiv empfunden. "Es ist ein schwieriger Stoff, bei dem wir viel ausprobiert haben", erklärt Sebastian Haase, es habe sich in der Zusammenarbeit alles frei und lose herausgebildet. Die Studenten haben die Kostüme und den Chor selber entwickelt, resümiert Haase, sie erzählen die Teile, die man selbst nicht spielen kann. Dieser impliziere nicht nur Gedanken, sondern trägt auch die Gefühle der Protagonisten nach außen. "Es war sehr spannend zu versuchen, den Konflikt gedanklich zu erfassen ohne ihn zu idealisieren", beschreibt Elena Weiß den Arbeitsprozess. Der Konflikt eines Flüchtlingspaares ist aktuell und spiegelt sich auch in der Wahl der Spielorte wieder. Neben dem Kunstraum Kreuzlingen und der Studiobühne an der Universität Konstanz, wird auch das Agathu Flüchtlingscafé in Kreuzlingen bespielt. Haase beschreibt, dass sie sich mit der Problematik aus der Künstler-Perspektive befasst hätten. Die Projektionsfläche des Stückes und der Figur bliebe dabei aber trotzdem offen und solle auch nicht beantwortet werden. "Es geht darum, dass es auch nicht wirklich zu verstehen ist", so Weiß, der Konflikt zwischen Liebe, Vaterland und Freiheit sei irrational.

Maler Ferdinand ist hin und her gerissen: Ist ihm sein Vaterland wichtiger als sein Leben? Bild: Uni Theater Konstanz
Maler Ferdinand ist hin und her gerissen: Ist ihm sein Vaterland wichtiger als sein Leben? Bild: Uni Theater Konstanz


Weitere Termine am 21. und 22. Januar um 20 Uhr im Agathu sowie am 25., 27. und 28. Januar in der Studiobühne der Uni Konstanz. Karten sind an der Uni Konstanz sowie im Buchladen Homburger und Hepp und freitags im Kunstraum Kreuzlingen erhältlich

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