Mieter haben ihre Wut in Verse gefasst: "Gute Dämmung wird zu Müll, weil Vonovia es so will" oder "Mieter bezahlen, Aktionäre strahlen". Das ist zu lesen auf Plakaten, die Bewohner der Vonovia-Häuser in der Schwaketenstraße in die Höhe recken.

Rita Schwarzelühr-Sutter will nun wissen, ob es überhaupt einen Gewinn für die Umwelt gibt, und in welchem Verhältnis dieser zum Aufwand steht. Sie wolle zudem Klarheit darüber, ob Fördermittel fließen. Bei einem Ortstermin erschließt sich der SPD-Politikerin die Notwendigkeit der Eingriffe nicht. Der Mieterbund Bodensee hatte sie nach Konstanz geholt.

Architekt sieht keine Notwendigkeit für neue Fenster

Vor allem der angekündigte Austausch, der erst vor 15 Jahren nach damals modernstem Standard erneuerten Fenster und Wärmedämmung bringt Mieter auf die Palme. Gerhard Maier, Vorsitzender der Konstanzer Architektenkammer, den der Mieterbund als Experten beigezogen hat, geht bei den Fenstern von einer Lebensdauer von 35 Jahren aus. Es gebe keinen Grund, diese jetzt schon auszutauschen.

Die Dämmwerte seien gut, neue Fenster würden da nur wenig verbessern. Auch gebe es keinen fachlichen Grund, die Mineralwoll-Dämmung durch Styropor auszutauschen.

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Rita Schwarzelühr-Sutter sagt, Vonovia habe ihr einen Gesprächs-Termin angeboten. Sie werde dann die Frage stellen, wo der zusätzliche Gewinn fürs Klima durch die geplanten Eingriffe sei.

Vonovia weist Vorwurf der Luxussanierung zurück

Energetische Sanierungen hält sie nur bei hohem Einsparpotenzial für sinnvoll. Nach allem, was sie vom Zustand des Hauses erfahren habe, sehe sie ein Feld, auf dem Vonovia aus Gesundheitsgründen dringend tätig werden müsste: Die seit Jahren mit Legionellen belasteten Leistungen müssten saniert werden, die Kosten für so eine Instandhaltung aber dürfe der Konzern nicht auf die Mieter umlegen.

Sie bekannte, es sei ein Fehler der vergangenen 20 Jahre gewesen, Wohnungen zu verkaufen, die in der Hand von Kommune, Land oder Bund waren. Nun gelte es, mehr Mittel für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen. Winfried Kropp vom Vorstand des Mieterbunds forderte im Mietrecht ein wirksames Widerspruchsrecht für Mieter.

Die bisher geplanten Änderungen seien nicht ausreichend. Bürger fragten bei dem Gesprächstermin nach dem sozialen Gewissen der Politik und mahnten, die jetzigen Probleme entstünden, weil Immobilien zu Spekulationsobjekten geworden sind.

Vonovia ist ein börsennotiertes Unternehmen. Dieses sagt, es gehe darum, aktuelle Anforderungen an die Gebäudetechnik zu erfüllen. Es weist den Vorwurf der Luxussanierung zurück. Man bemühe sich, auch Lösungen für Härtefalle zu finden. Den Mietern in den 252 Wohnungen drohen bis zu 200 Euro Mietaufschlag, nicht alle könnten diesen bezahlen.