Wer seit gestern in den Konstanzer Vorort Litzelstetten fährt, kann das große Schild auf den Wiesen gegenüber dem Hotel Volapük nicht übersehen: "Ja – für Einheimische und Fremde" steht hier in großen Lettern. Und etwas kleiner: „Hier könnte dringend notwendiger Wohnraum entstehen. Unterstützen Sie die Anstrengungen und Entscheidungen des von uns gewählten Ortschaftsrates. Nutzen Sie die Möglichkeit zur Beteiligung an der Bürgerbeteiligung.“ Sonst kennt man Derartiges, wenn ein paar Meter davor auf der öffentlichen Grünfläche für Weihnachtsmarkt, Starkbier- oder Dorffest geworben wird.

Für das neue Schild sind die Besitzer der Grundstücke verantwortlich, auf denen es steht. Die Brüder Harald und Armin Nops sowie Andreas Scherf. Sie möchten hier Gebäude errichten, die als Anschlussunterkünfte für Flüchtlinge genutzt werden sollen. Dieser Wunsch wurde von der Stadt und dem Regierungspräsidium Freiburg abgelehnt. Hotelbesitzer Alfred Spicker ist einer der Gegner der Bebauung. Die Baubefürworter und Grundstücksbesitzer wollen sich nicht damit abfinden und sind bereit, für ihr Vorhaben zu kämpfen.

Im Flächennutzungsplan wird der Bereich als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen und bauplanungsrechtlich dem Außenbereich des Ortes zugeordnet, was eine Bebauung nach geltendem Recht erschwert. Derzeit läuft eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung, die der Ortschaftsrat empfohlen hatte. Noch bis 31. März haben alle Bürger das Recht, im Bürgerbüro einen detaillierten Einblick in den Sachstand zu nehmen und eine Stellungnahme bei Martin Wichmann, Leiter Fachbereich Umwelt im Amt für Stadtplanung und Umwelt bei der Stadt Konstanz, abzugeben. Danach werden diese Stellungnahmen einzeln ausgewertet und fließen in eine Vorlage ein, die dem Technischen- und Umweltausschuss sowie dem Ortschaftsrat Litzelstetten zur Vorberatung übergeben wird. Anschließend muss der Gemeinderat darüber debattieren und einen Beschluss fassen, gegen den wiederum Einspruch eingelegt werden kann.