Ein dünnes Papier schlägt immer höhere Wellen und könnte zu einem finalen Kräftemessen zwischen Kulturbürgermeister Andreas Osner und Theaterintendant Christoph Nix führen. In einer Art Gegengutachten zur so genannten Medienanalyse zur Premiere von "Mein Kampf" bezichtigt Nix seinen Chef, der Stadt durch die Ausgabe von 13.000 Euro nachweislich Schaden zugefügt zu haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Pikant ist nicht nur die Überschrift "Über den Schaden und die Schädlinge", wenngleich Nix in einer später nachgeschobenen E-Mail betont, das Wort "Schädling" nicht auf Osner beziehen zu wollen. Sondern auch zwei Sätze, in denen Nix seinen Vorgesetzten in die Nähe einer Straftat rückt: "Aber BM Osner hat eine Treupflicht gegenüber dem Vermögen der Stadt, und es wäre Aufgabe einer funktionierenden Staatsanwaltschaft zu prüfen, ob diese Pflicht verletzt wurde, dann läge Untreue und Vermögensschaden vor. Dafür spricht einiges."

Damit ist das Verhältnis zwischen Nix und Osner auf einem neuen Tiefpunkt

Der Graben zwischen Nix und Osner hat damit eine bisher einmalige Dimension erhalten. Denn zunächst war sogar unklar, ob der Bürgermeister dem Intendanten überhaupt Zugang zu der Studie rund um die Vorgänge vor dem 20. April gewährt hat. Osner erklärt auf Nachfrage des SÜDKURIER: "Der Intendant hat ebenso wie der Gemeinderat die Druckfassung der Auswertung bekommen und ein Termin zu dessen Besprechung ist anberaumt."

Nix dagegen betonte zunächst, bisher noch nicht einmal informiert worden zu sein und schrieb am Dienstagabend, dass er die Analyse "bis heute nicht kenne." Dennoch greift er das Papier in seinen Grundfesten an, indem er einen durch die Inszenierung entstandenen Schaden in juristischem Sinne rundweg bestreitet. Erst am Mittwoch habe er die Medienanalyse erhalten, erklärte Nix am Mittag.

Wer hat nun welchen Schaden?

Als "Rechtsanwalt Professor Dr. Dr. Christoph Nix, Theater Konstanz / Universität Bremen" führt er aus, dass sich Schaden nur aus einen konkreten Schadensberechnung ableiten könne und folglich ein Schaden gegen eine wie auch immer definierte Ehre eines Gemeinwesens juristisch nicht haltbar sei. Vielmehr kehrt er – zumal es nur eine einzige Abonnement-Kündigung in der Folge von "Mein Kampf" gegeben habe – den Vorwurf gegen Bürgermeister Osner: "Ohne das Gutachten von Andreas Osner wäre das Vermögen der Stadt Konstanz um 13.000 Euro größer, insoweit ist ein Schaden entstanden."

Stellungen vor Sitzung des Kulturausschusses sind damit bezogen

Mit dieser Position dürfte Nix vor einer Sondersitzung des Kulturausschusses am Dienstag, 18. September, (16 Uhr, Ratssaal) einigen Rückhalt in der Politik haben. Alle Fraktionen hatten sich verärgert über OsnersAlleingang in Sachen Medienanalyse gezeigt. Das Ergebnis, heißt es aus Kreisen des Gemeinderats, habe diese Haltung eher noch verstärkt, da in dem Papier nichts stehe, was man nicht auch schon zuvor gewusst habe oder sich sehr einfach selbst habe herleiten können.

Auch die Qualität der Studie steht in Frage

Nix behauptet mit Blick auf die bisherigen Tätigkeiten des Hamburger Unternehmens sogar: "Die Agentur hatte nämlich gar nicht die Fähigkeiten so etwas zu ermitteln, was gar nicht zu ermitteln ist." Osner antwortet auf die Frage des SÜDKURIER, ob die Stadtverwaltung mit der Qualität der 13.000 Euro teuren Analyse zufrieden sei, weder mit Ja noch mit Nein: "Die Medienauswertung ist nach gängigen Standards eines Experten für Krisenkommunikation erstellt worden. Allein für die strukturierte Zusammenstellung, Einordnung und Bewertung der vorliegenden Masse an Meldungen sind spezifische Kompetenzen und Tools erforderlich."