Konstanz Der Streit ist Schnee von gestern: Die Chefs der Konstanzer DLRG-Gruppen sprechen im Interview über deren Fusion

Vor 25 Jahren spaltete sich die zerstrittene DLRG in die Ortsgruppen Dettingen-Dingelsdorf und Konstanz auf. Jetzt wollen sie wieder zusammengehen. Die Vorsitzenden Lars Iken und Clemens Menge über eine Versöhnung.

Herr Iken, Herr Menge, warum fusionieren die beiden DLRG-Gruppen?

Iken: Weil wir in vielen Bereichen sowieso zusammenarbeiten, personelle Ressourcen schonen und damit unsere Arbeit verbessern wollen.

Menge: Wir wollen Synergien nutzen. Die Belastungen im Ehrenamt werden immer mehr. Gleichzeitig gibt es wachsende Anforderungen im Beruf und ähnliches. Wir wollen, dass es jedem einfach Spaß macht. Wir sind in einer politischen Gemeinde mit zwei Gruppen aktiv, was hin und wieder zu Verwirrungen führt. Administration, Vorstandsarbeit, Kassenführung und so weiter wollen wir nicht mehr doppelt machen. Und wir können die Aktiven anderweitig sinnvoll einsetzen, Last und Verantwortung auf mehr Schultern verteilen. Wir haben gemerkt, dass wir gemeinsam stärker sind.

Hat es Defizite gegeben?

Menge: Defizite möchte ich nicht sagen, das klingt so negativ. Wir haben zum richtigen Zeitpunkt gemerkt, dass wir die Herausforderungen der Zukunft gemeinsam meistern können. Bei den Einsätzen haben wir das Problem der Tagesverfügbarkeit. Dafür haben wir neue Konzepte, die wir versuchen gemeinsam umzusetzen.

Iken: Bei der Ausbildung machen wir dies bereits seit zwei Jahren: Da haben wir Erfahrungen gesammelt. Die Zahlen in der Ausbildung sind in den letzten zwei Jahren gestiegen. Dadurch sehen wir: Das war der richtige Schritt. Das wollen wir jetzt in den anderen Bereichen ebenfalls vollziehen.

Was war vor 25 Jahren die Ursache für die Trennung?

Iken: Da war ich noch nicht Mitglied. Da kann ich nichts dazu sagen.

Menge: Ich kenne das nur aus Erzählungen. Das waren, so wie ich das mitbekommen habe, persönliche Unstimmigkeiten. Die Leute, die damals beteiligt waren, sind heute nicht mehr aktiv. 25 Jahre sind eine lange Zeit, da verändern sich Menschen und verändern sich Situationen.

Gibt es Widerstand wegen der Fusion?

Menge: Ich spüre im Moment keinerlei Widerstand von den Älteren oder den Jungen. Die Konstanzer sehen das eher gelassen.

Iken: Es wurden Bedenken geäußert, dass gar nichts mehr in Wallhausen stattfindet, was definitiv nicht so sein wird. Es wird es sich zeigen, dass die Fusion der richtige Schritt war.

Rechnen Sie mit Austritten?

Iken: An direkte Austritte wegen der Fusion glaube ich nicht.

Für wie hoch schätzen Sie die Zustimmung für die Fusion unter den Mitgliedern ein?

Iken: Für sehr hoch. Es wird wohl ein paar Enthaltungen geben, aber Neinstimmen kann ich mir nicht vorstellen.

Menge: Das sehe ich ähnlich. Ich denke, es gibt eine breite Zustimmung, wenn man es den Leuten richtig erklärt. Da mache ich mir keine Sorgen.

Was ändert sich, vor allem für den Standort Wallhausen?

Menge: Erst einmal nichts. Zwischen Konstanz und Bodman liegen 20 Kilometer. Da ist der Standort von Wallhausen schon sehr wichtig. Wir wollen ihn weiter stärken. Das Boot und die Unterkunft werden da bleiben. Da wurde ja eine Gemeinschaft aufgebaut, die wollen wir ja nicht zerschlagen. Sondern zusehen, dass sie weiter Leben bekommt, und dass die Leute dort mit Begeisterung Wachdienst im Strandbad machen. Sie sollen dort weitgehend selbstständig arbeiten. Einsatztaktisch ändert sich im Prinzip auch nichts gegenüber früher. Von Konstanz rücken bei Einsätzen im Bereich Wallhausen auf jeden Fall wie bisher Kräfte mit aus.

Iken: Dadurch, dass unsere Mitglieder an der Uni studieren oder in Konstanz arbeiten, war es sonst schon so, dass die vom Wasserrettungszentrum Adlerhorst an der Weiherhofstraße aus ausgerückt sind. Das Personal, das hier vor Ort ist, macht das Boot klar, bis die anderen eintreffen.

Frage: Wie haben Sie sich auf die Fusion vorbereitet?

Iken: Durch intensive Gespräche darüber, welche Vorteile eine Fusion hat oder ob es andere Möglichkeiten gibt, das Ganze nach vorne zu bringen. Wir haben gesehen, dass alles andere keinen Sinn macht. Entweder hätten wir mit dem gleichen Personalaufwand weitergemacht oder die Mitglieder gehen nach Konstanz und die Gruppe löst sich dann irgendwann von alleine auf.

Menge: Darüber hinaus haben wir es in einigen Bereichen einfach getan. Wir waren überzeugt, dass es funktioniert und dass es das Richtige ist. Wir wurden durch das Tun und die Ergebnisse bestätigt. Und wir haben Mitglieder aus Dettingen-Dingelsdorf bei uns im Vorstand.

Bei einer Fusion gilt es dann auch, Wachdienste für die Freibäder zu organisieren.

Iken: Nach der Fusion können wir Personal besser verteilen, denn wir hatten schon die Situation, dass wir in Wallhausen zehn Leute hatten. Es wird so sein, dass jemand von hier für die Wachdienste zuständig sein wird. Auch von der bisherigen Gruppe Konstanz wohnen Leute in Dettingen. Für das Strandbad Dingelsdorf ist immer noch unser Ziel da, auch mehr zu machen. Da muss man aber erst einmal die personellen Ressourcen haben. Wir werden uns vorerst wohl auf Wallhausen und das Hörnle konzentrieren.

Menge: Mit Wachdiensten und so weiter sind wir erst am Anfang. Wir haben verschiedene Konzepte in der Schublade, müssen aber noch viele Details ausarbeiten und Sachen ausprobieren. Mit der Bädergesellschaft haben wir Kontakt aufgenommen, dass wir ein kleines Schlauchboot am Strandbad Wallhausen ähnlich wie am Hörnle stationieren wollen. Ab 2019 würden wir so dann gerne auf Abruf für Dingelsdorf bereit sein und schnell mit einem adäquaten Rettungsmittel um die Ecke geflitzt kommen, um Hilfe zu leisten. Für das Hörnle versuchen wir, das hohe Niveau zu halten. Für Litzelstetten, muss man ehrlicherweise sagen, haben wir im Moment noch kein Konzept.

Wann wird die Fusion rechtlich über die Bühne gehen?

Menge: Bei der Hauptversammlung werden wir die Fusion noch einmal vorstellen, und unsere Mitglieder überzeugen, dass das das Richtige ist. Dann werden wir auf Arbeitsebene die Fusion in allen Bereichen anfangen zu leben und umzusetzen. Der formale Zeitpunkt ist dann der 1.1.2019. Die Ortsgruppe Dettingen-Dingelsdorf wird formal von Konstanz übernommen und dann aufgelöst.

Während Herr Menge bis 2020 als Vorsitzender gewählt ist, verlieren Sie ihr Amt, Herr Iken. Welche Aufgaben übernehmen Sie dann?

Iken: In der neuen Gruppe gar keine. Ich konzentriere mich auf den Bezirk und den Landesverband.

Menge: Und damit unterstützt er im Endeffekt auch die Gruppe.

Welche Kooperationen streben Sie noch an?

Menge: Die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Konstanz werden wir immer mehr verfeinern. Es war eine tolle Saison letztes Jahr, wo es traumhaft funktioniert hat wie noch nie zuvor, zusammen das Bestmögliche für den Patienten herauszuholen. Mit den DLRG-Nachbargruppen Bodman und Allensbach werden wir weiter eng zusammenarbeiten.

Was sind die nächstens Aufgaben, Beschaffungen und Projekte?

Menge: Für dieses Jahr sind in Konstanz Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Fokus. Wir wollen nochmal in persönliche Schutzausrüstung investieren. Im Wasserrettungszentrum ist die Heizung kaputt. Die Reparatur kostet 20 000 Euro. Das Tor ist beschädigt, das sind noch einmal 10 000 Euro. In den nächsten ein bis zwei Jahren müssen wir uns Gedanken machen, wie der Standort aussehen soll, eventuell das Gebäude erweitern. Mal hören, was die Stadt sagt.

Iken: In Wallhausen steht als Investition ein kleines Rettungsboot für das Strandbad für 16 000 bis 18 000 Euro an. Wir beschaffen neue Schwimmwesten fürs Rettungsboot für 2000 Euro. Die Reparatur des beim Sturm am 3. Januar beschädigten Boots erfolgt in den nächsten Wochen.

Bezüglich der Kasse gab es in der DLRG Konstanz im Jahr 2017 Unstimmigkeiten.

Menge: Die Unstimmigkeiten konnten soweit aufgeklärt werden. Viele handwerkliche Dinge waren nicht ordentlich gemacht oder nicht getan. Wir können sagen, dass keine Zuschussmittel einer Verwendung zugeführt wurden, wofür sie nicht gedacht waren.

Wie viele Mitglieder hat die wiedervereinigte DLRG? Und wie viele davon lassen sich als aktiv bezeichnen?

Menge: Ganz grob über den Daumen gepeilt insgesamt tausend Mitglieder. Es gibt drei wesentliche Bereiche: Schwimmausbildung/Breitensport, Jugend und Rettungsdienst. Da gibt es immer wieder Überschneidungen. Eine genaue Zahl der wirklich Aktiven kann ich nicht sagen. Aber ein Beispiel: mittwochabends trainieren im Kur- und Hallenbad 120 Leute und von denen sind 110 Mitglieder.

Fragen: Nikolaj Schutzbach

 

Die Lebensretter

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Dettingen-Dingelsdorf hat ihre Unterkunft beim Strandbad Wallhausen. Sie und die DLRG Konstanz sind zuständig für den Uferbereich vom Wollmatinger Ried bis zur Marienschlucht. Bei der Hauptversammlung heute Abend entscheiden die Mitglieder der DLRG Dettingen-Dingelsdorf und am Freitag, 20. April, die Konstanzer im Wasserrettungszentrum an der Weiherhofstraße über die Fusion der beiden Vereine. (nea)

Informationen im Internet:  www.konstanz.dlrg.de  und http://www.dettingen-dingelsdorf.dlrg.de

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